Innenpolitik

Ein Meister der Inszenierung

Die Macht der Symbole: SPÖ-Chef Christian Kern will in vielerlei Hinsicht an die Traditionen des roten Sonnenkönigs Bruno Kreisky anknüpfen.

Ein Meister der Inszenierung SN/APA/SPÖ/MAX STOHANZL
SPÖ-Chef Christian Kern schaut zum Bild des legendären Kanzlers und SPÖ-Chefs Bruno Kreisky.

Wenn man die SPÖ-Zentrale in der Wiener Löwelstraße betrete, merke man, dass es sich tatsächlich um eine sehr alte Partei handle, sprach einst Fred Sinowatz, als er 1983 als SPÖ-Chef dort einzog.

Heute, mehr als 30 Jahre später, ist Christian Kern Parteichef und die SPÖ-Zentrale wirkt nach wie vor wie aus der Zeit gefallen. Verstaubt, abgelebt; eine Reise in die guten alten 1970er-Jahre, als die SPÖ noch satte, ja absolute Mehrheiten hatte.

Hier im Chefbüro in der Löwelstraße - ein Bild des roten Übervaters Bruno Kreisky, Schreibtisch, Blick aufs Wiener Rathaus - wird der neue SPÖ-Chef nun ein Mal pro Woche amtieren. Ein "symbolischer Akt", um zu zeigen, dass das SPÖ-Zentrum in der Löwelstraße liege und nicht nur im Kanzleramt, sagte Kern am Montag.

Er macht es seinem Idol Kreisky nach, der ebenfalls einen Tag pro Woche von der SPÖ-Zentrale aus Partei und Land dirigierte. Auch in anderer Hinsicht will er es Kreisky gleichtun: Der hat der SPÖ in den 1970er-Jahren einen Modernisierungsschub verpasst. Kern - und er ist nicht der Erste - schwebt Ähnliches vor: Die Partei müsse sich öffnen, sagt er, sie müsse in Richtung einer breiten Bewegung gehen. "Eine Bewegung, die wieder gewissen intellektuellen Ansprüchen genügt", betont Kern. Die Entwicklung der Sozialdemokratie sei zuletzt "nicht unbedingt" von "Höhenflügen" oder "Aufbruchstimmung" gekennzeichnet gewesen. Es sei Zeit, das "Vehikel" SPÖ zu restaurieren, betont er.

Ob das gelingen kann? In Wien ist die Partei zerstritten, in den meisten Bundesländern ist die SPÖ kein Machtfaktor mehr und viele Arbeiter wählen heute blau. Fest steht nur eines: dass Kern nichts dem Zufall überlassen will. Schon gar nicht die Inszenierung. Zu dem Termin, bei dem er seine Pläne für die SPÖ umreißt, sind keine Fotografen zugelassen. Die Bilder, die Kern vor Kreisky-Bildern zeigen, stammen vom hauseigenen Fotografen, der Kern ins beste Licht setzt. Auf dem Schreibtisch liegen schön drapiert zwei Bücher: das neue Werk von Altpräsident Fischer und eine Biografie von Victor Adler, einem Gründervater der SPÖ - verfasst von Robert Misik, der als linker Einflüsterer von Christian Kern gilt. Und im Gespräch lässt Kern immer wieder Zitate von linken Vordenkern und Intellektuellen fallen.

Konkret nannte Kern drei zentrale Punkte für den Parteitag im Mai 2017: die Vorstellung des neuen SPÖ-Programms, den Kriterienkatalog für mögliche künftige Koalitionen (allen voran mit der FPÖ) und drittens eine Organisationsreform, die die Partei öffnen soll. Denkbar sei, dass der Parteivorsitzende künftig bei einer "Urwahl" der Mitglieder gewählt werde, sagte Kern.

Als Linksausleger sieht sich Kern selbst nicht. "Ich glaube, ich bin pragmatisch", sagte er. Das gelte auch für seine Kritik an CETA, dem Freihandelsabkommen mit Kanada. Österreich hat sich da ja quergelegt und fordert weitere Verhandlungen. Doch die Zeit drängt: Bis Mitte Oktober sollte alles unter Dach und Fach sein. Eine Volksabstimmung über CETA, wie das die FPÖ will, hält Kern nicht für zielführend.

Ob die Zeit auch drängt, was das Ende der rot-schwarzen Koalition angeht, bleibt offen. Ebenso die Frage, ob Kern auch in anderer Hinsicht an Kreisky anknüpft: Der hat 1970 eine Minderheitsregierung mit Duldung der FPÖ gebildet. Gerüchtehalber soll es solche Gespräche zwischen Kern und der FPÖ bereits gegeben haben.

Aufgerufen am 21.05.2018 um 05:23 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/ein-meister-der-inszenierung-1008448

Kern nimmt Van der Bellen wegen CETA in die Pflicht

SP-Chef Christian Kern nimmt angesichts der geplanten Ratifizierung des Freihandelsabkommens CETA Bundespräsident Alexander Van der Bellen in die Pflicht. "Der Bundespräsident hat im Wahlkampf gesagt, dass er …

Meistgelesen

    Schlagzeilen