Innenpolitik

Erhöhte Polizeipräsenz auf heimischen Christkindlmärkten

Nach dem Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt am Montagabend in Berlin hat die Polizei ihre Präsenz auf Österreichs Christkindlmärkten erhöht. "Sichtbar wie nicht sichtbar", wie allgemein betont wurde. Nachfolgend ein Überblick über die Maßnahmen auf heimischen Märkten:

Neuralgische Punkte werden besonders überwacht.  SN/APA (Symbolbild)/HANS PUNZ
Neuralgische Punkte werden besonders überwacht.

In Wien hat die Polizei die Präsenz ihrer Beamten an neuralgischen Punkte der Bundeshauptstadt erhöht. "Ein Teil der zusätzlichen Maßnahmen ist sichtbar, ein anderer nicht", sagte Polizeisprecher Patrick Maierhofer zur APA. Oberste Priorität sei es, die größtmögliche Sicherheit aufrecht zu erhalten.

Mit neuralgischen Punkten sind alle Orte der Stadt gemeint, an denen größere Menschenansammlungen zu erwarten sind oder die durch ihre Natur besonders im Fokus von Terroristen stehen könnten: Märkte, Einkaufsstraßen, aber auch diplomatische Vertretungen, Regierungsgebäude, Quartiere internationaler Organisationen oder diplomatische Vertretungen und Ähnliches mehr.

Seitens der Landespolizeidirektion wurde aber betont, dass es keinen Grund gibt, Weihnachtsmärkte zu meiden. "Man soll sich nicht vom Terror in seinen Lebensgewohnheiten einschränken lassen oder diese ändern", formulierte es Maierhofer. Er betonte, dass er selbst jederzeit einen Christkindlmarkt besuchen würde.

Der Wiener Silvesterpfad wird jedenfalls stattfinden. Eine Absage des Silvesterpfads mit jährlich mehreren Hunderttausend Besuchern stehe nicht im Raum, sagte eine Sprecherin vom Veranstalter Stadt Wien Marketing zur APA. Trotz der gestrigen Ereignisse habe sich an der seit 2015 bestehenden Einschätzung einer "erhöhten abstrakten Gefährdungslage" nichts geändert. "Es gibt noch keine neue Einschätzung der Gefährdungslage", sagte die Sprecherin.

Auch in Salzburg sind verstärkt Beamte sichtbar und nicht sichtbar - sprich uniformiert und in Zivil - im Einsatz. "Zudem stehen wir in Kontakt mit Veranstaltern und Veranstaltungsbehörden betreffend der Sicherheitskonzepte. Diese werden nun noch einmal überprüft", sagte Polizeisprecher Michael Rausch.

In Oberösterreich wurde ab sofort auf größeren Adventmärkten die Polizeipräsenz erhöht. Allerdings sei es unmöglich, alle Christkindlmärkte im Land lückenlos zu überwachen, so die Polizei OÖ. Außerdem nimmt die Exekutive in den kommenden drei Tagen mit allen Betreibern der rund 500 Flüchtlingsunterkünfte Kontakt auf, um mögliches auffälliges Verhalten von Bewohnern zu erfahren. So die wichtigsten Ergebnisse einer Besprechung in der Landespolizeidirektion in Linz nach dem Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin.

Trotz erhöhter Sicherheitsvorkehrungen bestehe aber keine akute Terrorgefahr, stellte die Polizei OÖ klar. So sehe man derzeit auch keinerlei Veranlassung, die Oberösterreicher vor dem Besuch öffentlicher Veranstaltungen zu warnen.

Bei der steirischen Exekutive hieß es, dass die gesamte verfügbare Belegschaft am Dienstag in den Dienst gerufen wird. Weihnachtsmärkte sollen verstärkt überwacht werden und zwar sowohl in Zivilkleidung als auch in Uniform. "Wir werden noch mehr Präsenz zeigen", sagte Sprecher Fritz Grundnig auf APA-Anfrage.

In Niederösterreich erhöhte die Polizei nach dem Anschlag in Berlin ebenfalls ihre Präsenz auf Adventmärkten, sagte Sprecher Raimund Schwaigerlehner am Dienstag auf Anfrage. Den Rat, Christkindlmärkte zu meiden, gibt es nicht. "Die Kollegen sind sensibilisiert, auf das Umfeld zu achten", betonte Schwaigerlehner. Der Fokus der Polizei liege auf öffentlichen Plätzen, Einkaufszentren, Bahnhöfen und Flughäfen. Zudem wurde mit Betreibern von Shoppingcentern gesprochen, damit Angestellte sensibilisiert werden.

Ähnlich im Burgenland: Auch hier wollte die Polizei mit erhöhter Präsenz bei Christkindlmärkten auf den Anschlag in Berlin reagieren. Es sei geplant, die Märkte verstärkt beobachten und bewachen, hieß es aus der Landespolizeidirektion Burgenland. Man sehe derzeit aber keine aktuelle Bedrohungslage.

Mehr Präsenz wollte die Polizei auch in Kärnten zeigen. Wie Landespolizeidirektorin Michaela Kohlweiß am Dienstag auf APA-Anfrage sagte, werde etwa die Streifentätigkeit verstärkt. "Wir werden außerdem Maßnahmen setzen, die für die Bevölkerung nicht sichtbar sein werden", so Kohlweiß. Insgesamt konzentriere sich die Polizei in Kärnten dabei nicht nur auf Weihnachtsmärkte, sondern auf alle Punkte, an denen es zu größeren Menschenansammlungen kommt. "Wir haben seit zwei Jahren eine allgemein erhöhte Gefahr in Europa, wegen des aktuellen Vorfalls wird die polizeiliche Überwachung aber noch einmal angepasst", so Kohlweiß. Konkrete Hinweise für Anschläge in Kärnten gebe es derzeit nicht.

In Vorarlberg wird die Polizei "an neuralgischen Punkten" erhöhen, betonte Polizeisprecher Horst Spitzhofer auf APA-Nachfrage. Konkret sprach der Polizeisprecher von Christkindlmärkten oder Silvesterfeiern. "Ein Teil davon wird sichtbar sein, ein Teil nicht", präzisierte Spitzhofer.

Man unternehme auf jeden Fall alles, um die Sicherheit zu gewährleisten. Laut Landesamt für Verfassungsschutz bestünden zwar keine konkreten Hinweise auf geplante Anschläge im westlichsten Bundesland, erhöhte Terrorgefahr bestehe aber in ganz Europa. "Man kann derzeit nicht ausschließen, dass es irgendwo in Europa keinen Anschlag geben wird", brachte es der Sicherheitsexperte auf den Punkt. Die Landespolizeidirektion Vorarlberg hat zudem Kontakt zu den Veranstaltungsbehörden aufgenommen, bestehende Sicherheitskonzepte würden in den nächsten Tagen überprüft und eventuell angepasst.

Quelle: APA

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