Innenpolitik

Ethikunterricht: Schulversuch an 211 AHS-Oberstufen und BMHS

Den Schulversuch Ethik gibt es an österreichischen Schulen seit 1997. Derzeit wird an 211 AHS-Oberstufen bzw. berufsbildenden mittleren oder höheren Schulen (BMHS) Ethik als Pflichtgegenstand für Schüler angeboten, die keinen Religionsunterricht besuchen. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) will den Schulversuch ins Regelschulwesen überführen und langfristig auf alle Schulformen ausweiten.

Faßmann will den Schulversuch ins Regelschulwesen überführen SN/APA (Archiv)/GEORG HOCHMUTH
Faßmann will den Schulversuch ins Regelschulwesen überführen

Hintergrund für die seit den 1990er Jahren immer wieder geführte Diskussion um den Ethikunterricht ist die gesellschaftliche Entwicklung: In den vergangenen Jahrzehnten ist der Anteil der Personen ohne Religionsbekenntnis beständig gestiegen, von vier Prozent im Jahr 1951 auf 17 Prozent 2017. Außerdem können auch Angehörige einer Religionsgemeinschaft vom Religionsunterricht abgemeldet werden - zunächst durch die Eltern, ab 14 Jahren können dies Schüler selbstständig auch ohne Einwilligung der Erziehungsberechtigten.

Bekenntnislose und von Religion abgemeldete Schüler haben derzeit ohne Schulversuch eine Freistunde, ihnen will Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) mit dem Ethikunterricht "eine Alternative zum Kaffeehaus" bieten. An Schulen mit Schulversuch müssen sie dagegen verpflichtend am Ethikunterricht teilnehmen, was die Abmeldung vom Religionsunterricht tendenziell unattraktiver macht.

Unterrichten kann das Fach derzeit wie auch künftig jeder Lehrer, der an einer Pädagogischen Hochschule (PH) eine entsprechende Zusatzausbildung gemacht hat. In der Praxis sind das bisher vor allem Religionslehrer.

Tatsächlich fix ist die Einführung von Ethik als Alternative zum Religionsunterricht mit 2020/21 übrigens noch nicht, wie Faßmann am Dienstag im Ö1-Mittagsjournal einräumt. Mögliche Stolpersteine wären laut dem Minister neben politischer Ablehnung Mangel an ausgebildeten Lehrern oder zu geringe Finanzierung.

Erste Kritikpunkte kamen bereits von NEOS und der Liste Jetzt (vormals Pilz): Beide wollen einen verpflichtenden Ethikunterricht für alle Schüler und nicht nur als Ersatzfach für jene, die keinen Religionsunterricht besuchen, hieß es. Unterstützung für Ethik nur als Alternativfach kam dagegen von Bundesschulsprecher Timo Steyer von der ÖVP-nahen Schülerunion.

Quelle: APA

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