Innenpolitik

Ganztagsschulen werden ausgebaut

Die finanzielle Basis für den Ausbau der Ganztagesschulen ist Mittwochabend im Nationalrat von Koalition, Grünen und NEOS beschlossen worden. Damit können ab nächstem Schuljahr 750 Mio. Euro bis 2024/25 zur Verfügung gestellt werden.

Sowohl öffentliche als auch mit dem Öffentlichkeitsrecht ausgestattete Privatschulen können daraus um einen Zweckzuschuss beim Bildungsministerium bzw. der zuständigen Landesregierung ansuchen. Um Doppelförderungen (mit einer laufenden 15a-Vereinbarung) zu vermeiden, werden in den ersten beiden Jahren nur verschränkte Ganztagsschulen gefördert, in denen einander Unterricht, Lern-, Ruhe- und Freizeitphasen abwechseln.

Der flexible Förderanteil von 250 Mio. Euro, über den die Bundesländer selbst bestimmen können, ist für die Umwandlung von Klassen mit Nachmittagsbetreuung in Klassen mit verschränkter Abfolge des Unterrichts vorgesehen. Zudem sollen damit bestehende außerschulische Betreuungseinrichtungen zugunsten der Ganztagsschulen aufgelassen, Ferienangebote eingerichtet und die Betreuungsbeiträge an ganztägigen Schulen nach einer sozialen Staffelung gesenkt werden.

Die FPÖ verweigerte die Zustimmung wegen der Bevorzugung von Schulen mit verschränktem Unterricht. Für das Team Stronach sind die Pläne der Koalition zu wenig weitreichend.

Der Vorrang für die "verschränkte" Form von Unterricht, Lern-, Ruhe- und Freizeitphasen ist der Grund, dass die FPÖ nicht zustimmt. Damit werde die Wahlfreiheit beschränkt, kritisierte Walter Rosenkranz. Die SPÖ verfolge hier das Ziel, Kinder nur mehr in der Schule zu erziehen - und die Wirtschaft stimme zu, weil die Erwerbsquote von Müttern erhöht wird, merkte Barbara Rosenkranz an.

Verschränkte Ganztagsschulen "können, aber müssen nicht" besucht werden, stellte SPÖ-Abg. Elisabeth Grossmann klar. Sie freute sich über einen "ganz wichtigen Schritt zur Verbesserung des Bildungswesens", mit Blick auf Risikoschüler aus bildungsarmen Familien, denen die nötige Unterstützung ohne finanzielle Hürden geboten werde. Auch Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) betonte, dass die Wahlfreiheit ausreichend gegeben sei. Sie erwarte gute, innovative Anträge in offener wie verschränkter Form.

Die Idealvorstellung wäre zwar, dass Eltern ihre Kinder durch die Schulkarriere begleiten. Aber viele Kinder, vor allem in Ballungsräumen, hätten diese Unterstützung durch Eltern am Nachmittag nicht - und für diese "machen wir dieses Angebot", stellte sich auch ÖVP-Abg. Brigitte Jank klar hinter das Gesetz. Ihr gefällt, dass es dem Motto "nicht das Gleiche für alle, sondern das Beste für jeden" folge.

Den Grünen missfällt zwar, dass nicht gleichzeitig auch die integrierte Gesamtschule ausgebaut wird - denn nur gemeinsam damit erfülle die Ganztagsbetreuung ihren Zweck. Zudem habe man im Gesetz auf die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf vergessen. Dennoch sei "das Glas halb voll" und so stimme man "mit einigem Bauchweh" zu, gab Harald Walser bekannt.

Verärgert zeigte sich NEOS-Klubchef Matthias Strolz, dass die Länder über ein Drittel des Geldes verfügen könnten: "Die Fürsten der Finsternis kamen wie üblich und SPÖ und ÖVP mussten einmal mehr in die Knie vor den Landesfürsten." Immerhin: die Marschrichtung mit dem Ausbau der Ganztagesbetreuung ist für Strolz richtig.

"Grundsätzlich ein gute Sache" ist Ganztagsbetreuung für Robert Lugar (Team Stronach) - aber es ist ihm zu wenig, dass nur ein Anteil von 15 Prozent Kindern in verschränktem Unterricht in zehn Jahren angestrebt werde. Hammerschmid argumentierte, dass bis 2025 gesamt 40 Prozent der Schüler ganztägige Angebote wahrnehmen könnten. Dies ist für sie umso wichtiger, als laut PISA-Test zwischen Schülern aus sozial stärkeren und schwächeren Familien zwei ganze Lernjahre lägen.

Quelle: APA

Aufgerufen am 15.11.2018 um 07:53 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/ganztagsschulen-werden-ausgebaut-607582

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