Innenpolitik

Gedenkjahr: Straflandesgericht Wien würdigt den Widerstand

Das Straflandesgericht Wien nimmt das derzeit laufende Gedenkjahr zum Anlass, den Widerstand gegen das NS-Regime zu würdigen. Zum Symposium "Generationen im Dialog" (26. und 27. Oktober im Großen Schwurgerichtssaal) wurden auch Angehörige von inhaftierten und hingerichteten Widerstandskämpfern eingeladen. Eine Gedenkveranstaltung findet am 28. Oktober bei der "Gruppe 40" am Zentralfriedhof statt.

Erinnerungsorten soll mehr Aufmerksamkeit zukommen SN/APA/HERBERT NEUBAUER
Erinnerungsorten soll mehr Aufmerksamkeit zukommen

Bereits Donnerstagabend wird Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) im kleinen Rahmen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu den eingeladenen Angehörigen sprechen. Für den Präsidenten des Landesgerichts für Strafsachen Wien, Friedrich Forsthuber, ist dies ein "sehr bedeutender, intimer Akt". Im Großen Schwurgerichtssaal werden tags darauf Briefe der von 1942 bis 1945 hingerichteten Widerstandskämpfer vorgelesen.

Neben der Rolle der Widerstandskämpfer will das Straflandesgericht auch fast vergessenen Erinnerungsorten mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen. Einer davon ist der ehemalige Hinrichtungsraum im "Grauen Haus", der mittlerweile eine Gedenkstätte ist. Während der Nazi-Zeit wurden darin mehr als 1.200 Menschen mit dem Fallbeil geköpft. Forsthuber spricht von einem "Scheinrechtssystem", die Prozesse seien eine "Farce" gewesen.

Von Kriegsende bis zur letzten Hinrichtung in Österreich am 24. März 1950 wurden noch 43 Todesurteile vollzogen. Der Nationalrat beschloss die Abschaffung der Todesstrafe im allgemeinen Verfahren am 24. Mai 1950, Anfang 1968 wurde ein umfassendes Verbot in der Verfassung verankert. Mittlerweile haben alle europäischen Staaten - außer Weißrussland - die Todesstrafe geächtet.

Laut Forsthuber soll der Gedenkraum neben Diktatur, Unrecht und Willkür auch an den Mut der Widerstandskämpfer erinnern, deren Namen nun an Tafeln an der Wand des ehemaligen Hinrichtungsraum angebracht sind. Der Präsident des Grauen Hauses erinnerte zu diesem Anlass auch daran, dass Rechtsstaat und Medienfreiheit auch in einigen "gefestigten Demokratien" unterwandert würden, derzeit etwa in der Türkei.

Quelle: APA

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