Innenpolitik

Gesundheitsminister Anschober: "Zuwachsrate von Erkrankungen abgedämpft"

Gesundheitsminister Rudolf Anschober erklärte am Donnerstag, dass "die Maßnahmen zu wirken beginnen." Aber: "Wir sind noch lange nicht am Ziel. Die Richtung stimmt aber der Weg ist noch ein weiter." Die wichtigste und effizienteste Maßnahme sei die Einhaltung der Abstandsregel.

In Österreich liegt man heute bei 10923 bestätigten Erkrankungen, davon 1057 Hospitalisierungen, 227 Erkrankte liegen auf Intensivstationen. Es gab bisher 158 Tote aber auch bereits 1749 gemeldete Genesungen. So die neuesten Zahlen zur Corona-Entwicklung in Österreich.

Gesundheitsminister Anschober betont am Donnerstag in einer Pressekonferenz, dass die Zuwachsrate, was Erkrankungen betrifft, etwas abgedämpft seien. "Das zeigt, dass der Weg der richtige ist. Die Maßnahmen greifen." Die Einhaltung der Abstandsregel führe zu einer starken Verringerung des Risikos. Die Verdoppelungsraten haben sich demnach massiv verlangsamt Vor drei Wochen lagen sie laut Anschober bei 2,4 Tagen, vor zwei Wochen bei vier Tagen, heute bei knapp acht Tagen.

Für eine gute Entwicklung müsse Österreich bei einer Rate bei 14 Tagen ankommen, "dann haben wir Stabilität", sagte Anschober bei der Pressekonferenz am Donnerstag. In Summe seien in Österreich - Stand Mittwoch - bereits 92.190 Testungen durchgeführt worden. "Wir liegen damit auf dem Niveau der deutschen Bundesländer", erklärte Anschober. "Es gibt deutlich mehr Testungen, als in den Tagesmeldungen ersichtlich", sagte der grüne Gesundheitsminister. Als Grund für die Differenz nannte Anschober, dass viele kleine Labors - österreichweit führen mittlerweile über 40 diese Tests auf das Coronavirus durch - noch nicht mit der Schnittstelle verbunden sind, die direkt Daten ins Epidemiologische Meldesystem (EMS) einspeist.

Österreich sei außerdem nun den fünften Tag hindurch einstellig bei den Zuwachsraten in Prozent heute liege man bei 5,66 Prozent, erklärte der Minister.

Weltweit ist die Lage weiter dramatisch

Weltweit liege man bei rund 16 Prozent Zuwachsraten. Aufgrund der starken Dynamik sei man weltweit nach gut drei Monaten dabei, heute Donnerstag, die Schallmauer von einer Million Corona-Infizierten zu durchbrechen, sagte Anschober. Zu den 937.000 bestätigte Erkrankungen weltweit komme außerdem eine hohe Dunkelziffer hinzu.

Bernhard Benka, Mitglied der Coronavirus-Taskforce im Gesundheitsministerium, wies auf die intensive Vernetzung durch den europäischen Informationszusammenschluss und das internationale Meldesystem hin. Das Contact Tracing leitet, wenn die Spuren ins Ausland führen eine Information der dortigen Behörden ein. Schon am 30. Jänner 2020 wurde erstmals eine Meldung aus Österreich nach Deutschland abgesetzt. Es gehe bei dem Contact Tracing auch um intensive Rückverfolgung von Kontakten auf Flügen oder Kreuzfahrtschiffen. Bis zum Stichtag 31.3 hat das Tracing Team im Ministerium demnach 16.800 Personen an andere Staaten weitergemeldet.

Franz Allerberger, Leiter des Bereichs Humanmedizin der AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) also der Labors, die dem Bund gehören, erklärte, dass die Art der Verbreitung des Virus derzeit in 40 über Österreich verteilten Clustern untersucht werde. Die meisten Österreicher haben sich im Inland infiziert. Auch Allerberger betonte, dass das wichtigste Thema zur Vermeidung von Ansteckungen die Abstandsregel sei.

Corona-Risikogruppen identifizieren

Vor der Pressekonferenz gab Anschober im Ö1-Morgenjournal außerdem bekannt, wie Risikogruppen identifiziert werden. Ältere Personen und Menschen mit schwachem Immunsystem oder schwerer Vorerkrankung zählen zu den Risikogruppen. Sie sollen besonders geschützt werden. Bis zum Wochenende sollen diese nun von den Krankenkassen identifiziert werden. Die Entscheidung über eine Dienstfreistellung treffe letztlich der Arzt oder die Ärztin.Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hat am Donnerstag im Zusammenhang mit den Schutzmaßnahmen für Corona-Risikogruppen erläutert, dass die Identifikation nun durch die Krankenkassen erfolge. "Diese Daten erarbeiten wir auf Basis der Medikamentierung", sagte Anschober am Donnerstag im Ö1-"Morgenjournal". Für die Risikogruppe gelte ein verpflichtendes Home Office oder bezahlte Dienstfreistellung.

Der Kreis der Betroffenen soll bis zum Wochenende bekannt sein, die Umsetzung der Maßnahme erwartet Anschober nächste Woche. Zur Risikogruppe zählte Anschober ältere Menschen in den Pflegeheimen und Pensionistenheimen, wo es mehr Testungen und Zugangsbarrieren geben solle. Die zweite Gruppe seien Personen, die eine "massiv reduzierte Immunabwehr haben", etwa nach einer schweren Krebserkrankung, nach einer schweren Operation oder einer schweren Diabetes. "Dann wird als nächster Schritt herausgearbeitet: wer hat das allergrößte Risiko."

Die akut Gefährdeten sollten zum Arzt gehen, der die Entscheidung treffe, ob sich die Personen für die Zeit der Coronakrise aus dem Berufsleben zurückziehen sollten. Dort, wo keine Heimarbeit möglich sei, werde es eine bezahlte Freistellung geben. Für andere, nicht ganz so akut gefährdete Menschen könne der Arzt Empfehlungsschreiben ausstellen.

Liveblog zur Coronakrise:

Aufgerufen am 10.08.2020 um 06:44 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/gesundheitsminister-anschober-zuwachsrate-von-erkrankungen-abgedaempft-85715494

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