Unter dem Teppich des ORF

"Fake-News"-Schreier dürfen sich bestätigt fühlen.

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Glosse Andreas Koller

Man kann es natürlich auch machen wie ORF.AT. Nämlich: In eine ausführliche journalistische Betrachtung der jüngsten Frauenmorde alles hineinpacken, vom Beziehungsstatus von Opfern und Tätern bis zum Mangel an Frauenhäusern, vom Gender Pay Gap bis zu Österreichs Rang im Gleichberechtigungsranking, vom Wiener Waffenverbot bis zur Notwendigkeit von Gewaltprävention. Nur eines hat der ORF nicht in seine Story hineingepackt: den Umstand, dass drei von vier Tätern Migrationshintergrund hatten. Man dürfe die Hintergründe der Taten "nicht unter den Teppich kehren", sagt eine der vom ORF zitierten Expertinnen. Stimmt. Aber der ORF tut genau das. Aus falsch verstandener politischer Korrektheit. Womit er jenen Zeitgenossen neue Nahrung gibt, die "Fake News" schreien, sich von den etablierten Medien abwenden und sich ihre eigene rechte Verschwörungswelt zimmern. Das kann kaum im öffentlich-rechtlichen Auftrag liegen.

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