Innenpolitik

Grüne Frauensprecherin fordert Entschuldigung von Kanzler Kurz

Der "Hirn"-Sager des Kanzlers gegenüber einer Journalistin sei "völlig inakzeptabel und respektlos". Die Grüne Frauensprecherin Meri Disoski fordert von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) eine Entschuldigung.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP).  SN/AP
Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP).

"Der Bundeskanzler unterstellt einer Journalistin also sinngemäß, sie habe kein Hirn, weil sie aus der 'Zeit' zitiert. Das ist völlig inakzeptabel, respektlos und verlangt nach einer Entschuldigung", sagte die grüne Frauensprecherin Diskoski auf Twitter.

Kurz hatte in einem Puls24-Interview der Moderatorin geantwortet "Aber Sie haben ja ein eigenes Hirn", weil diese den Vorwurf der "Zeit" zitiert hatte, dass die Rhetorik des Kanzlers problematisch sei.

Auch SPÖ, NEOS und "Reporter ohne Grenzen" übten bereits am Donnerstag scharfe Kritik sowohl an einer flapsigen Aussage von Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gegenüber einer Puls 24-Moderatorin - als auch an der Tatsache, dass diese nach angeblicher Intervention des Kanzleramtes nicht ausgestrahlt, sondern aus dem Interview herausgeschnitten wurde.

"Aber Sie haben ja ein eigenes Hirn" kritisiert der Kanzler die Fragestellung der Moderatorin. Für SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch ist dieser "geringschätzige und frauenfeindliche Umgangston" gegenüber der jungen Journalistin "vollkommen inakzeptabel". Offenbar könne Kurz mit kritischen Fragen nicht umgehen. Dermaßen "patziges und untergriffiges" sowie "respektloses" Verhalten sei des Amts des Kanzlers nicht würdig, stellte NEOS-Generalsekretär Nick Donig fest.

Dass der - von Kanzleramt und Sender zurückgewiesene - Verdacht einer Intervention im Raum steht, lässt bei Deutsch "die Alarmglocken schrillen". Er warnte vor einem "Abdriften Österreichs in Richtung illiberaler Demokratie nach ungarischer Prägung". "Reporter ohne Grenzen Österreich"-Präsidentin Rubina Möhring nannte "solche Eingriffe in die unabhängige Arbeit von Redaktionen nicht tragbar". Die Entscheidung, welche Interview-Passagen veröffentlicht werden, "muss immer allein bei der Redaktion liegen", verurteilte sie "auf das Schärfste" Versuche aus der Politik, das zu beeinflussen.

Was war passiert?

Eine flapsige Aussage von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gegenüber einer Puls 24-Moderatorin im Rahmen eines Interviews ist vom Sender herausgeschnitten worden. Das Gespräch, das am Dienstag aufgezeichnet und anschließend ausgestrahlt wurde, ging unter anderem ohne Kurz' Äußerung "Aber Sie haben ja ein eigenes Hirn" auf Sendung. Mittlerweile ist online das vollständige Interview abrufbar.

In dem Fernsehinterview konfrontierte Moderatorin Alexandra Wachter den Kanzler unter anderem mit Kritik an seiner Rhetorik in Bezug auf die EU und an seinem Verhandlungsstil am EU-Gipfel. "Die Frage ist, warum wird über Sie so negativ gesprochen?", sagt die Moderatorin. "Anscheinend weil wir gut verhandelt haben. Aber wenn Sie sagen, es stört Sie die Rhetorik oder -", antwortet der Kanzler. "Mich stört gar nichts, ich habe nur zitiert." - "Aber Sie haben gerade gesagt, meine Rhetorik sei problematisch", so Kurz. - "So steht es in der 'Zeit', das war, was ich zitiert habe. - "Aber Sie haben ja ein eigenes Hirn. Sie müssen ja nicht -", sagt der Kanzler daraufhin. Den Satz vollendet er nicht, da ihn die Moderatorin unterbricht.

Die Aufzeichnung, die Medien vorab zwecks Zitierung in voller Länge geschickt wurde, ging allerdings am Dienstagabend ohne diesen Teil (etwa bei Minute 4) auf Sendung. Laut APA-Informationen soll es Interventionen aus dem Bundeskanzleramt gegeben haben. Für die TV-Ausstrahlung wurde die Passage dann entfernt. Teile der Puls 24-Redaktion sollen darüber alles andere als glücklich gewesen sein. Auch online war zunächst nur die gekürzte Version zu sehen, am Donnerstag wurde das Interview in voller Länge auf die Homepage des News-Senders gestellt.

Auch eine weitere kurze Passage - etwa bei Minute 8 des ungeschnittenen Interviews - in dem Kurz von einem Bruttobetrag, Wachter aber von einem Nettobetrag spricht, ging nicht auf Sendung. "Das Interview musste aufgrund einer missverständlichen Darstellung von Brutto- und Nettozahlen gekürzt werden. Um den Zusammenhang aufrecht zu erhalten, mussten auch andere Teile wegfallen", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme von Puls 24 gegenüber der APA. Bei Puls 24 wurde außerdem darauf verwiesen, dass es sich um einen ganz normalen redaktionellen Zusammenschnitt handle, wie es etwa bei ZiB 2-Interviews auch vorkomme.

Ein Sprecher des Bundeskanzleramts nahm gegenüber der APA schriftlich folgendermaßen Stellung: "Ich habe die Redaktion darauf hingewiesen, dass im Interview eine falsche Zahl in den Raum geworfen wurde, ohne die Möglichkeit zu bekommen das aufzuklären. Das Interview war aus meiner Sicht mehr ein Hickhack als ein Gespräch mit konsistenten Fragen und Antworten. Es obliegt allein der Redaktion, welche Teile eines Interviews und in welcher Länge gesendet werden."

Von einer Intervention könne keine Rede sein, hieß es im Bundeskanzleramt. Auch Puls 24 bestritt kolportierte Interventionsversuche.

Quelle: SN

Aufgerufen am 13.08.2020 um 07:18 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/gruene-frauensprecherin-fordert-entschuldigung-von-kanzler-kurz-90605104

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