Innenpolitik

Hohe Unterstützung für Demokratie in Österreich

Im Vergleich mit mittel- und osteuropäischen Ländern ist die Zustimmung zu einem liberal-demokratischem System in Österreich sehr hoch. 92 Prozent unterstützen ein solches, wie aus einer am Freitag präsentierten Umfrage, ua. der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) hervorgeht. Niedrig ist hingegen das Vertrauen in die "gängigen Massenmedien", große Skepsis herrscht zudem gegenüber Migranten.

92 Prozent unterstützen liberal-demokratisches System SN/APA (Archiv)/ROBERT JAEGER
92 Prozent unterstützen liberal-demokratisches System

Mit der ganz klaren Unterstützung für ein liberales demokratisches System liegt Österreich im 10-Länder-Ranking auf Platz 1, gefolgt von Ungarn (82 Prozent), Polen (66 Prozent) und Estland (65 Prozent). Am Ende der Skala finden sich Lettland (43 Prozent) und Bulgarien, wo sich nur 35 Prozent explizit für ein liberal-demokratisches System aussprechen. Nur sieben Prozent würden in Österreich für einen "starken, entschlossenen Führer" plädieren. Am stärksten ist dieser Wunsch in Bulgarien mit 45 Prozent, der Slowakei (38 Prozent), Lettland (35 Prozent) und Rumänien mit 34 Prozent.

Die Zufriedenheit mit der Funktionsweise der Demokratie ist hierzulande hoch: 86 Prozent zeigen sich "sehr" oder "eher" damit zufrieden. In Tschechien und Polen sind es dagegen nur 47 Prozent, während die Demokratiezufriedenheit in Rumänien (30 Prozent) und Bulgarien (18 Prozent) am geringsten ist.

"Fehlendes Demokratie- und Medienvertrauen, ungenügende Transparenz und Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenssituation sind ein idealer Nährboden für Verschwörungstheorien und machen anfällig für Desinformation", erklärte ÖGfE-Generalsekretär Paul Schmidt. Und obwohl acht von zehn Österreichern laut der Umfrage, die gemeinsam mit dem slowakischen Think Tank GLOBSEC in Auftrag gegeben wurde, die heimischen Medien im Großen und Ganzen für "frei" halten, ist das Vertrauen in sie doch relativ gering. Jeder zweite der rund 1.000 hierzulande Befragten gab an, den "gängigen Massenmedien" zu misstrauen. Das höchste Medienvertrauen findet sich in Lettland (58 Prozent) und Estland (48 Prozent), das geringste in Polen (33 Prozent) und Bulgarien (37 Prozent).

Einmal mehr zeigt sich eine Spaltung der Gesellschaft beim Thema Migration: 42 Prozent der Befragten in Österreich sehen Migranten als "Gefahr für die heimischen Werte und Identität". 53 Prozent teilen diese Meinung nicht. In sechs der zehn Befragungsländer ist der Anteil jener, die sich bedroht fühlen, teils noch deutlich stärker. 41 Prozent der Österreicher sind zudem überzeugt, dass Migranten hierzulande bevorzugt werden.

Auch die EU ist für 21 Prozent der heimischen Befragten eine "Bedrohung für unsere Werte und Identität" ist. 74 Prozent sind nicht dieser Überzeugung. Am stärksten wird diese Ansicht in Tschechien (45 Prozent), der Slowakei (35 Prozent) und Bulgarien (31 Prozent) vertreten.

Verschwörungstheorien und Desinformation fallen nach Ansicht von ÖGfE-Chef Schmidt auch in Österreich auf fruchtbaren Boden, wenngleich in geringerem Maße als in anderen Ländern Mittel- und Osteuropas. Die Politik müsse auf diese Entwicklungen "offensiv mit Fakten reagieren und den Dialog suchen. Eine starke Zivilgesellschaft und eine unabhängige Medienlandschaft sind hierbei unverzichtbare Partner - sowohl hierzulande als auch bei unseren Nachbarn in der EU", so Schmidt.

Für die Umfrage wurden im März diesen Jahres in Österreich, Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn je rund 1.000 Personen interviewt.

Quelle: APA

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