Innenpolitik

Holocaust-Überlebender Rudolf Gelbard gestorben

Einer der prominentesten Holocaust-Überlebenden und Zeitzeugen des NS-Regimes ist tot: Der Journalist Rudolf Gelbard ist in der Nacht auf Mittwoch im Alter von 87 Jahren in Wien gestorben, bestätigten mehrere Quellen. Gelbard war langjähriger Funktionär im Bund Sozialdemokratischer FreiheitskämpferInnen und engagierter Antifaschist.

Gelbard wurde 87 Jahre alt SN/APA/HERBERT P. OCZERET
Gelbard wurde 87 Jahre alt

Der Tod des Holocaust-Überlebenden Rudolf Gelbard sorgte für Betroffenheit auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Österreich verliere "einen wichtigen Zeitzeugen der Schoah, einen wachsamen Mahner vor Antisemitismus und Intoleranz sowie einen engagierten Kämpfer für Demokratie, Humanismus und Rechtsstaatlichkeit", meinte Bundespräsident Alexander Van der Bellen in einer Aussendung.

"Seine Offenheit und Menschlichkeit haben dazu beigetragen, dass seine Stimme Gehör und seine Worte Gewicht fanden", betonte Van der Bellen und weiter: "In diesem Moment eines so schmerzlichen Verlustes ist es unsere gemeinsame Verpflichtung, das Erbe dieses großen Österreichers zu bewahren. Unser Mitgefühl ist bei seiner Familie und seinen Freundinnen und Freunden."

Auch Van der Bellens Vorgänger als Staatsoberhaupt, Heinz Fischer, reagierte auf die "erschütternde Nachricht". Gelbard sei nicht nur Zeit seines Lebens ein glaubwürdiger Anti-Faschist, sondern auch ein genauer Kenner und präziser Kritiker des Kommunismus und Stalinismus gewesen, schrieb der ehemalige Bundespräsident, der auch ein enger Vertrauter des nun Verstorbenen war.

Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), Oskar Deutsch, schrieb in einer Aussendung: "Wir werden Rudi Gelbard als einen erfahrenen und verlässlichen Mitstreiter vermissen. Mit ihm verlieren wir eine herausragende Persönlichkeit und einen engen Freund." Die Israelitische Kultusgemeinde werde Gelbard stets ein ehrendes Andenken wahren.

Zahlreich waren auch die Reaktionen aus der Sozialdemokratie, Gelbards politischer Heimat. Trauerbekundungen kamen unter anderem aus der Bundespartei, der Wiener SPÖ, dem Parlamentsklub sowie der SPÖ-Delegation im Europäischen Parlament. "Mit Rudi Gelbard verlieren wir einen starken Antifaschisten, einen unermüdlichen Kämpfer für Humanität und Solidarität und wir verlieren einen großartigen Menschen", schrieb die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ).

Nicht nur Sozialdemokraten reagierten mit Betroffenheit, auch die NEOS würdigten den Zeitzeugen in einer Aussendung. Deren Klubobfrau Beate Meinl-Reisinger verneigte sich "mit tiefem Respekt" und schrieb: "Gelbard hat sich sein ganzes Leben lang für Bildung und Aufklärung engagiert, hat mit Schülerinnen und Schülern gearbeitet und ist als Zeitzeuge und Mahner - auch vor der Verharmlosung von FPÖ-Einzelfällen - aufgetreten.

Gelbard wurde am 4. Dezember 1930 geboren und wuchs in Wien-Leopoldstadt auf. Im Oktober 1942 verschleppten ihn die Nazis mit seinen Eltern in das Konzentrationslager Theresienstadt. Gemeinsam mit ihnen erlebte er die Befreiung am 8. Mai 1945. Ende der 1940er-Jahre absolvierte Gelbard die Akademie der Sozialistischen Jugend Österreich, in den 1950er-Jahren die Parteischule der SPÖ Wien.

Beruflich war Gelbard beim "Kurier" tätig. Am 7. Dezember 1996 wurde er in den Bundesvorstand der FreiheitskämpferInnen gewählt und gehörte diesem bis zu seinem Tode an. Für sein Engagement erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. "Wir werden sein Andenken bewahren und in seinem Sinn weiter agieren", hieß es in einer Aussendung der Organisation.

Quelle: APA

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