Innenpolitik

Internationale Pressestimmen nach Trumps Tiraden gegen Demokratinnen

Die verbalen Attacken von US-Präsident Donald Trump gegen vier demokratische weibliche Abgeordnete haben ein großes internationales Medienecho hervorgerufen.

Brett vor dem Kopf? Donald Trump in Greenville (Massachusetts). SN/AP
Brett vor dem Kopf? Donald Trump in Greenville (Massachusetts).

"El País" (Spanien):

"Die rassistischen Beleidigungen Donald Trumps gegen vier demokratische Kongressabgeordnete entsprechen nicht nur einer Ideologie, die der Präsident in seinem Leben als Unternehmer und Politiker nie verborgen hat, sondern sind auch eine Wahlstrategie, die darauf abzielt, Stimmen aus Spaltung, Angst und sogar Hass herauszuholen. Leider hat sich Trumps Rassismus nicht nur in seinen Worten, sondern auch in seinem Handeln wiederholt bemerkbar gemacht - so etwa durch das absolute Fehlen von Mitgefühl, das er bezüglich der Opfer der Migrationskrise an der Grenze an den Tag gelegt hat, aber auch was die Missachtung internationalen Asylrechts angeht oder das Migrationsdekret, mit dem er zu Beginn seiner Amtszeit Bürgern mehrerer muslimischer Länder die Einreise in die Vereinigten Staaten untersagt hatte."

"De Standaard" (Belgien):

"Trumps Strategie - die auf den ersten Blick impulsiv und verworren erscheint - ist recht ausgeklügelt. Er lässt keine Gelegenheit aus, um die Demokraten auf die Gruppe der vier Frauen zu reduzieren, die er ständig als "die sozialistischen Amazonen der Apokalypse, die die Demokratische Partei zerstören" bezeichnet. Er beschreibt sie systematisch als "antiamerikanische" oder "gefährliche Amerika-Hasser". Trump reitet andauernd darauf herum, dass diese angeblich staatsgefährdende Gruppe die Demokratische Partei übernommen hätte. Damit redet er jenen weißen Wählern ordentlich nach dem Mund, die er 2020 für seine Wiederwahl brauchen wird."

"The Times" (Großbritannien):

"Der Präsident läuft sich für einen Wahlkampf warm, der darauf ausgerichtet ist, Wähler glauben zu machen, dass die Demokraten nach links abdriften und dass man ihnen die Wirtschaft oder den Schutz der Grenzen Amerikas nicht anvertrauen darf. Er muss Anhänger der Republikaner mobilisieren und dafür setzt er auf Identitätspolitik. Dass er meint, auf eine von vielen als rassistisch empfundene Rhetorik zurückgreifen zu müssen, mag schmutzige Politik sein, doch es legt auch die politischen Schwächen seiner Rivalen offen. (...)

Nancy Pelosi und die Führung der Demokraten wissen, dass sie nur eine Chance haben, wenn sie die politische Mitte zurückerobern können. Ihr Erfolge bei den Zwischenwahlen im vergangenen Jahr haben sie glauben lassen, sie könnten auf einer Anti-Trump-Welle reiten. Doch diese Erfolge beruhten zum Teil darauf, dass weiße Arbeiter zu Hause blieben, weil Trump ja nicht auf dem Wahlzettel stand. Ermutigt durch eine starke Wirtschaft dürften sie aber im kommenden Jahr wieder zur Wahl gehen."

"The Independent" (Großbritannien):

"Es ist eine weithin bekannte und bedauerliche Tatsache, dass viele der Drohungen, die aus dem Smartphone des US-Präsidenten gesendet werden, bei seiner "Basis" gut ankommen. Einwanderer, Demokraten, Muslime, Mexikaner, Flüchtlinge - sie alle sind leichte und bevorzugte Angriffsziele des Präsidenten. Und sie haben ihm bislang bei Wahlen kaum geschadet. Wenn die Wirtschaft weiterhin wächst und die Zinsen, wie es aussieht, in den kommenden Monaten sinken, dürfte er bei den Wahlen gut abschneiden. (...) Zumindest sollte der explizite Rassismus des Präsidenten schwarze Amerikaner und Hispanoamerikaner motivieren, sich für die Wahlen registrieren zu lassen und dann 2020 in einer Weise abzustimmen wie sie es 2016 nicht getan hatten - was ein wichtiger Faktor für Trumps Sieg im Electoral College war, dem Gremium der Wahlleute."

"Tages-Anzeiger" (Schweiz):

"Rassismus kann auch darin bestehen, dass man Schwarze und Latinos in Ordnung findet, solange sie Müll abholen und Rasen mähen - und nicht auf den Gedanken kommen, als Richter Urteile zu fällen oder als Volksvertreter Forderungen zu stellen. Aber letztlich sind Trumps Innenansichten nicht entscheidend. Es zählt, was der Präsident der USA tut, und da ist offensichtlich, dass kein Präsident der jüngeren Geschichte so schamlos rassistisch aufgetreten ist wie Trump. Darin steckt die Strategie, sich als Held der weißen Unter- und Mittelschicht aufzuspielen und deren Ressentiments zu bedienen: Wir, das weiße Amerika, gegen die - die da draußen und die, die schon drinnen sind, aber anders aussehen und sich am besten wieder verziehen sollen. Der Name von Trumps Amtssitz, das Weiße Haus, passt zur Politik des Präsidenten."

Quelle: SN

Aufgerufen am 19.10.2019 um 07:05 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/internationale-pressestimmen-nach-trumps-tiraden-gegen-demokratinnen-73584766

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