Innenpolitik

JUNOS wollen weiter nachgelagerte Studiengebühren

Die Jungen Liberalen Studierenden (JUNOS) setzen bei den Wahlen zur Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) von 27. bis 29. Mai auf Digitalisierung, einen europäischen Studierendenausweis sowie ein Finanzierungsmodell mit nachgelagerten Studiengebühren. Die Pflichtmitgliedschaft in der ÖH soll stufenweise abgeschafft werden, so Spitzenkandidat Nino Rohrmoser bei einer Pressekonferenz.

JUNOS-Spitzenkandidat Nino Rohrmoser SN/APA/HANS PUNZ
JUNOS-Spitzenkandidat Nino Rohrmoser

Unzufrieden ist er sowohl mit den Studienbedingungen an den Hochschulen als auch mit der aktuellen linken ÖH-Führung. "Die Studienbedingungen in Österreich sind eine Katastrophe", so Rohrmoser. "Und es ist zum Schämen, was in der Bundes-ÖH abgeht. Da wird lieber über Allgemeinpolitik geredet als über echte Probleme." Mit "Zwangsbeiträgen" kaufe man lieber teure Kaffeemaschinen oder mache Presseaussendungen zu allem Möglichen. "Das System ÖH als Interessenvertretung ist kaputt."

Die Pflichtmitgliedschaft in der ÖH will Rohrmoser stufenweise abschaffen. Im ersten Semester sollen noch alle Studenten ÖH-Mitglieder sein, um der Vertretung einen gewissen finanziellen Grundsockel zu gewährleisten. Ab dem 2. Semester sollen die Studierenden aber eine Opt-Out-Möglichkeit erhalten.

"Auf der anderen Seite steht eine Bundesregierung, die mit nationalistischen Ansagen auch unseren Wissenschaftsstandort gefährdet", meinte der 22-jährige WU-Student. Als Beispiel nannte er die Überlegung, als Ausgleich für eine höhere Autobahnmaut in Deutschland die Studiengebühren für Ausländer in Österreich zu erhöhen.

Inhaltlich verlangen die JUNOS eine Ausfinanzierung der Hochschulen. Dazu müssten einerseits die staatlichen Investitionen erhöht und die Drittmitteleinnahmen gesteigert werden. Aber auch die Studenten müssten durch die Einführung nachgelagerter Studiengebühren einen Betrag leisten.

Im JUNOS-Modell könnten die Hochschulen bis zu 500 Euro pro Semester verlangen. Dieser Betrag wird aber nicht sofort bei den Studenten eingehoben. Vielmehr fließt er über ein zinsfreies Darlehen direkt an die Unis. Die Rückzahlung fällt erst im Berufsleben an: Wenn das Nettoeinkommen des ehemaligen Studenten 1.200 Euro übersteigt, wird in Raten von acht Prozent des über dem Freibetrag liegenden Anteils rückerstattet. Ist die Gesamtsumme nach 30 Jahren nicht zurückgezahlt, greift eine staatliche Ausfallshaftung.

Zur Erleichterung des Studiums verlangen die JUNOS außerdem den Einsatz digitaler Technologien wie Livestreams von Lehrveranstaltungen oder von Massive Open Online Courses (MOOCs). So könnten Studium, Beruf und Familie besser vereint sowie gleichzeitig die Studienbedingungen verbessert werden.

Durch die Einführung eines europäischen Studierendenausweises sollen außerdem Auslandsaufenthalte "ohne Papierkram" ermöglicht werden. Ein Masterstudium müsse etwa auch an mehreren Hochschulen in Europa absolvierbar werden.

Als Wahlziel gab Rohrmoser an: "Eindeutig wachsen und stärker werden." Bei den letzten ÖH-Wahlen 2017 erreichten die JUNOS knapp 13 Prozent und damit Platz fünf.

Quelle: APA

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