Innenpolitik

Karmasin ortet Diskriminierung behinderter Schüler in Wien

Familien- und Jugendministerin Sophie Karmasin (ÖVP) beklagt eine Diskriminierung von behinderten Jugendlichen seitens der Stadt Wien: Diese müssten beim Stadtschulrat ansuchen, ob sie ein elftes und zwölftes Schuljahr absolvieren dürfen, was noch dazu immer öfter abgelehnt werde, und seien deshalb auf die "Gnade der Stadt Wien" angewiesen, kritisierte sie. Wien wies die Vorwürfe zurück.

Sophie Karmasin, Bundesministerin für Familie und Jugend. SN/robert ratzer
Sophie Karmasin, Bundesministerin für Familie und Jugend.

Karmasin kündigte anlässlich des "Zero Discrimination Days" der Vereinten Nationen am 1. März an, sich verstärkt Familien mit Kindern mit besonderen Herausforderungen widmen zu wollen. Wichtig ist ihr dabei auch in diesem Bereich "Wahlfreiheit", sagt Karmasin: Es müsse möglichst individuell entschieden werden, ob für das Kind Sonderschule oder Inklusion der bessere Weg sei. "Natürlich ist Inklusion immer die schönste Perspektive", aber es gebe auch Herausforderungen, bei denen ein guter Gedanke erst wieder zu nicht ausreichender Förderung führe.

Dementsprechend ist Karmasin "nicht begeistert" davon, dass Sonderschulen gemäß Aktionsplan zur Umsetzung der UNO-Behindertenrechtskonvention bis 2020 zur Ausnahme werden sollen. "Ich bin für ein Sowohl-als-auch."

"Stutzig" und "wütend" sei sie über Berichte von Betroffenen, wonach der Besuch des elften und zwölften Schuljahres für behinderte Jugendliche in Wien vom Stadtschulrat genehmigt werden müsse und es "immer mehr Ablehnungen" gebe. Dass man um Bildung ansuchen müsse, "das ist Diskriminierung", befand Karmasin. Die Notwendigkeit des Ansuchens gehöre abgeschafft: "Alle Kinder haben ein Recht auf Bildung." Aus anderen Bundesländern habe sie noch nicht von derartigen Problemen gehört.

Die Stadt Wien betonte, dass ein elftes oder zwölftes Schuljahr für behinderte Jugendliche an den Pflichtschulen nur dann abgelehnt werde, wenn ihnen eine sinnvolle Alternative angeboten werden könne. Im laufenden Schuljahr sei das Ansuchen um ein elftes Schuljahr bei 167 von 169 Schülern genehmigt worden, erklärt der Wiener Landesschulinspektor für Inklusion Rupert Corazza. Von den 95 Ansuchen auf ein zwölftes Schuljahr seien 50 positiv beschieden worden.

Für jene Jugendlichen, die nicht weiter die Pflichtschule besuchen dürfen, habe man stattdessen einen Platz im Rahmen der Ausbildungsgarantie bis 18 gesucht. Seit zwei Jahren laufe das System der Jugendcoaches voll an, bei dem jeder Betroffene in der neunten Schulstufe intensiv individuell beraten wird, was er im kommenden Schuljahr machen kann. "Für die Kinder, für die außerschulische Optionen (Tagesstruktur, Werkstätten etc., Anm.) möglich sind, werden die auch ergriffen." Gegen den Willen der Eltern würden solche Entscheidungen allerdings nicht getroffen, versichert Corazza. "Da muss man dann einen Lebensplan für den Jugendlichen entwickeln."

Quelle: APA

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