Innenpolitik

Kartellbehörde erlaubt ATV-Verkauf unter Auflagen

Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) gibt den Verkauf von ATV an die deutsche ProSiebenSat.1-Gruppe wohl frei. Obwohl die Übernahme noch nicht einmal angemeldet ist, erklärte BWB-Chef Theodor Thanner am Donnerstagabend: "Ich bin zuversichtlich, dass der Zusammenschluss mit Ablauf der Frist (Phase I) mit geeigneten Auflagen freigegeben werden kann."

ProSiebenSat.1-Gruppe will ATV.  SN/APA (dps/Symbolbild)/Z1015 Bernd
ProSiebenSat.1-Gruppe will ATV.

Der Betriebsrat von ATV informierte unterdessen die Belegschaft. Demnach haben sich die Erwartungen des Eigentümers, des Filmhändler Herbert Kloiber, rasch an die ProSiebenSat.1-Puls 4-Gruppe nicht erfüllt. Die BWB hielt in ihrer Mitteilung zugleich fest: "Eine einfache Freigabe des Zusammenschlusses ist nicht möglich, da ProSiebenSat.1PULS4 erhöhte Marktanteile aufweist."

Deshalb hat ProSiebenSat.1 schon im Vorfeld mit der BWB, dem Bundeskartellanwalt und der Medienbehörde KommAustria abgeklärt, unter welchen Bedingungen ein Kauf durchginge. "Die vorgeschlagenen Auflagen der Zusammenschlusswerber erscheinen geeignet, die wettbewerbsrechtlichen Probleme und die Themen zur Medienvielfalt zu lösen", erklärte die BWB nun.

Vom Kartellanwalt und der KommAustria gibt es laut APA-Infos ebenfalls keinen Widerspruch. Es wird erwartet, dass die formale Zusammenschlussanmeldung bei der BWB nächste Woche erfolgt, kurz darauf sollen auch die Auflagen publiziert werden. Betroffene Unternehmen und Konkurrenten haben dann zwei Wochen Zeit, Stellungnahmen abzugeben. Als mögliche Auflagen wurden eine getrennte Werbevermarktung und eine weiter eigenständige ATV-Redaktion kolportiert.

Aus Wettbewerbssicht ist der Kauf durch ProSiebenSat.1 nicht unproblematisch. Eine Zustimmung der Kartellbehörde ohne Auflagen galt schon im Vorfeld als ausgeschlossen, denn der Münchner TV-Konzern, zu dem in Österreich auch Puls 4 gehört, ist am heimischen TV-Werbemarkt schon jetzt die Nummer eins - und mit einem Marktanteil von über 36 Prozent nach dem Kartellgesetzes marktbeherrschend.

Dass Kloiber nach dem grundsätzlichen Okay der Kartellbehörde aber noch mit anderen Interessenten verhandelt, gilt Beobachtern zufolge als unwahrscheinlich. Aus der BWB hieß es dazu, man prüfe erst bei entsprechender Ernsthaftigkeit der Übernahmeabsichten und nicht im "Was-wäre-wenn"-Stadium. Für Kloiber kommen also andere Bieter offenbar nicht mehr in Betracht.

In den vergangenen Tagen hatten "Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner und "Heute"-Herausgeberin Eva Dichand erklärte, Angebote für ATV legen zu wollen. Die Mediaprint, hinter der die "Kronen Zeitung" sowie der "Kurier" stehen, soll nach APA-Informationen ebenfalls ein Angebot gemeinsam mit dem deutschen Privatsender RTL und der Funke-Mediengruppe gelegt haben.

Kloiber hatte am Dienstag erklärt, die Verhandlungen mit ProSiebenSat.1 seien "im Zielkorridor". "In den nächsten Tagen wird unterschrieben", sagte Kloiber dem deutschen "Handelsblatt". Der Münchner Filmhändler mit Wiener Wurzeln hatte den Sender 2008 zur Gänze übernommen, davor war unter anderem auch die Bawag beteiligt.

ATV ging am 1. Juni 2003 als erster bundesweiter Privatsender in Österreich via Antenne on air, schreibt aber seit Jahren rote Zahlen. Vergangenen Sommer riss Kloiber dann der Geduldsfaden: "ATV war mein größter Fehler. Mit ATV habe ich bislang Verluste in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe gemacht".

Quelle: APA

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