Innenpolitik

Kloiber und ProSieben-Gruppe bestätigen ATV-Übernahme

ATV-Eigentümer Herbert Kloiber und die ProSieben.Sat1-Puls 4-Gruppe bestätigen offiziell die Übernahme von ATV durch die ProSieben-Gruppe. "Entsprechende Verträge wurden am 6. Februar 2017 abgeschlossen. Die Akquisition muss von den zuständigen Medien- und Kartellbehörden in Österreich genehmigt werden", teilten Kloiber und die ProSieben-Gruppe am Dienstag mit.

Kartellbehörde muss ATV-Verkauf zustimmen.  SN/APA (Symbolbild)/GEORG HOCHMUTH
Kartellbehörde muss ATV-Verkauf zustimmen.

"Ziel des Kaufs ist es, ATV in die ProSiebenSat.1-Puls 4-Gruppe zu integrieren und die Position von ATV auf dem österreichischen TV-Markt so nachhaltig zu stärken", erklärte ProSiebenSat.1-Puls 4-Geschäftsführer Markus Breitenecker. "Ich freue mich, dass wir für den Fortbestand des Unternehmens die optimale Lösung gefunden haben", meinte ATV-Eigentümer und Tele München-Chef Kloiber.

"Durch die geplante Integration und Sanierung will Puls 4 den Fortbestand von ATV langfristig sichern", hieß es in der gemeinsamen Erklärung weiter. "Dabei würden ATV und Puls 4 wechselseitig insbesondere vom Know-how und den Prozessen innerhalb der Senderfamilie profitieren."

Die ATV-Sender-Gruppe wird von der ATV Privat TV GmbH & Co KG betrieben und gehörte bisher Herbert Kloibers Tele München Fernseh GmbH & Co. Produktionsgesellschaft. Die ProSiebenSat.1-Puls 4 GmbH ist eine Tochter des deutschen Privat-TV-Konzerns ProSiebenSat.1 Media SE.

Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) dürfte den Verkauf mit Auflagen genehmigen. Dies deutete BWB-Chef Theodor Thanner bereits vergangene Woche an. "Die vorgeschlagenen Auflagen der Zusammenschlusswerber erscheinen geeignet, die wettbewerbsrechtlichen Probleme und die Themen zur Medienvielfalt zu lösen", hieß es seitens der BWB. Als mögliche Auflagen wurden etwa eine getrennte Werbevermarktung und eine weiter eigenständige ATV-Redaktion kolportiert. Aus Wettbewerbssicht ist der Verkauf von ATV an die ProSieben-Gruppe nicht unproblematisch. Die Sendergruppe ist am heimischen TV-Werbemarkt schon jetzt Nummer eins - und mit einem Marktanteil von über 36 Prozent nach dem Kartellgesetz marktbeherrschend.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz forderte nach der Übernahme von ATV durch die ProSiebenSat.1-Puls 4-Gruppe Auflagen für den Deal. Für Kritik sorgte dabei Wrabetz' Wortwahl. Der ORF-Chef bezeichnete den Verkauf von ATV an den Österreich-Ableger des deutschen Privat-TV-Konzerns ProSieben.Sat1 als "Anschluss".

In Österreich wird mit dem Begriff vor allem der "Anschluss" Österreichs an Nazi-Deutschland beziehungsweise die Besetzung Österreichs durch das nationalsozialistische Deutsche Reich im März 1938 assoziiert. Wrabetz hatte den deutschen Privat-TV-Konzernen schon früher "Kolonialoffiziersmentalität" in Österreich vorgeworfen.

Beim künftigen ATV-Eigentümer ProSiebenSat.1-Puls 4 sorgte Wrabetz' Äußerung für Kritik. Von einer "unglaublichen Wortwahl" sprach Puls 4-Infochefin Corinna Milborn. "So ein Begriff von höchster Stelle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Ich finde das wirklich skandalös", meinte Milborn via Twitter.

Quelle: APA

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