Innenpolitik

Konflikt um freiwilligen Schulbesuch von Flüchtlingen in OÖ

126 außerordentliche Schüler in OÖ, die das schulpflichtige Alter überschritten haben, dürfen laut Bildungsministerium nicht freiwillig weiter am Unterricht teilnehmen. Das oö. Bildungskonzept sieht aber genau diese Maßnahme zur Integration vor. Asyl-Landesrat Rudi Anschober (Grüne) will Ministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) am Donnerstag überzeugen, ihnen den Schulbesuch doch noch zu ermöglichen.

Konflikt um freiwilligen Schulbesuch von Flüchtlingen in OÖ SN/APA (Symbolbild/dpa)/Peter Steff
Deutsch lernen für Migranten besonders wichtig.

Wer in Österreich nicht ausreichend Deutsch beherrscht, um dem Unterricht zu folgen, kann als außerordentlicher Schüler aufgenommen werden. Das betrifft üblicherweise Flüchtlinge und Migranten. Während ordentliche Schüler, die nach neun Jahren Pflichtschule noch keinen Abschluss geschafft haben, ein freiwilliges zehntes Jahr absolvieren dürfen, gilt das für ihre außerordentlichen Kollegen nicht. Das stellt ein Rundschreiben aus dem Ministerium klar, das Ende August an die oö. Schulbehörden ging. Die Schulen wurden davon laut Anschober am Donnerstag und Freitag vergangener Woche informiert.

Diese Regelung widerspricht aber dem oö. Bildungskonzept, das sehr wohl ein zehntes Schuljahr für Flüchtlingskinder vorsieht. Dass dieses Konzept nun mittels Bescheid praktisch gekippt wurde, kritisierte Anschober am Dienstag scharf: Viele der betroffenen Schüler und Schülerinnen hätten sich seit Wochen vorbereitet und auf den Unterricht gefreut, die nötigen Materialien seien bereits eingekauft worden. Er nannte als Beispiel ein Mädchen aus Afghanistan, das wegen des Taliban-Terrors gegen Mädchenschulen geflohen und nun am Boden zerstört sei, weil es auch hier nicht zur Schule gehen dürfe.

Noch massiver fiel die Kritik der Volkshilfe aus: "Flüchtlingskindern die Bildung zu verweigern, ist ein Verbrechen an den jungen Menschen", so der stellvertretende Landesvorsitzende Michael Schodermayr in einer Aussendung. Eine gute Ausbildung sei Voraussetzung für ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben. Anstatt dieses Fundament weiter zu bauen, reiße man es jetzt nieder. "Das ist dumm und kurzsichtig", kritisiert Schodermayr das "Schulverbot".

Landesschulinspektor Werner Schlögelhofer würde das freiwillige zehnte Jahr für außerordentliche Schüler begrüßen - allerdings nur, wenn eine Bildungsperspektive bestehe, sprich der Schüler dadurch Aussicht auf einen Schulabschluss hat. In anderen Fällen wären auch Erwachsenenbildungsmaßnahmen inklusive Jobcoaching denkbar. Organisatorisch und mit Expertise könnten die Schulen hier unterstützend mitwirken. Es müssten aber die nötigen Mittel bereitgestellt werden, so Schlögelhofer.

Anschober will bei einem Treffen mit Hammerschmid am Donnerstag die Sache beraten: "Mein Ziel ist es, dass wir doch noch eine Möglichkeit für den Unterrichtsbesuch für die Kinder finden", so der Landesrat.

Quelle: APA

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