Innenpolitik

KPÖ-Steiermark feiert 100 Jahre Bestehen

"Totgesagte leben länger, und man hat nicht jeden Tag den 100. Geburtstag", so die steirische Landtagsklubobfrau Claudia Klimt-Weithaler zum runden Jahrestag der KPÖ. Im Grazer Presseclub stellten Klimt-Weithaler und die von ihr Urgesteine genannten Franz Stephan Parteder - langjähriger früherer Parteichef - und der Grazer Stadtrat und LAbg. Ernst Kaltenegger das Programm zum Fest am Samstag vor.

Weithaler feiert das 100-jährige Bestehen SN/APA/ERWIN SCHERIAU
Weithaler feiert das 100-jährige Bestehen

Der eigentliche Gründungstag der steirischen Partei sei wohl eine Versammlung am 22. Dezember 1918 gewesen, wusste Parteder am Dienstag im steirischen Presseclub zu berichten. Er und Kaltenegger - der sogar internationale Bekanntheit erlangte - werden beim Fest im Grazer Volkshaus ab 13.00 Uhr abwechselnd Parteigeschichten zum Besten geben, Kaltenegger zum Widerstand gegen die Nazis, Parteder zu anderen historischen Begebenheiten. Die Künstlerliste umfasst Attwenger, den multiethnischen Triestiner Partisanenchor, Erich Hackl, Kurt Palm oder auch die DJane Adriana Celentana. Gefeiert werden soll bis nach Mitternacht.

Klimt-Weithaler gab einen Überblick über die Zahl der politischen Mandatare in der Steiermark: "Zwei Landtagsmandate, 83 Gemeinderäte inklusive der Grazer Bezirksräte, zwei Stadträte in Graz, zwei Vizebürgermeister in Trofaiach und Eisenerz sowie Stadträte in Leoben und Knittelfeld und einer in Mürzzuschlag - und Franz Stephan hat die steirische KPÖ entscheidend geprägt und Ernst hat die KPÖ 2015 wieder in den Landtag geführt."

Das Geheimnis des Erfolgs bezeichneten die KPÖ-Funktionäre wie folgt: "Wir haben die Bodenhaftung nie verloren. Wir kennen die Probleme der Menschen, wir kümmern uns darum. Und niemand von uns behält sich von seiner Politikergage mehr als 2.300 Euro, der Rest wird gespendet."

Der langjährige steirische Frontmann Kaltenegger gab sich nachdenklich-bescheiden: "100 Jahre KPÖ und die Hälfte der Zeit warst selbst dabei." Die Geschichte des Widerstandes gegen die Nazis sei ihm ein besonderes Anliegen, sagte er. Und: Er komme aus der SPÖ, gestört habe ihn das Verhalten verschiedener Funktionäre zum persönlichen Einkommen. "In der KPÖ waren aber Betriebs- und Gemeinderäte, die sich sehr selbstlos für die Bevölkerung eingesetzt haben", sagte Kaltenegger, weswegen er sich den Kommunisten angeschlossen habe. Er erinnerte auch an die große Zahl von Widerständler, die hingerichtet wurden, oder an den damaligen KPÖ-Landeschef Franz Leitner, der im KZ Buchenwald festgehalten wurde und als Blockältester des "Kinder"-Blocks 8 u.a. dem nachmaligen Oberrabbiner des Staates von 1993 bis 2003, Yisrael Meitr Lau, das Leben rettete. Leitner wurde dafür als Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet.

Kaltenegger würdigte auch die Obersteirerin und Widerständlerin Maria Cäsar, die bis ins hohe Alter und trotz Krankheit als Zeitzeugin wirkte. Kaltenegger ging auch kurz auf Kapitel der Parteigeschichte ein, in der die KPÖ nicht glänzte: "Leider hat die KPÖ auch vieles gemacht, das leider nicht ungeschehen gemacht werden kann. Das darf sich nicht wiederholen." Auf Nachfragen nannten Kaltenegger und Parteder dann die Invasion der Roten Armee in Ungarn 1956 bzw. der meisten damaligen Warschauer Pakt-Staaten in der CSSR 1968. "Wir waren erst gegen den Einmarsch, dann unter Druck dafür", sagte Parteder. Es sei auch nicht in Ordnung gewesen, wie man mit verdienten Mitgliedern umgegangen sei, die nicht hundertprozentig auf Parteilinie gewesen seien - oder etwa jene vielen Genossen, die nach dem Wechsel von Stalins Linie zu Titos Jugoslawien 1948 plötzlich Schwierigkeiten hatten. Das seien ja selbst oft Partisanen gewesen, sagte Parteder.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 habe man sich auch gefragt: "Was machen wir jetzt?", berichteten die beiden steirischen roten Ikonen. "Wie können wir zeigen, dass wir für die Menschen eine nützliche Partei geblieben sind?" Der Rest ist Geschichte, zumindest in der Steiermark, mit dem legendären Mieternotruf und dem Tag der offenen Konten am 28. Dezember, bei dem Rechenschaft über die Verwendung der Spenden der Funktionäre abgelegt wird.

"Wir sind ja in der Steiermark schon längere Zeit an unserem Zenit, mit den vielen Gemeinderäten, wir dürfen nicht übermütig werden", sagte Parteder. In Frankreich und Italien führten die Kommunisten ja nur noch ein Schattendasein. "In der Steiermark ist die Zeit schon lange vorbei, dass die Menschen bei unseren Infoständen sagen, was, euch gibt's noch? Wir sind ganz klar ein politischer Faktor."

Erreicht habe man ja "einige Erfolge", zuletzt mit dem Druck für eine Volksbefragung zu Olympia in Graz und Schladming, mit der "Petition Wohnen", einem zentralen Thema, mit dem Grazer Zuzahlungsmodell, dem Kautionsfonds und nun dem Eintreten gegen Mietrechtsverschlechterungen, die im Raum stünden. Dazu komme noch die Vorreiterrolle beim Abschaffen des Pflegeregresses, so die drei KPÖ-Angehörigen. "Gelungen ist uns auch - wir sind eine Kraft, die auch in schwierigen Zeiten standhalten kann. Wir sind 100 Jahre, aber nicht gebrechlich, sondern quicklebendig. Es ist klar, wofür wir da sind, für den arbeitenden Menschen, für jene, denen es nicht so gut geht, wir sind gegen Konzerne und jene Kräfte, die den Menschen das Geld wegnehmen wollen", so Parteder.

Quelle: APA

Aufgerufen am 17.10.2019 um 02:13 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/kpoe-steiermark-feiert-100-jahre-bestehen-60822202

Kommentare

Schlagzeilen