Innenpolitik

Kritik aus Berlin am Abriss von Hitlers Geburtshaus

Den geplanten Abriss von Hitlers Geburtshaus in Braunau findet Wieland Giebel, Gründer des Vereins Historiale und Initiator der soeben eröffneten "Dokumentation Führerbunker" in Berlin, falsch.

Kritik aus Berlin am Abriss von Hitlers Geburtshaus SN/APA (Archiv)/MANFRED FESL
Abriss würde Geschichte nicht bewältigen.

Er schlägt an der Stelle ein Informationszentrum vor. "In all den Jahren ist es nicht passiert, dass in Berlin die NS-Orte zu einer Wallfahrtsstätte von Neonazis geworden sind", sagte Giebel zur APA.

Den Abriss findet Giebel falsch. "Ich bezweifle, dass das Haus in Braunau ein Wallfahrtsort für Neonazis ist. Ich finde, das Geburtshaus von Hitler soll ein Dokumentationszentrum sein. Man kann Geschichte nicht einfach durch Abreißen bewältigen. Da sollte man etwas machen, was die Folgen des Nationalsozialismus zeigt. Dafür wäre das Geburtshaus der richtige Ort."

Seine Kritik an der Abriss-Entscheidung verbindet Giebel mit der Empfehlung, eine Informationsstätte einzurichten. "Denn der Ort bleibt ja da. Und jeder weiß das. Meine eigene Erfahrung ist, dass es keine Wallfahrtsstätte wird und dass die weit überwiegende Mehrheit historisches Interesse daran hat - so wie die Menschen, die hier die 'Dokumentation Führerbunker' ansehen. Aber letztlich ist es ein österreichisches Problem." In Berlin stelle man jedenfalls ein "extremes Interesse an der Geschichte fest."

Giebel setzt sich auch dafür ein, dass an der Stelle des Original-Hitler-Bunkers keine Immobilie gebaut wird. "Die Geschichte soll nicht überbaut werden. Spätere Generationen können überlegen, was man da macht." Der Originalschauplatz unweit des Brandenburger Tores und des Holocaust-Mahnmals in Berlin-Mitte dient seit vielen Jahren als Parkplatz. Außer einer großen Informationstafel ist nichts zu sehen; den Bunker selbst gibt es nicht mehr. Dennoch kommen tagtäglich Hunderte Touristen, die sich von Stadtführern die Plätze erklären lassen.

"Als wir vor 13 Jahren das Buch 'Mythos Führerbunker' gemacht haben, hatten wir zunächst Bedenken", erklärte Historiale-Chef Giebel. "Die Nachfrage war groß. Aber es sind keine 'Glatzen', die das interessiert. Die wollen ja nicht das Ende von Hitler wissen."

Die "Dokumentation Führerbunker" veranschaulicht in einem Original-Luftschutzbunker am Anhalter Bahnhof (Schöneberger Straße 23a) in Berlin-Kreuzberg mit dem nachgebauten Bunker-Arbeitszimmers Hitlers, in dem er sich das Leben nahm, einem Modell des kompletten Hitler-Bunkers und zahlreichen Ausstellungsstücken die Geschichte in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs.

Giebel und Enno Lenze, Historiker der Dokumentation Führerbunker, wehren sich gegen Kritik, wonach ihre Ausstellung zur Glorifizierung beitragen könne: "Wir wollen mit den Mythen um Hitler aufräumen. Denn Aufklärung ist Abwehr. Wir machen seit drei Jahren Führungen durch ehemalige NS-Bunker, Rechte sind da nie aufgetaucht. Denn die Schrecken des Krieges wollen die nicht sehen."

Quelle: APA

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