Innenpolitik

Latenter Antisemitismus in heimischen Medien

Antisemitische Äußerungen finden wieder öfter den Weg in heimische Medien - selten offen manifest, dafür latent oder codiert. Das geht aus einer Studie des Wiener Instituts für Konfliktforschung hervor.

Latenter Antisemitismus in heimischen Medien SN/apa (archiv/epa)
Antisemitismus Nebengeräusch von Occupy-Diskurs.

Bei dem Projekt wurde der Mediendiskurs vor dem Hintergrund der Finanzkrise durchleuchtet.

Anders als etwa im internationalen Vergleich finden sich im österreichischen Mediendiskurs wenig offen antisemitische Einstellungen, stellt die Soziologin Karin Stögner im Gespräch mit der APA fest. Nach dem Holocaust sei offener Antisemitismus in Österreich tabuisiert worden. Während der Berichterstattung über die "Occupy"-Bewegung gelangten allerdings durchaus antisemitische Stereotype wie die des "gierigen Juden" oder der "jüdischen Weltverschwörung" wieder an die Oberfläche.

Latenter Antisemitismus komme gut ohne Referenzen zu realen Personen aus, erklärt Stögner. Denn dieser ginge oft mit anderen Kategorien wie Sexismus oder Nationalismus einher, die als "Deckmantel für Antisemitismus" und als Ausdruck von Judenfeindlichkeit fungieren, da etwa Sexismus in der heutigen Gesellschaft weniger stigmatisiert sei. Als Beispiel nennt Stögner die Berichterstattung rund um die österreichische Bankerin Sonja Kohn, die mit den Betrugsfällen rund um Bernard Madoff in Verdacht steht. Ohne Zusammenhang mit Finanzkrise und Anlegerbetrug hätte die Berichterstattung in einigen österreichischen Medien immer wieder Weiblichkeitsstereotype verwendet - und dabei explizit erwähnt, dass Kohn Jüdin ist.

Man könne auch einen gewissen Zusammenhang zwischen Globalisierungskritik und Antisemitismus in den Debatten der "Occupy"-Bewegung beobachten, "wo Banken mit Juden identifiziert werden und in einem Aufwasch auch gleich die Verbotsgesetze infrage gestellt werden", führt Stögner mit Verweis auf den mittlerweile suspendierten WU-Professor Franz Hörmann aus. Dies betreffe aber selbstverständlich wiederum nicht die "gesamte Globalisierungskritik".

Quelle: APA

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