Innenpolitik

Leben mit dem Virus: Hiobsbotschaften, hübsch verpackt

Die Regierung muss in einer Krise nicht nur die richtigen Maßnahmen setzen, sondern diese auch den Menschen in der richtigen Dosierung beibringen. Wie gut bewältigen Kurz, Kogler, Anschober & Co. diese Aufgabe? Die Meinungen von Kommunikationsprofis gehen auseinander.

Kurz, Kogler und Anschober. SN/APA/HELMUT FOHRINGER
Kurz, Kogler und Anschober.

Je tiefer die Krise, desto breiter der Schulterschluss. Noch vor wenigen Tagen traten die Minister Karl Nehammer und Rudolf Anschober mitunter allein vor die Kameras, um die Öffentlichkeit über Maßnahmen gegen die Coronakrise zu informieren. Je konkreter - und einschneidender - diese Maßnahmen wurden, desto symbolträchtiger die öffentlichen Auftritte: Zu den beiden Fachministern gesellte sich nun regelmäßig der Bundeskanzler, der auch den Hauptteil der öffentlichen Erklärungen bestritt. Was damit zum Ausdruck gebracht werden sollte, ist klar: Die Anwesenheit des Bundeskanzlers sollte Leadership in schweren Zeiten signalisieren. Der Gesundheitsminister sollte vermitteln, dass die Gesundheitsbehörden alles im Griff haben. Und der Innenminister sollte signalisieren, dass er für Recht und Ordnung sorgen und jedes Chaos hintanhalten werde.

Am Mittwoch, bei der Pressekonferenz am späten Nachmittag, zündeten die Kommunikationsprofis der Regierung die nächste Stufe: Zu Bundeskanzler, Vizekanzler und den zuständigen Fachministern gesellten sich der Bundesrettungskommandant Gerry Foitik, Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer, Arbeiterkammerpräsidentin Renate Anderl und ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian. Die Regierung hatte also auch die Sozialpartnerspitzen in die Krisenkommunikation eingebunden - auch jene, die der SPÖ angehören, wodurch nun auch die größte der Oppositionsparteien faktisch im Krisenstab vertreten ist. Das soll signalisieren: Das ganze Land kämpft geeint gegen das Coronavirus. Die jüngsten Querschüsse des freiheitlichen Obmanns Norbert Hofer (Tenor: Die Regierung habe zu spät beziehungsweise falsch reagiert) verhallen in einer solchen Atmosphäre ungehört.

Die Regierung betreibe „hoch professionelle Informationspolitik“: Heidi Glück. SN/rusch
Die Regierung betreibe „hoch professionelle Informationspolitik“: Heidi Glück.

"Für die Opposition bleibt in der Krise nicht viel Platz", urteilt denn auch die Kommunikationsberaterin Heidi Glück, die das Vorgehen der Regierung als "hoch professionelle Informationspolitik" bezeichnet. Sebastian Kurz präsentiere sich als "umsichtiger und verantwortungsbewusster Krisenmanager", Rudolf Anschober als "kompetenter Gesundheitsminister". Die Krisenbewältigung sei auf einem Stufenplan aufgebaut und werde dosiert umgesetzt, sagt Glück, die vor Jahren den damaligen ÖVP-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel als Pressesprecherin betreut hat.

Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens werden in der Tat stufenweise (also schonend) verkündet. In der ORF-"Pressestunde" am vergangenen Sonntag deutete der Bundeskanzler erstmals an, dass es auch in Österreich zur Absage von Großveranstaltungen und zur Schließung von Bildungseinrichtungen kommen könnte. Zwei Tage später, nämlich am Dienstag, war aus der Andeutung eine konkrete Maßnahme geworden: Großveranstaltungen wurden verboten. Die konkrete Ankündigung von Uni- und Schulschließungen erfolgte weitere zwei Tage darauf, nämlich am Donnerstag. Die Maßnahmen kamen also nicht als Schock, die Menschen hatten Zeit, sich darauf einzustellen.

„Dass aber nonstop alle Minister gemeinsam und inhaltlich redundant auftreten, ist entbehrlich“: Rudi Klausnitzer. SN/bundeskanzleramt
„Dass aber nonstop alle Minister gemeinsam und inhaltlich redundant auftreten, ist entbehrlich“: Rudi Klausnitzer.

Nicht alle Kommunikationsprofis bewerten die Informationspolitik der Regierung so positiv wie Heidi Glück. Rudi Klausnitzer etwa, langjähriger Medien- und Kulturmanager und Berater, attestiert der Regierung zwar, "inhaltlich einen ausgezeichneten Job" zu machen. Er übt aber handwerkliche Kritik: "Dass aber nonstop alle Minister gemeinsam und inhaltlich redundant auftreten, ist entbehrlich. Das sollten sie einer Koordinatorin oder einem Koordinator überlassen und ihre Zeit den wichtigen Dingen widmen." So weit Medienprofi Klausnitzer, der derzeit auf Radio Austria eine Morgenshow moderiert und somit zu seinen beruflichen Anfängen zurückgekehrt ist, als er den legendären "Ö3-Wecker" erfand und moderierte.

Aufgerufen am 01.12.2021 um 02:48 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/leben-mit-dem-virus-hiobsbotschaften-huebsch-verpackt-84741808

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