Innenpolitik

Leopoldstadt-Wahl: Grüne mit spazierendem Wahlplakat in Blau

Das Buhlen um Stimmen in der Wiener Leopoldstadt hat begonnen - und die Parteien werfen sich in die Aufmerksamkeitsschlacht: ÖVP und Grüne haben am Montag ihre ersten Plakate präsentiert. Während die Schwarzen auf konventionelle Werbung setzen, bemühen sich die Ökos um Originalität. Sie schickten ihr - in FPÖ-Blau gehaltenes - Sujet spazieren.

Leopoldstadt-Wahl: Grüne mit spazierendem Wahlplakat in Blau SN/APA/HERBERT NEUBAUER
Bewegliches Plakat im Auftrag der Grünen.

Möglich machte dies ein Parteimitarbeiter im blauen Morphsuit. Am in diesen Ganzkörperanzug gehüllten Mann, der an der Ecke Taborstraße/Obere Augartenstraße seine Runden drehte, baumelte vorne wie hinten die Botschaft der Grünen für den 18. September, dem Tag der Bezirksvertretungswahl. Wobei der Spruch eher an die Bundespräsidenten-Stichwahl zwei Wochen später denken lässt. "Wer nicht wählen geht, wird sich wundern, was alles geht", so der weiße Slogan auf blauem Grund, der an ein viel diskutiertes Zitat des FPÖ-Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer angelehnt ist.

Die Grünen münzen den Spruch allerdings auf den Kampf um Platz zwei in der Leopoldstadt. Sollten die Blauen diesmal statt den Grünen an zweiter Stelle landen, "dann geht beispielsweise, dass Menschen gegeneinander ausgespielt werden. Dann geht, dass Minderheiten in unserem Bezirk keinen Platz mehr finden", heißt es im Pressetext. Die Grünen lagen beim ersten Durchgang der Wahl im Herbst 2015 nur 21 Stimmen vor der FPÖ und bangen somit auch um den Posten des Vize-Bezirksvorstehers. Ihr offizieller Wahlkampfauftakt mit dem ersten Schwung an herkömmlichen Plakaten steht am Donnerstag am Programm.

Nicht weit weg vom grünen Fototermin hatte die ÖVP kurz vorher auf den Karmeliterplatz zur Präsentation ihrer ersten Plakate geladen. Thematisch setzt die Volkspartei auf mehr geförderte Eigentumswohnungen ("Platz zum Wachsen. Daheim im Zweiten."), Verkehr ("Auf dem schnellsten Weg nach Hause - auch mit dem Auto!") und eine Neugestaltung des Pratersterns ("Sicher sein. Sicher fühlen."). Was letzteren betrifft, wolle man etwa als Verbindung zur Hauptallee eine Brücke statt einer Unterführung. Ein genaues Konzept will man demnächst präsentieren, sagte Bezirksparteiobfrau Sabine Schwarz.

Spitzenkandidat Hubert Pichler, im Hauptberuf Praterunternehmer, will die Schwarzen jedenfalls als "Partei der Vernunft" positionieren und statt populistischer Aktivitäten "Stabilität in den Bezirk bringen". Ergebnismäßig hofft er auf acht bis neun Prozent - was zu den am 11. Oktober erreichten 7,08 Prozent jedenfalls ein Plus wäre. Der offizielle Startschuss für den Wahlkampf fällt für die ÖVP am Freitag.

Neben der SPÖ und den NEOS, die ihre Sujets bereits in der Vorwoche affichiert haben, hängen nun übrigens auch schon Plakate der FPÖ in der Leopoldstadt. Auf zwei Textsujets wirbt man mit "Freie Fahrt und Parkplätze statt Stau und Parkplatznot" und "Für eine 'wienerische' Leopoldstadt statt Fremdsein im eigenen Bezirk". Vom dritten Motiv lächelt Parteichef Heinz-Christian Strache neben Spitzenkandidat Wolfgang Seidl. "Sicher und lebenswert statt ausufernder Kriminalität" lautet hier der Slogan.

Seidl, Gemeinderat und Spitzenkandidat der FPÖ, wünscht sich übrigens ein Alkoholverbot am Wiener Praterstern. Zusammen mit Initiator Thomas Preissl hat er am Montag eine entsprechende Petition eingebracht. Bezirksvorsteher Karlheinz Hora (SPÖ) bezeichnete die Forderung in einer Aussendung postwendend als "weder sinnvoll noch exekutierbar".

Laut Preissl ist der Praterstern "Treffpunkt Nummer Eins für das Sandler- und Drogenmilieu geworden". Der Initiator der Petition ist laut eigenen Angaben kein Mitglied oder Funktionär der FPÖ, bestätigte aber, dass ihn die Partei dabei "sehr unterstützt" habe, über 1000 Unterschriften zu sammeln. Es sei "inakzeptabel", am Praterstern "angeschnorrt und angepöbelt" zu werden.

Seidl räumt auf Nachfrage von Journalisten ein, der Praterstern sei "nie ein wunderschöner Ort" gewesen, das subjektive Sicherheitsgefühl habe sich in den letzten Jahren aber deutlich verschlechtert. Dies beträfe verstärkt Frauen und Kinder. Auch Touristen fehle das Verständnis für die sich darbietende Szene. Dass sich die Problematik durch ein Verbot in die direkte Umgebung verlagert, glaubt er nicht. Gegebenenfalls müsse man es aber erweitern, schlimmstenfalls auch auf den gesamten Grünen Prater. "Normalbürger" sollen von der Regelung nicht betroffen sein, in Gastgärten soll weiterhin Alkohol konsumiert werden dürfen.

Quelle: APA

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