Innenpolitik

LH Platter beim Forum Alpbach: "Was wäre Tirol ohne Schützen?"

Das Europäische Forum Alpbach hat am Sonntag im Rahmen der "Tiroltage" seine feierliche Eröffnung zelebriert. Traditionsgemäß ging es mit einem Festakt am Dorfplatz des "Dorfes der Denker" inklusive Schützen, Musikkapelle und Traditionsabordnungen los. Die Festreden drehten sich nicht wie in den vergangenen Jahren um das Thema Migration, sondern vor allem um Europa zwischen Wurzeln und Einheit.

Auf diese Wurzeln bzw. Identität - in diesem Falle die Tiroler - nahm auch Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) in seiner Rede Sonntagvormittag Bezug. Einmal mehr strich er die Bedeutung der Traditionen hervor, denn: "Was wäre Tirol zum Beispiel ohne Schützen, Musik und Trachten - ein armes Land." Man sei eine "Wertegemeinschaft", so Platter.

Ansonsten widmete der Landeshauptmann vor allem dem Thema Energie breiteren Raum - und nannte erneut das Jahr 2050 als Zieldatum für ein energieautonomes Tirol. Zudem kündigte Platter an, dass im Bundesland ein "Energieobservatorium" errichtet werden soll, in das Daten gemeldet, entsprechend verarbeitet und dann weitergegeben werden.

Mehr der Zukunft Europas widmete sich sein Südtiroler Amtskollege Arno Kompatscher (SVP). Er gab eine aus seiner Sicht ernüchternde Bestandsaufnahme ab: Derzeit sei immer mehr die Schwäche Europas im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion und nationale Lösungen würden bevorzugt. "Die Handelsvertreter der Angst und Verunsicherung haben Hochkonjunktur", so Kompatscher. Dem müsse man den Willen zum Gemeinsamen entgegensetzen. Das "Zurückziehen ins Schneckenhaus" sei eine große Gefahr, meinte Südtirols Landeshauptmann und gab als Parole aus: "Seien wir verwurzelt und offen."

Forumspräsident und Ex-EU-Kommissar Franz Fischler nahm auf das heurige Alpbach-Generalthema Bezug, das da heißt: "Diversität und Resilienz". Diversität sei ein "europäischer Schatz", so Fischler. Es brauche ein Bekenntnis dazu - vor allem angesichts von "Populismus und Fake News". Europa müsse wieder mehr Selbstvertrauen schöpfen, mahnte der Forumspräsident ein: "Wir brauchen ein Überdenken der Regeln und Rechtssysteme, mehr Entscheidungsfreiheit. Und vor allem mehr Engagement."

Beim Festakt wurde auch lange Zurückliegendes in Gegenwart bzw. Zukunft geholt: Die "Europaregion Tirol"-Länder Tirol, Südtirol und Trentino unterzeichneten gemeinsam mit der Stadt Mantua eine Absichtserklärung für die Errichtung eines "Andreas Hofer-Hauses" bzw. -Museums in Mantua - im Gedenken an den Tiroler Freiheitskämpfer.

Der Festakt am Dorfplatz hatte auch heuer seinen gewohnten Ablauf genommen. Nach der Heiligen Messe in der Alpbacher Pfarrkirche, geleitet von Innsbrucks Diözesanbischof Hermann Glettler, folgten musikalische Darbietungen: Die Tiroler Landeshymne "Zu Mantua in Banden" durfte ebenso nicht fehlen wie die österreichische Bundeshymne und die Europahymne. Auch die Ehrensalve der Schützen und die obligatorische "Schnapserl-Ausgabe" waren wieder prominent vertreten.

Die Bundesregierung war durch Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP), eine Tirolerin, vertreten. Anwesend waren neben zahlreichen Landes- und Gemeindepolitikern unter anderen auch die Ex-Minister Andrä Rupprechter, Karlheinz Töchterle und Maria Rauch-Kallat (alle ÖVP).

Zum Forum Alpbach werden heuer 5.000 Teilnehmer aus 100 Staaten zu mehr als 200 verschiedenen Anlässen erwartet. Große Aufmerksamkeit werden vor allem die Auftritte von Spitzenpolitikern haben. So hat sich praktisch die ganze Bundesregierung angesagt, erwartet werden auch mehrere ausländische Spitzenpolitiker.

Mit Spannung wird auch ein Treffen des kosovarischen und des serbischen Präsidenten, Hashim Thaci und Aleksandar Vucic, erwartet. Die beiden sollen am 25. August an einer Diskussion über die EU-Erweiterung teilnehmen. Am Sonntagnachmittag starten die Alpbacher Gesundheitsgespräche.

Quelle: APA

Aufgerufen am 12.12.2018 um 10:37 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/lh-platter-beim-forum-alpbach-was-waere-tirol-ohne-schuetzen-38980135

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