Innenpolitik

Lohnverhandlungen: Streiks im Sozialbereich drohen

Die Gewerkschaft legt im Ringen um den neuen Kollektivvertrag für die Sozialwirtschaft einen Gang zu.

Sozialberufe unverhältnismäßig schlecht bezahlt SN/APA/ROLAND SCHLAGER
Sozialberufe unverhältnismäßig schlecht bezahlt

Der ÖGB hat für die 100.000 Beschäftigten in der Sozialwirtschaft die Streikfreigabe erteilt. Am Montag werden die Beschäftigten in Betriebsversammlungen informiert und "vorsorglich" Streikmaßnahmen auf Betriebsebene beschlossen, teilten die Gewerkschaften GPA-djp und vida am Sonntag mit.

Die dritte Verhandlungsrunde für den privaten Gesundheits- und Sozialbereich wurde in der Nacht zum 31. Jänner nach 18 Stunden ergebnislos unterbrochen. Die nächste Verhandlungsrunde ist für Donnerstag, 7. Februar, angesetzt. Sollte diese scheitern, könne man dann "unverzüglich weitere Aktionen starten", erklären die Gewerkschaftsvertreter die Streikvorbereitungen. Sie sehen eine "hohe Bereitschaft, für einen guten Abschluss zu kämpfen". Bei einem Protestmarsch vergangene Woche gingen laut Gewerkschaft rund 3.000 Menschen auf die Straße.

Was die Gewerkschafter wollen

Das Arbeitgeberangebot von 2,5 Prozent erachten die Arbeitnehmervertreter als bei weitem nicht ausreichend. "Die Beschäftigten erwarten sich endlich eine Antwort auf die Arbeitszeitthemen wie Arbeitszeitverkürzung, Verbesserungen bei geteilten Dienste und bessere Urlaubsregelungen", sagte Reinhard Bödenauer, der stellvertretende Bundesgeschäftsführer der GPA-djp. "Neben den Verbesserungen bei der Arbeitszeit braucht es auch eine starke Gehaltserhöhung, damit die Kluft zu anderen Branchen nicht weiter wächst", so die Verhandlerin der Gewerkschaft vida, Michaela Guglberger.

Die Gewerkschaft war mit der Forderung nach einer Erhöhung um sechs Prozent in die Verhandlungen gestartet. Die Forderung von sechs Prozent begründete Bödenauer mit der guten Wirtschaftslage, dem Auftrag für einen 1.700-Euro-Mindestlohn und einen Nachholbedarf im Vergleich zu anderen Branchen. So hätten andere Kollektivverträge teilweise bis zu 17 Prozent höhere Gehälter. Und auch im öffentlichen Dienst gebe es für die gleiche Arbeit mehr Geld.

Auch bei Privatkrankenanstalten spießt es sich

Auch die parallel geführten Kollektivvertragsverhandlungen für die etwa 7.000 Beschäftigten in den Privatkrankenanstalten Österreichs ziehen sich. Laut Aussendungen der Gewerkschaft vida und der Ärztekammer ist auch dort die dritte Verhandlungsrunde am Mittwoch ergebnislos zu Ende gegangen, die nächste Runde findet am 27. Februar statt. Stefan Günther, der Verhandlungsführer und Generalsekretär des Verbands der Privatkrankenanstalten Österreichs, kritisierte: "Bei ständig wechselnden Forderungen seitens der Gewerkschaft von deutlich über fünf Prozent werden Verhandlungen allerdings destruktiv."

Allein in Salzburg sind im Privatkrankenanstalten-Kollektivvertrag rund 1000 MitarbeiterInnen betroffen, zum Beispiel im Klinikum Bad Gastein, in der EMCO Privatklinik, im Reha-Zentrum Oberndorf, in der Privatklinik Wehrle-Diakonissen oder in der Privatklinik Ritzensee. "Besonders die Betreiber von privaten Gesundheits- und Reha-Kliniken zeigen, dass ihnen Gewinne und Konzern-Interessen wichtiger sind als das Wohlergehen ihrer Beschäftigten", kritisiert Klaus Brandhuber, Salzburger Landessprecher der Grünen und Alternativen GewerkschafterInnen AUGE/UG.

Quelle: APA

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