Innenpolitik

Misstrauen gegenüber Politik unter Hofer-Wählern größer

Das Misstrauen gegenüber Politikern und politischen Parteien ist unter jenen Wählern, die bei der Bundespräsidentschaftwahl für Norbert Hofer gestimmt haben, höher als unter Alexander Van der Bellens Wählern. Laut der am Dienstag präsentierten Studie der Politikwissenschaftler Fritz Plasser und Franz Sommer stehen 90 Prozent der Hofer-Wähler der Politik reserviert bis misstrauisch gegenüber.

Misstrauen gegenüber Politik unter Hofer-Wählern größer SN/APA/HELMUT FOHRINGER
Hofer sprach misstrauische Wähler an.

Aber auch insgesamt ist das Image der Politik kein besonders gutes: Nur 18 Prozent der Wähler vertrauen der Politik im Großen und Ganzen. Eine Mehrheit von 57 Prozent hingegen hat nur wenig Vertrauen in die Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit der politischen Eliten, 24 Prozent haben gar kein Vertrauen. Unter Hofer-Wählern ist die Skepsis besonders groß - nur jeder Zehnte vertraut in die Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit der Politiker, 90 Prozent sind skeptisch. Unter den Van der Bellen-Wählern sind mit 60 Prozent die reserviert eingestellten aber ebenfalls in der Mehrheit, zehn Prozent zeigten generelles Misstrauen.

Von jenen 18 Prozent der Wähler, die der Politik im Großen und Ganzen vertrauen, gaben 76 Prozent Van der Bellen ihre Stimme. Unter den 57 Prozent, die insgesamt nur "wenig Vertrauen" haben, waren 57 Prozent (sic!) Van der Bellen-Wähler, 43 Prozent wählten FPÖ-Kandidat Hofer. Von jenen 24 Prozent, die der Politik überhaupt nicht vertrauen, gaben 73 Prozent Hofer ihre Stimme, nur 27 Prozent Van der Bellen.

Ein ähnlich differenziertes Bild zeigte sich bei der Beurteilung der Funktionstüchtigkeit der österreichischen Demokratie. Während 70 Prozent der Van der Bellen-Wähler mit dem Funktionieren der Demokratie mehr oder weniger zufrieden sind, zeigten sich 61 Prozent der Hofer-Wähler unzufrieden. Unter den Zufriedenen wählten 68 Prozent den Ex-Grünen-Chef; die nicht besonders bis überhaupt nicht Zufriedenen wählten hingegen zu 65 Prozent den blauen Kandidaten.

Auch die Einstellung der Wähler zum Thema Asyl und Migration wurde abgefragt. Hier zeigte sich ein insgesamt überwiegend kritisches Meinungsbild. Zwei Drittel der Wähler sind der Meinung, dass die Möglichkeiten, weitere Flüchtlinge aufzunehmen, erschöpft sind. Van der Bellens Wählerschaft ist in dieser Frage gespalten. Eine Hälfte ortet noch Kapazitäten, die andere Hälfte nicht. Von Hofers Wählern sehen insgesamt 95 Prozent keine Möglichkeit mehr, weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Ebenso viele Wähler des FPÖ-Kandidaten befürworten Obergrenzen bei der Flüchtlings-Aufnahme. Unter Van der Bellen-Wählern sind 60 Prozent für dieses Maßnahme, 35 Prozent lehnen Derartiges ab.

Unterschiede zeigten sich u.a. auch in der Einstellung der Wähler zur EU. Drei Viertel der Van der Bellen-Wähler beurteilen Österreichs Mitgliedschaft in der Union positiv, unter Hofers Wähler sieht hingegen nur jeder dritte Wähler mehr Vor- als Nachteile. Wähler, die der EU positiv gegenüber stehen, wählten zu drei Viertel Van der Bellen. Umgekehrt stimmten drei Viertel jener Wähler, für die die Nachteile der EU überwiegen, für Hofer. Unter jenen 65 Prozent der Wähler, die für den Verbleib Österreichs in der EU eintreten, stimmen 72 Prozent für Van der Bellen. Bei den Austritts-Befürwortern war Hofer mit 83 Prozent in der Wählergunst klar vorne.

Und auch die subjektiv empfundene finanzielle Situation hatte offenbar Auswirkungen auf der Wahlverhalten. Für jeden zweiten Hofer-Wähler hat sich laut der Erhebung die persönliche finanzielle Situation in den letzten Jahren verschlechtert, während nur jeder vierte Van der Bellen-Wähler diesen Eindruck hatte.

Quelle: APA

Aufgerufen am 22.09.2018 um 10:02 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/misstrauen-gegenueber-politik-unter-hofer-waehlern-groesser-820252

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