Innenpolitik

Mückstein tritt als Gesundheitsminister zurück: "Kann eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden"

Grüner Gesundheitsminister wirft nach nicht einmal einem Jahr das Handtuch. Sein Nachfolger dürfte der Vorarlberger Johannes Rauch werden.

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) hat am Donnerstagnachmittag in einer persönlichen Erklärung seinen Rücktritt erklärt. "Mein oberstes Ziel war es immer, Menschenleben zu retten", erklärte der Quereinsteiger zu Beginn seiner Erklärung. Die Pandemie sei noch nicht überstanden, aber immer besser im Griff: "Das Pandemiemanagement war eine große Verantwortung und nicht alle waren mit meinen Entscheidungen zufrieden."

Es sei ein Privileg gewesen, ein Jahr mitgestalten zu können, jedoch sei vor allem die persönliche Belastung nicht zu unterschätzen: "Ich habe gewusst, worauf ich mich einlasse. In letzter Zeit habe ich aber gemerkt, dass ich nicht mehr 100 Prozent leisten kann. Ich kann meinen eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden."

Ein weiterer Rücktrittsgrund seien die Anfeindungen gegen seine Familie und Mückstein selbst gewesen. "Es nagt an einem, wenn man die eigene Wohnung nicht mehr ohne Personenschutz verlassen kann."

"Damit ist für mich heute der Tag gekommen, an dem ich mein Amt als Gesundheits- und Sozialminister zurücklege." Mückstein dankte Vizekanzler Kogler, der Grünen Partei, Bundeskanzler Nehammer und dem Koalitionspartner ÖVP. Auch bei seinem Team im Ministerium und seiner Familie bedankte sich der Minister.

Mückstein kündigte an, dass er bis zur Entscheidung über seinen Nachfolger im Amt bleibe - ohne einen Namen zu nennen. Vizekanzler und Grünen-Chef Werner Kogler kündigte fast gleichzeitig an, dass er den Vorarlberger Landesrat Johannes Rauch als Ministerkandidat in den Grünen Parteigremien vorschlagen werde.

Johannes Rauch soll neuer Gesundheitsminister werden

Der Vorarlberger Johannes Rauch, 62, wäre der dritte Gesundheitsminister in dieser Legislaturperiode und in dieser Coronapandemie. Rauch führte fast 25 Jahre lang die Vorarlberger Grünen und gehört seit 2014 der Landesregierung an, er ist also im Gegensatz zu Mückstein ein erfahrener Politiker. Und übrigens mit einer Ärztin verheiratet - Gabriele Sprickler-Falschlunger, die gleichzeitig SPÖ-Landesparteivorsitzende ist. Dass Rauch so lange zögerte, als Minister nach Wien zu wechseln, ist wohl dem Umstand geschuldet, dass er sich eigentlich allmählich aus der Politik zurückziehen wollte.

Mücksteins kurze Karriere in der Politik

Der Wiener Arzt Wolfgang Mückstein hat erst vor elf Monaten das Amt von Rudolf Anschober übernommen, der im Frühjahr 2021 wegen Überlastung und Erschöpfung zurückgetreten war.

Mückstein sorgte für Aufsehen, als er in Turnschuhen zur Angelobung ging. Politisch machte der Quereinsteiger von Anfang an keine gute Figur, erwies sich als mangelhafter Kommunikator und wirkte zunehmend überfordert. Auch soll er sich von der ÖVP, die die jüngsten Corona-Öffnungen durchsetzte, überfahren gefühlt haben. Im Sozialbereich - eigentlich der Hauptteil von Mücksteins Ressort - wirkte er nie heimisch. Nun scheint sich bei den Grünen die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass das Amt einen erfahrenen Politiker braucht.

Grund für den Schritt Mücksteins soll laut "Österreich" sein, dass er über die türkis-grünen Entscheidungen der vergangenen Wochen im Zusammenhang mit der Coronakrise "sehr unglücklich" gewesen sein soll. Vor allem die komplette Öffnung am 5. März wollte er demnach nicht mittragen.

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