Innenpolitik

Mutmaßlicher Drahtzieher des Ibiza-Videos als Zeuge

Im Kremser Verleumdungsprozess gegen einen Ex-Sicherheitsberater hat am Freitag der mutmaßliche Drahtzieher des Ibiza-Videos, Julian H., als Zeuge ausgesagt. Der im Zusammenhang mit der Erstellung der Aufnahme per internationalem Haftbefehl gesuchte Detektiv wurde via Videokonferenz zugeschaltet. Er war laut der vorsitzenden Richterin über seinen Anwalt erreicht worden. H. bekräftigte, dass sein Sicherheitsunternehmen "sicher nie irgendeine Observation" gemacht habe.

Wenig überraschend kam das Ibiza-Video bei der Befragung selbst nicht zur Sprache. Vielmehr ging es hauptsächlich um die jahrelange Geschäftsbeziehung von H. zum Beschuldigten. Er sei im Unternehmen des Niederösterreichers involviert gewesen, habe zwei externe Aufträge gegen Bezahlung auf Honorarnotenbasis übernommen, gab H. zu Protokoll. Auch die Deutsche Plasser Bahnbaumaschinen GmbH sei als Auftraggeber dabei gewesen. Es sei damals - Ende 2012 - um "Patentkopien von Bauteilen der Plasser" gegangen, involviert sei eine türkische Firma gewesen.

Nach dem Konkurs des Unternehmens des Beschuldigten habe H. auch mit seiner eigenen, 2015 gegründeten Firma Aufträge von Plasser erhalten. Das Volumen sei "zwischen 25.000 und 30.000 Euro pro Monat angesiedelt" gewesen. Operativ tätig sei auch der nunmehrige Angeklagte gewesen, der allerdings stets zu Übertreibungen geneigt habe. "Er hatte die Tendenz, alles unglaublich aufzublasen", erklärte der Zeuge. Der 48-Jährige habe allerdings einen gewissen Kundenstamm miteingebracht.

Aufträge von Plasser hätten primär auf "Marktbeobachtung im weitesten Sinne" abgezielt, sagte H. Ein Konkurrenzunternehmen sei in Verdacht gestanden, Kunden und ehemalige führende Mitarbeiter von Plasser abzuwerben, dem sollte entgegnet werden. Illegale Methoden seien dabei allerdings nicht angewandt worden.

Von einem ehemaligen Kollegen war H. zuvor als Mann mit besonderen Fähigkeiten beschrieben worden. Anders als der Detektiv selbst offenbarte der Ex-Kompagnon allerdings immer wieder größere Erinnerungslücken. Von illegalen Spionagemethoden wollte auch er nichts gewusst haben.

Nach der Einvernahme von Julian H. endete der zweite Verhandlungstag. Fortgesetzt wird das Verfahren am 6. November.

Quelle: APA

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