Innenpolitik

Nach langer Debatte kommt jetzt die Deutschförderklasse

Die im Regierungsprogramm angekündigten Deutschklassen setzen auf einen Ausbau des aktuellen Modells der Sprachstartgruppen und werden ohne strikte Trennung von den Regelklassen umgesetzt. Statt elf werden künftig 15 (Volksschule) bzw. 20 (AHS-Unterstufe/Neue Mittelschule) Stunden pro Woche Deutsch gepaukt, sieht das Konzept von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) vor.

Eingeführt werden soll das neue Modell schrittweise ab dem Schuljahr 2018/19. Dafür werden zunächst alle Kinder, denen bei der Schuleinschreibung Deutschmängel attestiert werden, einem einheitlichen, standardisierten Test unterzogen. Ergibt dieser, dass dem Unterricht nicht ausreichend gefolgt werden kann, wird das Kind als sogenannter außerordentlicher Schüler eingestuft und kommt in eine eigene Deutschförderklasse. Dort wird dann in 15 bis 20 Wochenstunden nach eigenem Lehrplan Deutsch unterrichtet - für Gegenstände wie Zeichnen, Musik oder Turnen werden die Kinder dann aber altersgemäß den normalen Regelklassen zugeteilt.

Nach jedem Semester soll dann nach einem österreichweit einheitlichen Test überprüft werden, ob die Kinder dem Regelunterricht mittlerweile ausreichend folgen können. Ist dies der Fall, können sie unmittelbar in die Regelklassen wechseln. Ansonsten bleiben sie maximal vier Semester in der Deutschförderklasse. Nach dem Wechsel in die Regelklasse erhalten sie außerdem noch sechs Stunden pro Woche parallel zum Unterricht Förderung in einem Deutschförderkurs. Flankierend werden Deutschkenntnisse explizit als Schulreifekriterium verankert.

Faßmann nannte als Vorbild für die Deutschförderklassen einerseits internationale Modelle in Hamburg, Berlin und Kanada sowie die bereits in Österreich bestehenden Sprachstartgruppen. "Man muss das Rad nicht neu erfinden, aber wir wollen, dass es einen besseren Rundlauf aufweist." Anders als bisher ist die Einrichtung aber verpflichtend, die Stundenanzahl für die Deutschförderung wird ausgeweitet. "Wer sagt, das sind Ghettoisierungsmaßnahmen, hat das Prinzip nicht verstanden - oder er oder sie will es nicht verstehen", so Faßmann. Ziel sei der möglichst rasche Übertritt in die Regelklasse. Die zusätzlichen Kosten wollte Faßmann nicht beziffern. Insgesamt geht man von einem Mehrbedarf von rund 300 Lehrern aus.

Mit dem Modell können sich grundsätzlich sowohl SPÖ als auch FPÖ anfreunden. FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus sieht eine langjährige Forderung seiner Partei umgesetzt. SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid begrüßte es, dass Faßmann "die bestehende Sprachförderung in Verbindung mit dem Regelunterricht ausbauen und fortführen will". Einschränkung: Völlig offen sei allerdings, wie die benötigten zusätzlichen Lehrer und Klassenräume finanziert und bereitgestellt würden.

"Vorsichtig positiv" beurteilt der Bildungssprecher der NEOS, Matthias Strolz, die Pläne Faßmanns. Anders sieht es die Liste Pilz, deren Bildungs- und Integrationssprecherinnen befürchten, dass diese "Ausgrenzung fördern und Integration verhindern". "Trennung statt Integration" ist auch den Grünen ein Dorn im Auge.

Quelle: APA

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