Innenpolitik

Neue Uni-Aufnahmeverfahren schrecken Studenten ab

Allein die Einführung eines Aufnahmeverfahrens für neue Studien im Studienjahr 2019/20 hat viele Studienwerber offenbar abgeschreckt. Andere potenzielle Studenten kamen nicht zum Aufnahmetest. Das zeigt die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der SPÖ durch Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP). Die Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) kritisierte die Verfahren als "enorme Hürde".

Die neuen Aufnahmeverfahren zeigen Wirkung SN/APA/Symbolbild/GEORG HOCHMUTH
Die neuen Aufnahmeverfahren zeigen Wirkung

Mit dem Studienjahr 2019/20 haben die Unis die Möglichkeit bekommen, zusätzlich zu bereits bestehenden Zugangsbeschränkungen auch noch Hürden in den Fächern Jus, Fremdsprachen und Erziehungswissenschaften sowie zusätzlich in nur lokal überlaufenen Studienrichtungen einzuführen. Vielfach machten die Unis davon allerdings keinen Gebrauch.

Wer dies schon tat, reduzierte im Regelfall bereits schon die Zahl der Anmeldungen für das Studium stark. Je stärker die Studienwerber sich beteiligen mussten (Registrierung, unbewertetes Online-Assessment, eventuell Prüfungsgebühr von 50 Euro, Erscheinen beim Aufnahmetest), desto mehr verzichteten auf ein Studium. Die Durchführung von Aufnahmetests war meist gar nicht mehr nötig.

Angefragt wurden von SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl die Zahl der Studienanfänger im Studienjahr 2018/19, die Zahl der zur Verfügung stehenden Studienplätze 2019/20, die Zahl der Registrierungen für das Aufnahmeverfahren, die Zahl der nicht zur Aufnahmeprüfung erschienenen Studienwerber sowie die tatsächlichen Studienanfänger 2019/20. Dabei zeigte sich: Sogar in jenen Studien, in denen 2019/20 die Zahl der angebotenen Studienplätze höher war als die Zahl der Studenten im Wintersemester davor, sank die Zahl der Anmeldungen stark - etwa in den Fremdsprachen oder bei Jus an der Uni Wien.

Die eigentlichen Aufnahmetests fanden in den meisten Studienrichtungen gar nicht erst statt. In der Chemie kam es an der Uni Wien zwar sehr wohl zu einem Test - zu diesem erschienen dann aber weniger Leute als Studienplätze zur Verfügung standen.

Wirklich nötig waren die Tests in den neu beschränkten Fächern schließlich nur vereinzelt - an der Universität für Bodenkultur (Boku) im Umwelt- und Bioressourcenmanagement und an der Wirtschaftsuni (WU) im Wirtschaftsrecht.

Eine "enorme Hürde" für den Beginn eines Studiums stellen die Zugangsbeschränkungen an den Unis nach Ansicht der ÖH dar. "Dass die Durchführung der Aufnahmetests meist gar nicht mehr nötig war, zeigt welche verheerenden Auswirkungen solche Abschreckungsmanöver haben", hieß es in einer Aussendung.

Die Studienwerber müssen sich in den meisten zugangsbeschränkten Studien registrieren, ein (unbenotetes) Online-Assessment absolvieren sowie meist einen Kostenbeitrag bzw. Registrierungsgebühr von 50 Euro bezahlen. Liegt dann die Zahl der Studienwerber über der Zahl der verfügbaren Plätze, wird ein Aufnahmetest abgehalten. Zu dieser kam es aber in vielen Fällen gar nicht, weil in den einzelnen Verfahrensschritten immer mehr Studienwerber ausschieden.

Die ÖH stehe "bedingungslos für einen freien und offenen Hochschulzugang" und fordert einen Stopp der Zugangsbeschränkungen und "endlich eine Ausfinanzierung der Hochschulen".

Quelle: APA

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