Innenpolitik

ÖGB rüstet sich für Foglar-Nachfolge

Neun Monate sind es noch bis zum ÖGB-Bundeskongress, im Gewerkschaftsbund rüstet man sich aber bereits für die mögliche Nachfolge von Präsident Erich Foglar (61). Die fünfjährige Amtszeit des ÖGB-Chefs läuft nächstes Jahr aus, im Gewerkschaftsbund ging man zuletzt davon aus, dass Foglar nicht noch einmal antreten wird. Gegenüber Vertrauten soll er dies zumindest angedeutet haben.

Foglar dürfte wohl nicht mehr kandidieren.  SN/APA (Archiv)/BARBARA GINDL
Foglar dürfte wohl nicht mehr kandidieren.

Nun wird mit dem niederösterreichischen Arbeiterkammer-Präsidenten Markus Wieser (51) erstmals ein potenzieller Wunschnachfolger Foglars genannt. Foglar und der frühere mächtige Metaller-Gewerkschaftschef Rudolf Nürnberger (72) forcierten Wieser und versuchten, diesen für den Posten des ÖGB-Präsidenten in Stellung zu bringen, heißt es aus Gewerkschaftskreisen. Nürnberger habe dafür sein immer noch intaktes Alt-Herren-Netzwerk in der Gewerkschaft aktiviert. Freilich hatte der langjährige FSG-Chef zuletzt nicht einmal in der eigenen Gewerkschaft seinen Wunschkandidaten durchgebracht.

Wieser kommt wie Foglar und Nürnberger aus der früheren Metallergewerkschaft, die inzwischen mit der Textil-, Nahrungs- und Chemie-Gewerkschaft die Produktionsgewerkschaft PRO-GE bildet. Er war dort Bundesjugendvorsitzender, Zentraljugendsekretär und niederösterreichischer Landessekretär und gilt wie Foglar als Schützling Nürnbergers, der seine Funktion als Metaller-Chef 2006 rund um die Affäre der früheren Gewerkschaftsbank BAWAG und den dadurch bedingten finanziellen Scherbenhaufen für den ÖGB überraschend zurücklegte und an den späteren ÖGB-Präsidenten Foglar übergab.

Seit Herbst 2013 ist Wieser Präsident der Arbeiterkammer Niederösterreich. Er ist darüber hinaus auch Vorsitzender des ÖGB in Niederösterreich. Von den Spekulationen um seine Person will Wieser noch nichts gehört haben. "Die Frage stellt sich nicht, und es ist dazu auch niemand an mich herangetreten. Ich bin Präsident der Arbeiterkammer Niederösterreich und Vorsitzender des ÖGB NÖ, das sind verantwortungsvolle Aufgaben für mehr als 600.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer", erklärte Wieser in einer Stellungnahme gegenüber der APA.

Auch im ÖGB wollte man die Nachfolgespekulationen nicht befeuern. Der nächste Bundeskongress finde erst im kommenden Jahr statt, alle inhaltlichen und personellen Entscheidungen würden rechtzeitig vorher in die Wege geleitet, derzeit gebe es dazu nichts zu sagen, ließ ÖGB-Präsident Foglar der APA über seinen Pressesprecher ausrichten.

Ambitionen auf die Nachfolge Foglars werden in Gewerkschaftskreisen auch Eisenbahner-Gewerkschafter Roman Hebenstreit aus der vida und Bau/Holz-Gewerkschaftschef Beppo Muchitsch nachgesagt. Von manchen wird auch GPA-Chef Wolfgang Katzian forciert, der aber lieber auf der realpolitisch mächtigeren Position des FSG-Vorsitzenden bleiben will. Sollte es im Vorfeld des Bundeskongresses zu keiner gütlichen Einigung auf ein Personalpaket kommen und nach der Nationalratswahl Schwarz-Blau die Regierung stellen, dann sei auch denkbar, dass Foglar doch noch ein bis zwei Jahre als Präsident anhängt, heißt es in Gewerkschaftskreisen.

Offen ist darüber hinaus noch, wer künftig die Arbeiterkammer anführt. Präsident Rudolf Kaske erwägt seit längerem einen Rückzug ins Privatleben. Da 2019 wieder gewählt wird, sollte auch hier ein möglicher Nachfolger bereits kommendes Jahr feststehen, um ihn noch rechtzeitig bekannt machen zu können. Gehandelt wurden hier zuletzt der Vorsitzende der Gemeindebediensteten-Gewerkschaft younion Christian Meidlinger sowie der Leitende ÖGB-Sekretär Bernhard Achitz. Ersterer hat den Nachteil, aus dem öffentlichen Dienst zu stammen und damit kein klassischer Arbeitervertreter zu sein, letzterer hat wiederum keinen der großen Player hinter sich.

Quelle: APA

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