Innenpolitik

Österreicher glauben an die Demokratie

Eine Umfrage zeigt: Österreich ist eine gefestigte Demokratie. Doch es gibt eine Gruppe, die ihr den Rücken gekehrt hat.

Das österreichische Parlament als Herzstück der Demokratie. SN/apa (archiv)
Das österreichische Parlament als Herzstück der Demokratie.

100 Jahre nach der Gründung der Republik ist die Demokratie fest in der Bevölkerung verankert. Neun von zehn Österreichern sehen in ihr die beste Staatsform, weil sie garantiert, dass trotz unterschiedlicher Meinungen gemeinsame Lösungen gesucht werden. Nur eine verschwindende Minderheit von vier Prozent wünscht sich eine autokratische Herrschaft durch einen "starken Mann". - Das sind die Kernergebnisse einer neuen Umfrage des SORA-Instituts.

Der Wert hat sich seit 2014 verbessert. SN/sora
Der Wert hat sich seit 2014 verbessert.

Die Österreicher haben demnach ein breites Demokratieverständnis. Demokratie besteht für sie nicht nur aus dem Wählen, sondern auch aus der Gewaltenteilung, der Rechtsstaatlichkeit, dem Minderheitenschutz, der Bürgerbeteiligung und vor allem aus dem sozialen Ausgleich.

Dieser letzte Punkt ist es, der Anhänger und Skeptiker der Demokratie spaltet: Personen, die ihre finanzielle Zukunft sehr gut abgesichert sehen, sind laut der umfrage zu mehr als drei Viertel mit dem Funktionieren der Demokratie zufrieden. Hingegen sind Personen, die finanzielle Zukunftssorgen haben, nur zu 48 Prozent zufrieden. Mehr als 85 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe fühlen sich von der Politik auch nicht mehr gehört.

Die finanzielle Absicherung hat Auswirkungen auf das Vertrauen in die Demokratie. SN/sora
Die finanzielle Absicherung hat Auswirkungen auf das Vertrauen in die Demokratie.

Bedenklich ist, dass gerade diese Personen sich wenig um Politik kümmern. Ein Fünftel von ihnen gehen auch nicht mehr wählen. Die Studienautorin Martina Zandonella sieht in diesen Zahlen ein Warnsignal: "Die Menschen müssen merken, dass die zentralen Versprechen der Demokratie - Gleichheit, Mitbestimmung und Wohlstand - auch für sie gelten", erklärt sie. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass das politische System als ganzes auf Ablehnung stoße.

Österreicher vertrauen Polizei und Justiz mehr als der Regierung und der EU

Doch davon scheint Österreich doch weit entfernt zu sein. Bei der Umfrage zeigten sich zwei Drittel der Befragten überzeugt, dass die Demokratie in Österreich gut funktioniert. Das Vertrauen in Institutionen wie Polizei, Justiz und Verwaltung liegt zwischen 60 und 75 Prozent. Schlechter schneiden Parlament (48%), die Regierung (43%) und die EU (39%) ab.

Wem die Österreicher vertrauen. SN/sora
Wem die Österreicher vertrauen.

Auf die Frage, wie die Demokratie verbessert werden könnte, wurde am häufigsten (63%) der Ausbau der Arbeitnehmerrechte genannt, es folgten der Wunsch nach mehr Bürgerbeteiligung sowie nach einer Stärkung der Unabhängigkeit der Gerichte und der Medien.

Was sich die Österreicher wünschen. SN/sora
Was sich die Österreicher wünschen.

Die hier zitierte Studie nennt sich "Österreichischer Demokratie Monitor 2018". Es handelt sich um eine besonders große und damit besonders genaue Umfrage unter mehr als 2000 Österreichern. Durchgeführt wurde sich vom Meinungsforschungsinstitut SORA im Auftrag großer Institutionen wie ÖGB und Industriellenvereinigung.

Aufgerufen am 22.10.2019 um 01:11 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/oesterreicher-glauben-an-die-demokratie-60885844

Kommentare

Schlagzeilen