Innenpolitik

Österreicher informieren sich zu Gesundheit vor allem im Internet

Laut einer Umfrage zur Gesundheitskompetenz informieren sich die Österreicherinnen und Österreicher eher im Internet als bei Ärzten. Gesundheitsminister Mückstein sieht "deutlichen Handlungsbedarf".

Nur 37 Prozent sagten, sich vorrangig bei Ärztinnen und Ärzten zu informieren. SN/apa (fohringer)
Nur 37 Prozent sagten, sich vorrangig bei Ärztinnen und Ärzten zu informieren.

Zu Gesundheitsthemen informiert sich die Bevölkerung vor allem digital. 43 Prozent nutzen Internetseiten und soziale Medien, ergab eine große Umfrage. 37 Prozent sagten, vorrangig auf Ärztinnen und Ärzte sowie Angehörige anderer Gesundheitsberufe zurückzugreifen. Insgesamt zeigen die Ergebnisse zur selbsteingeschätzten Gesundheitskompetenz "deutlichen Handlungsbedarf", betonte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne).
Als Gesundheitskompetenz werden Wissen, Motivation und Fähigkeiten zusammengefasst, um relevante Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und im Alltag anzuwenden. Daraus sollten Entscheidungen getroffen werden können, die die eigene Gesundheit und Lebensqualität erhalten oder verbessern.

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) sieht Handlungsbedarf. SN/apa
Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) sieht Handlungsbedarf.


"Die erste Erhebung 2011 zeigte uns, dass wir in Sachen Gesundheitskompetenz noch Luft nach oben haben", sagte Mückstein diese Woche bei der Konferenz der Plattform Gesundheitskompetenz (ÖPGK). Die Ergebnisse verbesserten sich in der von der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) koordinierten Erhebung im Zehn-Jahres-Vergleich insgesamt leicht, sind aber aufgrund von methodischen Änderungen nicht unmittelbar vergleichbar.
Laut einem näherungsweisen Vergleich der GÖG stieg die ausreichend bis exzellent eingeschätzte Gesundheitskompetenz der Österreicher von 48 auf 53 Prozent. Besondere Herausforderungen bestehen weiterhin bei Informationen zu Therapien und Behandlungen, bei Informationen zum Umgang mit psychischen Problemen und beim Beurteilen und Anwenden von Gesundheitsinformation sowie bei Informationen zum Thema Prävention. Jeder fünfte der 3000 im Vorjahr befragten Erwachsenen gab auch Schwierigkeiten bei der Beurteilung an, welche Impfungen sinnvoll und notwendig sind.
Bei den Informationsquellen stehen an dritter Stelle gedruckte Unterlagen mit acht Prozent, gefolgt vom sozialen Umfeld (sieben Prozent). Drei Prozent informieren sich vorrangig bei Anbietern alternativer oder ergänzender Heilverfahren, jeweils rund ein Prozent bei Info-Telefonen oder ganz woanders, etwa im Fernsehen.
Personen mit maximal Pflichtschulabschluss sowie in finanziell prekären Situationen hatten eine geringere selbsteingeschätzte Gesundheitskompetenz als der Durchschnitt. Jene mit einer geringen Gesundheitskompetenz weisen ein ungünstigeres Bewegungs- und Ernährungsverhalten auf, schätzen ihre gesundheitliche Situation schlechter ein und sind häufiger von chronischen Erkrankungen und gesundheitsbedingten Einschränkungen im Alltag betroffen.
Mückstein verwies auf Erfolge der vergangenen Jahre, etwa durch die 2015 gegründete Plattform Gesundheitskompetenz, der mittlerweile über 80 Mitgliederorganisationen angehören. "Der eingeschlagene Weg muss die nächsten Jahre noch konsequenter verfolgt werden. Die Ergebnisse bestätigen außerdem meine Anstrengungen, Gesundheit und Soziales gemeinsam zu denken. Die Gesundheitskompetenz ist auch eine soziale Frage und in der Gesellschaft ungleich verteilt", sagte der Gesundheitsminister.

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