Innenpolitik

Österreichs Schüler in PISA-Studie schlechter als 2012

Österreichs Schüler haben bei der neuen PISA-Studie etwas schlechter als bei der letzten Erhebung 2012 abgeschnitten und liegen insgesamt weiter im Mittelfeld der OECD-Staaten. Dominiert werden die Ranglisten in den Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik von den fernöstlichen Staaten. Fast jeder dritte getestete Schüler in Österreich weist in zumindest einem Testgebiet "gravierende Mängel" auf.

Österreichs Schüler in PISA-Studie schlechter als 2012 SN/APA (dpa)/Armin Weigel
Österreichs Schüler im Mittelfeld.

Im heurigen Haupttestfach Naturwissenschaften wird die Rangliste von Singapur (556 Punkte) und Japan (538) angeführt, dahinter liegt als bestes europäisches Land Estland (534) knapp vor Taiwan (532) und Finnland (531). Beim Lesen platziert sich erneut Singapur mit 535 Punkten an der Spitze, gefolgt von Hongkong und Kanada (je 527), Finnland (526) und Irland (521). In der Mathematik liegt Singapur (564) vor Hongkong (548), Macao (544) und Taiwan (542). Bestes europäisches Land ist die Schweiz (521) vor Estland (520), den Niederlanden (512) sowie Finnland und Dänemark (je 511). Weltweit nahmen 2015 mehr als eine halbe Million Schüler aus 72 Staaten bzw. Regionen an PISA teil.

In Österreich haben die 15- bis 16-jährigen österreichischen Schüler in den Naturwissenschaften 495 Punkte erreicht - das entspricht in etwa dem OECD-Schnitt (493). Beim traditionell schlechtesten Testgebiet der Österreicher, dem Lesen, kamen die Schüler nur auf 485 Punkte und landeten damit signifikant unter dem OECD-Schnitt von 494. In Mathematik, dem stärksten Fach der Österreicher, gab es im Mittel 497 Punkte und damit signifikant mehr als im OECD-Schnitt (490).

Im Langzeitvergleich geht es bei PISA für Österreich damit weiter stets auf und ab: 2012 waren die Ergebnisse in allen drei Domänen besser als im Jahr 2015, 2009 schlechter und 2006 besser als bei der aktuellen Ausgabe. Direkte Punktevergleiche sind dabei allerdings nur eingeschränkt möglich: 2015 wurde erstmals der gesamte Test auf dem Computer und nicht mehr per Fragebogen durchgeführt.

Fast jeder dritte getestete Schüler in Österreich gehört in zumindest einem der drei Testgebiete zur Gruppe der Risikoschüler, die "gravierende Mängel" aufweisen. 13 Prozent haben sogar Probleme in allen drei Domänen. Damit liegt Österreich exakt im OECD-Schnitt. Beim europäischen Vorzeigeschüler Finnland hingegen sind nur 18 Prozent in mindestens einem Bereich extrem schwach, sechs Prozent in allen drei Domänen. Bei den Spitzenschülern, die auch komplexe Aufgaben lösen können, sieht es ähnlich aus: In Österreich sind 15 Prozent der Schüler in zumindest einem Testgebiet Spitze (OECD: 16 Prozent), drei Prozent in allen drei (OECD: vier Prozent). In der Schweiz haben indes 22 Prozent besonders hohe Fähigkeiten, beim PISA-Gesamtsieger Singapur sind es gar 39 Prozent.

Noch immer starken Einfluss haben Migrationshintergrund, Bildung der Eltern und das Geschlecht der Schüler auf die Ergebnisse. Österreich gehört zu jenen Ländern, in denen Jugendliche mit Migrationshintergrund die größten Leistungsnachteile haben. Zwar hat sich der Abstand zu Schülern, deren Eltern in Österreich geboren wurden, über die Jahre deutlich verringert (in Lesen zwischen 2000 und 2012 von 93 aus 51 Punkte, in Naturwissenschaft von 2006 bis 2012 von 90 auf 70 Punkte). Der positive Trend wurde 2015 allerdings gestoppt: In Naturwissenschaften blieb der Abstand konstant (70 Punkte), beim Lesen ist er mit 64 Punkten sogar wieder gewachsen.

In keinem anderen OECD-/EU-Land gibt es bei PISA 2015 einen derart großen Leistungsvorsprung von Buben wie in Mathematik (27 Punkte) und den Naturwissenschaften (19 Punkte). Damit ist die Differenz im Vergleich zu früheren PISA-Tests gewachsen. Beim Lesen sind die Mädchen vorne, der Vorsprung vor den Burschen ist allerdings mit 20 Punkten deutlich geringer als in der Vergangenheit. Im für die PISA-Testungen in Österreich zuständigen Bifie vermutet man, dass ein Teil der Veränderungen mit der Durchführung des Tests per Computer zusammenhängt.

Nach wie vor schneiden in Österreich außerdem die Kinder höher gebildeter Eltern bei PISA wesentlich besser ab: In allen drei Testgebieten erreichten Akademikerkinder um fast 100 Punkte mehr als Kinder von Eltern mit maximal Pflichtschulabschluss. Das entspricht etwas mehr als zwei Lernjahren.

Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) nannte die Befunde der PISA-Studie "inakzeptabel": Der Durchschnitt sei kein erstrebenswertes Ergebnis, Österreichs Ziel müsse ein Platz unter den Top-Ten der OECD-Staaten sein. Außerdem sei die Gruppe der Risikoschüler noch immer zu groß und der starke Zusammenhang von Bildungserfolg und Herkunft "erschreckend". Als Sofortmaßnahme werden ab kommendem Schuljahr in den ersten Klassen der Volksschulen Diagnose- und Förderinstrumente eingesetzt, mit deren Hilfe Lehrer leistungsschwache Schüler unterstützen sollen. Mehr Ganztagsschulen und der geplante Ausbau der Schulautonomie sollen außerdem die stark ausgeprägte Bildungsvererbung verringern. Die Oppositionsparteien forderten als Reaktion auf die PISA-Ergebnisse Reformen, die Vorschläge reichten dabei von mehr Leistungsorientierung (FPÖ) über einen nationalen Bildungsgipfel (Grüne) bis zu echter Autonomie (NEOS) und einem Bildungsscheck (Team Stronach).

Quelle: APA

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