Innenpolitik

Offener Streit in SPÖ um den roten Rebellen Max Lercher

Das Ringen um die Zukunft der SPÖ wird offenbar mit harten Bandagen ausgetragen. Laut einem Zeitungsbericht soll es einen angeblichen Beratervertrag zwischen der SPÖ und ihrem früheren Bundesgeschäftsführer Max Lercher über 20.000 Euro geben. Lercher hat sich zuletzt als Kritiker der Bundespartei in Stellung gebracht und sieht sich nun als Opfer einer Intrige.

Max Lercher. SN/apa (fohringer)
Max Lercher.

Die steirische und die burgenländische SPÖ stellen sich nach dem Bericht über einen angeblichen Beratervertrag hinter Ex-Bundesgeschäftsführer Max Lercher. Lerchers steirischer Parteichef Michael Schickhofer forderte am Wochenende "sofortige Aufklärung darüber, wer für diese Falschmeldungen verantwortlich ist". Der Verdacht, die SP-Zentrale in Wien könnte dahinter stehen, wird dort dementiert.

"Sollte diese Aktion wirklich aus der Partei gestartet worden sein, was ich mir ehrlicherweise nicht wünsche, muss es eine Aufklärung und Konsequenzen geben", sagte der burgenländische SPÖ-Geschäftsführer Roland Fürst in einer Aussendung. In diesem Fall müssten die Verantwortlichen gefunden und "im hohen Bogen aus der Partei geschmissen werden".

Sowohl die burgenländische als auch die steirische SPÖ stellten sich hinter Lercher. " Er polarisiert und macht sich damit nicht nur Freunde. Aber gezielt in der Öffentlichkeit seinen Ruf zerstören zu wollen, ist letztklassig", kritisierte der steirische SP-Chef Schickhofer. Der niederösterreichische Abgeordnete Andreas Kollross sprach via Twitter von einem "Foul an Max Lercher aus der Löwelstrasse". Landesparteichef Franz Schnabl wollte die Causa nicht kommentieren.

Die SPÖ-Zentrale wehrt sich jedoch gegen den Vorwurf, selbst hinter dem Bericht über Lercher zu stehen. "Ich weise den Vorwurf zurück, dass das aus der Löwelstraße kommt. Von der Löwelstraße geht ein einziges Signal aus: dass sie Selbstbeschäftigung ein Ende haben muss", betonte Kommunikationschef Stefan Hirsch am Sonntag auf APA-Anfrage.

SP-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch hatte beim Parteivorstand am Freitag die externen Beraterverträge der SPÖ aufgezählt und dabei auch über einen Vertrag mit Leykam-Geschäftsführer Max Lercher gesprochen. Tags darauf berichtete die Tageszeitung "Österreich" über eine "20.000 Euro Monats-Gage" für den früheren Bundesgeschäftsführer.

Lercher will Vertrag veröffentlichen

Laut dem Zeitungsbericht soll Lercher einen mit 20.000 Euro dotierten Beratervertrag mit der Bundespartei abgeschlossen haben. Wie sowohl Lercher als auch die SPÖ auf APA-Anfrage am Samstag sagten, gilt der Vertrag allerdings nicht Lercher persönlich, sondern der mehrheitlich der steirischen SPÖ gehörenden Leykam Medien AG. Deren Geschäftsführer ist Lercher seit Februar. Und in dieser Funktion habe er den Vertrag mit der Partei abgeschlossen, hieß es am Samstag.

Lercher betont, von den mit der SPÖ vereinbarten 20.000 Euro monatlich "keinen Cent" zu bekommen. "Ich verdiene 6.000 Euro brutto als Geschäftsführer bei der Leykam", sagt der SP-Politiker. Lercher - der zuletzt eine Neugründung der SPÖ angeregt hatte und als möglicher Nachfolgekandidat von SP-Chefin Pamela Rendi-Wagner gilt - glaubt, dass die Geschichte lanciert wurde, um ihm zu schaden: "Es geht darum, mich als Person zu beschädigen. Aber das wird so nicht gelingen Ich werde weiter sagen, was zu sagen ist."

Nicht bekannt ist vorerst der Inhalt des Vertrags zwischen der SPÖ und der Leykam. Lercher selbst gibt an, vertraglich zur Verschwiegenheit verpflichtet zu sein. Dass Rendi-Wagner ihn nach seiner Ablöse als SP-Bundesgeschäftsführer gebeten habe, weiterhin seine Expertise einzubringen, sei aber öffentlich bekannt. Außerdem hätten auch andere Leykam-Mitarbeiter an dem Vertrag gearbeitet: "Das ist kein persönlicher Vertrag mit Max Lercher."

"Ich bin gerne bereit, wenn ich von der Verschwiegenheit entbunden werde, dass ich den Vertrag öffentlich mache. Das müsste die Löwelstraße nur tun", betont Lercher. Die SP-Zentrale will aber keine Details nennen: "Über Vertragsinhalte geben wir grundsätzlich keine Auskunft."

JG-Vorsitzende Claudia O'Brien kritisierte am Wochenende via Facebook eine "bewusste Falschdarstellung gegenüber den Mitgliedern des Bundesvorstandes". Denn Deutsch sei der Unterschied zwischen einem Beratervertrag (mit Lercher, Anm.) und einem Leistungsvertrag (mit der von ihm geführten Firma Leykam, Anm.) wohl bekannt.

Den Vorwurf einer falschen Information an den Parteivorstand weist Hirsch, selbst ebenfalls kooptiertes Vorstandsmitglied, aber zurück. Deutsch habe in der Sitzung die Verträge mit externen Dienstleistern "sachlich und wertfrei" aufgezählt. Und auf Nachfrage eines anderen Vorstandsmitglieds habe der Bundesgeschäftsführer auch klargestellt, dass der Vertrag nicht mit Lercher persönlich, sondern mit ihm als Geschäftsführer der Firma Leykam abgeschlossen worden sei. Damit sei klar, "dass er nicht direkt Geld bekommt", betont Hirsch. Der Forderung Lerchers, den Vertrag offenzulegen, will die SPÖ weiter nicht nachkommen: Man kommentiere Vertragsinhalte nicht.

Aufgerufen am 17.01.2022 um 12:13 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/offener-streit-in-spoe-um-den-roten-rebellen-max-lercher-77975134

Kommentare

Schlagzeilen