Innenpolitik

Pannenrepublik in der Klebstoffkrise: Spott im Ausland

Es ist wie ein böser Traum, aus dem Österreich nicht aufwachen kann: Zuerst wurde die Präsidentenwahl wegen Formfehlern annulliert. Nun führen schadhafte Wahlumschläge zur Absage des Wiederholungstermins. Wie wird im Ausland berichtet?

Pannenrepublik in der Klebstoffkrise: Spott im Ausland SN/APA/GEORG HOCHMUTH

Die Pannenserie rund um die Präsidentschaftswahl beschert Österreich Häme in der Auslandspresse.

Süddeutsche Zeitung: "Entsetzlich, peinlich, traumatisch, Wahnsinn, es gibt kaum eine Negativ-Vokabel, die in Wien nicht hundertfach zu hören wäre dieser Tage, denn das Desaster will kein Ende nehmen."

Stuttgarter Zeitung: "Die Österreicher sind einigen Kummer gewöhnt. Die Nationalmannschaft dümpelt am Rande der fußballerischen Bedeutungslosigkeit. Die drei vergangenen Weltmeisterschaften konnten sich die Kicker nur vor dem heimischen Fernsehgerät ansehen, denn sie hatten sich nicht für die Endrunde qualifiziert. Die Misere des Landes scheint sich in der Politik fortzusetzen, wo das leitende Personal im Moment keine gute Figur abgibt. Schlamperei, Schlendrian, Bananenrepublik sind drei oft benutzte Bezeichnungen, um das Wirken der Wiener Regierungsmannschaft zu beschreiben."

Tageszeitung, Berlin: "Die FPÖ sieht sich wieder in der Opferrolle. Ihr Kandidat Norbert Hofer, der von der weltweiten Konjunktur zunehmender Verunsicherung und Terrorangst profitiert, verliert in den Umfragen seit einigen Tagen Terrain gegenüber dem Grünen Alexander Van der Bellen. Je später die Wahl, desto günstiger könnten die Perspektiven für den Gegner werden, fürchtet man also bei den Freiheitlichen. Daher müsse eine Intrige des "Systems" dahinterstecken."

Tagesspiegel, Berlin: "Österreich in der Klebstoffkrise."

Berliner Morgenpost: "Pannenrepublik Österreich."

Neue Zürcher Zeitung: "Die Bevölkerung reagiert mit Fassungslosigkeit und Zynismus auf das Fiasko um eine Wahl, die sich für die Republik zum Albtraum entwickelt. In den sozialen Netzwerken wird vorgeschlagen, das seit Juli verwaiste Amt doch gleich ganz abzuschaffen, das Los entscheiden zu lassen oder den Demokratieversuch abzubrechen und zur Monarchie zurückzukehren."

Frankfurter Rundschau: "Die Frage muss allmählich ernsthaft diskutiert werden: Braucht Österreich internationale Wahlbeobachter?"

Tagesanzeiger, Zürich: "Die jüngste Verschwörungstheorie Straches und Hofers wird von ihren Anhängern dankbar aufgenommen. Sie fühlen sich als Opfer eines "Systems", das Hofer als Präsident mit allen Mitteln verhindern wolle."

El Pais, Madrid: "Neuer Schlag für das internationale Ansehen Österreichs. Die Präsidentschaftswahlen vom vergangenen Mai waren wegen Unregelmäßigkeiten bei der Stimmenauszählung annulliert worden. Jetzt nötigt ein technischer Fehler die Regierung einen Urnengang auf 4. Dezember zu verschieben, der außerhalb des Landes eine unüblich hohe Aufmerksamkeit erregt hatte. Einmal wegen des höchst knappen Resultats, vor allem aber wegen der Möglichkeit, dass ein Rechtsextremer erstmals in der modernen Geschichte Österreichs die Staatsspitze erklimmen könnte. Die kafkaeske Situation, in der sich das Land befindet, erlaubt es dem ultrarechten Hofer zu insinuieren, dass hinter der Verschiebung politische Motive stecken."

The Guardian, London: "Die (Wahl-)Verschiebung ist äußerst peinlich für Österreich und die Regierung von Kanzler Christian Kern. Österreich ist seit 8. Juli, als Heinz Fischer abtrat, ohne Präsident."

Le Monde, Paris: "Der Innenminister hat keinen Versuch unternommen, seine absolute Hilflosigkeit angesichts dieses für die Europäische Union beispiellosen Chaos zu verstecken. (...) Die Ereignisse bringen Österreich in eine besorgniserregende und nie da gewesene Lage, und das angesichts der Bedrohung, dass erstmals seit 1945 in Europa ein Präsident der extremen Rechten gewählt werden könne. (...) Der österreichische Präsident, wer immer es wird, wird schlecht gewählt worden sein, unter unglaublichen Bedingungen. Die demokratische Legitimität eines Landes wird geschwächt, dass einst eines der stabilsten des Kontinents war und nun polarisiert ist zwischen einem konservativ-nationalistischen Lager und dem der Sozialliberalen."

Quelle: SN

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