Innenpolitik

Parlament plädierte für Nachbesserungen bei Zentralmatura

Breite Unterstützung für Nachschärfungen bei der Zentralmatura gibt es im Nationalrat. Bei einer für parlamentarische Verhältnisse ungewohnt konstruktiven Debatte über einen NEOS-Antrag zur Reform der Zentralmatura plädierten die Abgeordneten quer durch die Parteien für Verbesserungen nach den Pannenserien der vergangenen Jahre. Ein Entschließungsantrag der Koalition wurde einstimmig angenommen.

Zentralmatura ist durch 5er-Debakel in Mathematik in aller Munde SN/APA/HANS KLAUS TECHT
Zentralmatura ist durch 5er-Debakel in Mathematik in aller Munde

ÖVP und FPÖ brachten einen Entschließungsantrag ein, in dem Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) ersucht wird, die Zentralmatura einer Analyse zu unterziehen und Maßnahmen zu entwickeln, dass bei der Zentralmatura Besonderheiten der Schularten und der Praxistauglichkeit der Prüfungsaufgaben sichergestellt werden. Besonderes Augenmerk soll dabei auf Mathematik gelegt werden, wo es heuer wegen der komplizierten und textlastigen Fragestellungen besonders viele negative Beurteilungen gab.

Die NEOS hatten zum Thema im Nationalrat einen Dringlichen Antrag eingebracht. Künftig soll sich der zentrale Teil auf jene Fächer beschränken, die zur allgemeinen Hochschulreife führen, so die Forderung, also auf Deutsch, Mathematik und Englisch. Die Ergebnisse sollen extern beurteilt werden.

Bildungsminister Faßmann (ÖVP) zeigte sich im Nationalrat höchst wohlwollend gegenüber den Wünschen der NEOS zu einer Reform der Zentralmatura. "Ich bin durchaus fürs Nachschärfen", betonte er. Eine entsprechende Arbeitsgruppe habe er bereits eingesetzt, Reformvorschläge nehme er ernst. "Ich habe die Optimierung selbst angekündigt", so Faßmann.

Es gebe vier Punkte, die ihm aufgefallen seien, meinte der Minister: Die Texte und Aufgabenstellungen bei der Mathematikmatura seien "oft lang und episch breit". Weiters sollte man sich das Bewertungsschema und die geforderten Grundkompetenzen ansehen. Und generell gelte es zu überlegen, ob man die Matura an die jeweiligen Schultypen besser anpassen könne. Distanziert zeigte er sich gegenüber dem NEOS-Vorschlag zum Abschlanken der Fächer. Man brauche hier das Gegenüber der Unis, und dort sei etwa Latein in manchen Fächern wichtig.

Insgesamt sei die standardisierte Reifeprüfung inzwischen sehr gut organisiert. Zu danken sei hier seinen Vorgängerinnen und seinem Ministerium, so Faßmann.

Die Idee der Zentralmatura sei grundsätzlich eine gute Idee, meinte ÖVP-Bildungssprecher Rudolf Taschner. Sie sei allerdings eine "Spielwiese" für selbst ernannte Bildungsexperten geworden. Taschner beklagte vor allem das mangelnde Mathematik-Wissen vieler angehender Studenten. FPÖ-Bildungssprecher Wendelin Mölzer erklärte, dass sich die Regierung zur Zentralmatura bekenne, man sich aber die Durchführungsbestimmungen und Beurteilungskriterien anschauen werde.

SPÖ-Bildungssprecherin und Ex-Bildungsministerin Sonja Hammerschmid wies darauf hin, dass das Projekt noch jung sei und im Vollausbau erst drei Jahrgänge die Zentralmatura absolviert hätten. "Evaluieren, nachschärfen, noch besser werden" sei aber grundsätzlich unterstützenswert. Hammerschmid sagte, dass man bei einer Reform auch darüber nachdenken sollte, die Jahresnoten in die Matura-Beurteilung einfließen zu lassen. In Bayern sei dies etwa der Fall. Das wäre eine Möglichkeit, um punktuelle Tagesverfassungen ausmerzen zu können. NEOS-Abgeordnete Claudia Gamon plädierte für eine "teil-zentrale Matura". Liste Pilz-Mandatarin Stephanie Cox argumentierte ebenfalls für Nachschärfungen bei der Reifeprüfung.

Keine Mehrheit fand der Dringliche Antrag der NEOS für eine Reform der Zentralmatura. Lediglich die Liste Pilz ging bei diesem mit. Der Harmonie im Plenum in dieser Frage tat dies aber keinen Abbruch: Der Entschließungsantrag der Koalition, der ebenfalls auf Verbesserungen bei der Reifeprüfung abzielt, wurde einstimmig angenommen.

Quelle: APA

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