Innenpolitik

Pflegebedarf steigt massiv - Regionale Info-Stellen nötig

Eine aktuelle Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO zur Pflegevorsorge in den Gemeinden sieht Nachholbedarf bei der Koordination zwischen Bund, Ländern und Gemeinden. Die Experten raten zu regionalen Pflegeinformationsstellen. Als zentrale Herausforderungen im Pflegebereich sieht das WIFO zudem wenig überraschend Finanzierung und Personal.

Ulrike Famira-Mühlberger präsentierte die Studie SN/APA/HELMUT FOHRINGER
Ulrike Famira-Mühlberger präsentierte die Studie

Die Studie wurde im Auftrag des größten privaten Pflegeheimbetreibers SeneCura in Kooperation mit dem Gemeindebund erstellt und am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien vorgestellt. Der Untersuchung zufolge wird bis 2050 in allen Bundesländern die Anzahl der sogenannten hochaltrigen Personen ab 85 Jahren um das Zweieinhalb- bis Dreifache steigen, wenn auch die Entwicklung regional unterschiedlich ist. Die Nachfrage nach Pflegedienstleistungen wird also enorm zunehmen. Die Gesamtausgaben für Pflege- und Betreuungsdienste werden laut den Projektionen des WIFO bis 2030 um 77 Prozent steigen. Die Stärkung mobiler Dienste könne den Kostenpfad etwas dämpfen, aber aufgrund der demografischen Entwicklung sei der Ausbau stationärer Einrichtungen unerlässlich, befand Studienleiterin Ulrike Famira-Mühlberger.

Aus Sicht der befragten Gemeinden (649 und damit 31 Prozent der heimischen Gemeinden haben den entsprechenden Fragebogen ausgefüllt) besteht hoher Nachholbedarf bei der Koordination der Pflege: Einerseits eine systematische Herangehensweise, um Informationen über den gegenwärtigen und künftigen Pflegebedarf der lokalen Bevölkerung zu erheben, andererseits, um den Bürgern kompetente wohnortnahe Information und Beratung bieten zu können. Als Lösung können sich die Gemeinden regionale Pflegeinformationsstellen vorstellen. "Zum einen brauchen die Pflegebedürftigen und ihre Familien auf regionaler Ebene eine Ansprechperson, die über die Pflegeunterstützungsmöglichkeiten in einer Region Bescheid weiß. Zum anderen kann die Information über die regionalen Pflegebedürfnisse verwendet werden, um das Angebot an Pflegedienstleistungen dementsprechend anzupassen", meinte Famira-Mühlberger.

Man müsse auf die wohnortnahe Organisation der Pflege fokussieren, bekräftigte Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl (ÖVP), eine systematische Herangehensweise bei Information und Planung sei unerlässlich. Die Informations- und Beratungsaufgabe könne nicht, wie jetzt häufig der Fall, auf die Gemeinden abgewälzt werden. Er könnte sich vorstellen, dass es zum Beispiel in den Gemeinden Ansprechpartner gibt und eine Informationsstelle auf Bezirksebene. Der größte private Pflegeheimbetreiber SeneCura bietet sich hier selbst an: Man könne einen Betrag leisten und in Zukunft vielleicht Aufgaben offiziell übernehmen, die man jetzt informell mitmache, meinte Markus Schwarz von der SeneCura Gruppe.

Als zentrale Herausforderungen im Pflegebereich sieht das WIFO wenig überraschend Finanzierung und Personal. Finanzierungs- und Aufgabenverantwortung sind derzeit zwischen unterschiedlichen Gebietskörperschaften verteilt - zumeist ohne gemeinsame Steuerung, sodass es laut den Experten zu Fehlanreizen und Ineffizienzen kommt.

Riedl forderte einmal mehr Klarheit über die langfristige Finanzierung des Pflegesystems, auch sollten die Gemeinden bei Bund-Länder-Vereinbarungen mitreden dürfen. Der Gemeindebund wird auch bei der von Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne) angekündigten Task Force aktiv sein. Man unterstütze etwa Pläne der Regierung, für pflegende Angehörige einen Pflege-Daheim-Bonus oder einen pflegefreien Tag pro Monat einzuführen.

Ein Sorgenkind des Pflegebereichs ist es auch, ausreichend Personal zu finden. Hier sei es essenziell, die Arbeitsbedingungen zu verbessern - "im weitesten Sinn des Wortes", erklärte Wifo-Chef Christoph Badelt. Es sei also nicht nur eine Geldfrage.

Quelle: APA

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