Pilz-Rücktritt: Sexismus-Debatte erreicht neuen Höhepunkt

Pilz-Rücktritt: Sexismus-Debatte erreicht neuen Höhepunkt

Nicht einmal drei Wochen nach dem überraschenden Wahlerfolg der Liste Peter Pilz bei der Parlamentswahl gab der Ex-Grüne bekannt, dass er sein Nationalratsmandat nicht annehmen werde. Zu Fall brachten ihn Vorwürfe der sexuellen Belästigung. Die seit Wochen andauernde Debatte um sexuelle Belästigung hat in Österreich damit einen Höhepunkt erreicht.

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Einen Monat nach der Wahl sind die Österreicher mit ihrer Entscheidung zufrieden. Nur sechs Prozent geben in einer Umfrage von Unique research für das "profil" an, sich falsch entschieden zu haben.

Der ehemalige VKI-Konsumentenschützer und Polit-Neuling Peter Kolba wird fürs Erste die Liste Pilz im Nationalrat anführen. Er sei in der konstituierenden Sitzung des neuen Parlamentsklubs zum interimistischen Klubobmann gewählt worden, sagte Kolba selbst am Mittwoch zur APA. Als interimistische Stellvertreter seien Stephanie Cox, Daniela Holzinger und Wolfgang Zinggl gewählt worden.

Im Zusammenhang mit den Vorwürfen der sexuellen Belästigung gegen den ehemaligen grünen Politiker und Liste Pilz-Gründer Peter Pilz gibt es laut der Wochenzeitung "Falter" neue Verdachtsfälle. Es gebe weitere Frauen, die Pilz sexuelle Grenzüberschreitung vorwerfen. Pilz entschuldigte sich am Dienstagabend via Facebook bei den betroffenen Frauen.

Trotz des Rückzugs von Listengründer Peter Pilz muss sich dessen Klub vor der Angelobung im Nationalrat am Donnerstag konstituieren. Die Entscheidung über die Aufstellung soll eine Sitzung am Mittwoch bringen, teilte Mandatar Bruno Rossmann der APA mit. Wer Klubvorsitzender wird, stehe noch nicht fest. Pilz hatte nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung angekündigt, sein Mandat nicht anzunehmen.

Pilz nimmt sein Mandat nicht an.

Endet ein Flirt an der Bar bald vor Gericht und sind Komplimente von Männern an Frauen bald nicht mehr möglich? Zeit, mit ein paar Missverständnissen aufzuräumen, meint Karin Zauner.

Nach dem Rückzug von Parteigründer Peter Pilz wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung sind weiterhin einige Fragen offen, was seine Liste Pilz betrifft. In einer Sitzung am Sonntag wurden Modelle erarbeitet, wer nun den Klubvorsitz übernehmen könnte, sagte Mandatar Wolfgang Zinggl der APA. Der Partei-Name bleibt vorerst noch kommende Woche. Am Donnerstag konstituiert sich der neue Nationalrat.

Verhandlungsrunde ohne Medien

In einer Pressekonferenz erklärt Peter Pilz am Samstag seinen Rücktritt.

Auch die Wirtschaft reagiert bereits.

Die Landessprecherin der oberösterreichischen Grünen, Maria Buchmayr, will den Modus der Grünen Listenerstellung überdenken: Durch den extrem basisdemokratischen Ansatz werde zu viel Energie für einen internen Wahlkampf gebunden und es komme zu Verletzungen im zwischenmenschlichen Bereich. Das würde die Partei später schwächen, sagte sie im Interview mit dem "Kurier" (Sonntag-Ausgabe).

Das Internet ermöglicht nahezu weltweit umspannende Aktionen wie #MeToo. SN-Kolumnist Viktor Hermann zeigt aber auch die andere Seite von sozialen Medien auf und warnt vor öffentlichen Hinrichtungen auf Facebook und Co.

Für SN-Redakteurin Karin Zauner geht es in der aktuellen Sexismusdebatte nicht um Aufschrei, sondern um die nüchterne Feststellung eines untragbaren Ist-Zustands.

Die künftigen Abgeordneten der Liste Pilz stehen hinter dem Parteigründer.

Vorwürfe gibt es auch gegen andere Politiker.