Innenpolitik

Private Versicherungen wollen Direktabrechnung mit Ärzten

Zwei private Versicherungsunternehmen wollen Behandlungskosten künftig direkt mit den Ärzten abrechnen. Bisher müssen privat versicherte Patienten ihre Wahlarzt-Rechnungen in der Regel vorstrecken und erhalten das Geld dann im Nachhinein von der Versicherung ersetzt. Wie die "Presse" berichtet, arbeiten UNIQA und die Merkur nun an einem Netz von Vertragsärzten.

UNIQA und die Merkur arbeiten an einem Netz von Vertragsärzten SN/APA/dpa/Frank Rumpenhorst
UNIQA und die Merkur arbeiten an einem Netz von Vertragsärzten

Die Ärztekammer bestätigte der APA am Mittwoch, dass die Direktverrechnung der Kosten mit Privatversicherungen bisher nicht üblich ist - anders als bei den Kassenärzten. Sie rechnen ihre Tarife direkt mit den Sozialversicherungen ab. "Die Direktverrechnung wäre schon ein Unterschied zur bisherigen Praxis", sagte ein Sprecher der Kammer auf Anfrage. Derzeit werde ein entsprechender Vertragsentwurf von der Kammer geprüft.

Nicht festlegen wollte sich die Ärztekammer, ob die laut Bericht von der Merkur Versicherung geforderte Exklusivitäts-Klausel zulässig ist. Hier müsse man die Details prüfen. Laut Bericht sollen sich die (nach eigenen Angaben bisher 250) Vertragsärzte der Merkur Versicherung nämlich verpflichten, keinen gleichen oder ähnliche Vertrag mit einer anderen privaten Krankenversicherung abzuschließen.

Direkt abgerechnet werden soll demnach ein vordefinierter Leistungskatalog - u.a. EKG, Infusionen, Sonografie und Blutuntersuchungen. Darüber hinaus gehende Untersuchungen müssten weiterhin vom Patienten vorfinanziert und danach bei der Versicherung eingereicht werden.

Die Wiener Ärztekammer rät niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten dringend davon ab, Partnerarzt-Vorschläge der Versicherungen zu unterzeichnen. Präsident Thomas Szekeres und sein Vizepräsident Johannes Steinhart sprachen am Mittwoch in einer Aussendung von einer "Mogelpackung". Für die Ärzte bringe das System mehr Bürokratie, keine garantierte Direktverrechnung und nicht verhandelbare Tarife.

Szekeres kritisierte, dass Uniqa und Merkur ihre Honorare einseitig festsetzen wollen, anstatt die Direktverrechnungshonorare wie üblich mit der Ärztekammer zu verhandeln. Für die Ärzte gebe es keine Möglichkeit der Preisgestaltung - eine zusätzliche Verrechnung an Sozialversicherungen oder Patienten sei unzulässig. Außerdem sei die Direktverrechnung mit den Versicherungen nicht garantiert, weil sie vom Tarif des jeweiligen Versicherten abhänge. Zudem drohe mehr Bürokratie bei der Abwicklung der Rechnungen.

"Ist der Patient nicht ausreichend versichert oder lehnt die Versicherung aus anderen Gründen, zum Beispiel wegen mangelnder Versicherungsdeckung, die Zahlung ab, müssten die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte erst recht wieder vom Patienten ein Honorar verlangen oder sich mit der Privatversicherung herumstreiten", warnt Szekeres. Steinhart kritisiert außerdem, dass aus den derzeit vorliegenden Unterlagen keine Zusatzhonorare für zusätzliche Leistungen hervorgehen - etwa für telefonische und Videokonsultationen an Wochenenden oder nachts.

Steinhart fordert eine "Stärkung des solidarischen Gesundheitssystems". Das stehe nicht unbedingt im Widerspruch zum Wahlarztsystem: "Skeptisch sind wir nur, sollte mit dem Vorstoß der privaten Krankenversicherer eine Art Monopol entstehen, denn das ginge in jedem Fall zulasten der Kolleginnen und Kollegen sowie der Patienten."

Österreichische private Krankenversicherungsunternehmen verweisen indes in der Diskussion um die Direktabrechnung mit Ärzten auf die ergänzende Funktion der privaten Versicherung. Aus der UNIQA heißt es, Ziel sei den Service für die Kunden innerhalb des bewährten österreichischen Gesundheitssystems zu verbessern und nicht damit zu konkurrieren.

Die Wiener Städtische betont, dass man in Österreich ein im internationalen Vergleich gut funktionierendes Gesundheitssystem habe. "Die private Krankenversicherung baut darauf auf und ist eine wertvolle Ergänzung zum öffentlichen Gesundheitswesen", so Wiener-Städtische Pressesprecher Christian Kreuzer zur APA.

Auch seitens der Liste Pilz kommt scharfe Kritik an den Plänen der privaten Krankenversicherungen. "Vor dem Hintergrund dieser Pläne machen die ganzen sinnlosen Angriffe der Regierung auf das gute österreichische Sozial- und Krankenversicherungssystem Sinn. Die Krankenversicherung soll offenbar privatisiert werden", kritisierte Sozialsprecherin Daniela Holzinger in einer Aussendung.

Holzinger erinnerte daran, dass auch Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP, Ex-UNIQA-Chef) aus der privaten Versicherungswirtschaft komme. "Die Gesundheits- und Sozialministerin setzt die Sparvorgaben des Finanzministers um. Und der hat ganz offensichtlich im Sinn, die öffentliche und allgemeine Sozialversicherung so lange finanziell auszuhungern, bis sich jede und jeder überlegen muss, sich nur mehr privat zu versichern", mutmaßt Holzinger. Qualitativ hochwertige Versorgung gebe es dann nur noch für jene, die es sich leisten können.

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