Innenpolitik

Rechtsextreme "Europäische Aktion" im Visier der Justiz

Bei der Staatsanwaltschaft Wien ist seit längerem ein Ermittlungsverfahren gegen den heimischen Ableger der neonazistischen "Europäischen Aktion" anhängig. Mit Hans B., dem "Landesleiter für Österreich", sitzt der mutmaßliche Kopf der rechtsextremen Gruppierung seit über 13 Monaten in U-Haft. Er soll gemeinsam mit Mitstreitern letztlich den Anschluss an ein Großdeutsches Reich angestrebt haben.

Neonazis wollten Demokratie beseitigen SN/APA (Symbolbild/dpa)/A3430 Bernd
Neonazis wollten Demokratie beseitigen

Die Ermittlungen laufen in Richtung nationalsozialistischer Wiederbetätigung, u.a. im Sinne des Paragrafen 3a Verbotsgesetz - dafür sieht das Gesetz Freiheitsstrafen zwischen zehn und 20 Jahren, bei besonderer Gefährlichkeit lebenslange Haft vor -, staatsfeindlicher Verbindungen (Paragraf 246 Strafgesetzbuch) und Verhetzung. Vor dem möglichen "Anschluss soll B. die Beseitigung der Bundesregierung und das Installieren einer neuen "Reichsregierung" verfolgt haben.

Mehrere Haftbeschwerden und zuletzt eine Grundrechtsbeschwerde des bereits am 22. Dezember 2016 inhaftierten "Landesleiters" wurden vom Wiener Oberlandesgericht (OLG) bzw. dem Obersten Gerichtshof (OGH) zurückgewiesen. Wie der Sprecher des Landesgerichts für Strafsachen, Thomas Spreitzer, auf APA-Anfrage mitteilte, ist die über Hans B. verhängte U-Haft bis zum 16. März rechtswirksam.

Insgesamt richten sich die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen acht Beschuldigte. Die ursprünglich vom Schweizer Holocaust-Leugner Bernhard Schaub gegründete "Europäische Aktion" war in mehreren europäischen Ländern, vor allem aber im deutschsprachigen Raum aktiv. Die Wiener Anklagebehörde geht - beruhend auf Erkenntnissen des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT ) - davon aus, dass es den Verdächtigen darauf an kam, die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit der Republik Österreich zu untergraben und die öffentliche Ruhe zu stören.

Allein der vorläufige Abschlussbericht des BVT umfasst 14 Bände, wobei sich die Beweisergebnisse auf eine umfangreiche und länderübergreifende Überwachung des Telekommunikationsverkehrs und Observationen der Verdächtigen stützen. B. dürfte zumindest seit September 2012 als "Landesleiter" der staatsfeindlichen Gruppierung fungiert und sich als solcher die Beseitigung der demokratischen Rechtsordnung an die Fahnen geheftet haben, indem er zunächst Mitstreiter rekrutierte und ein "Europa-Fest" für Gleichgesinnte aus dem In- und Ausland ausrichtete.

Bei diesem Zusammentreffen der "Europäischen Aktion" wurden nationalsozialistische und radikal ausländerfeindliche Thesen vertreten. Diese propagierte B. auch in einem im August 2014 erschienen Interview mit dem Magazin "Vice", wo er sich für eine "Rückführung aller Außerkontinentalen" aussprach. Zitat: "Da müssen auch die Ehepartner und Kinder mit. Aber wir sind keine Unmenschen. Wir würden das geregelt machen und wir werden denen dort, wohin sie zurückzuführen sind, helfen, ihre Existenz aufzubauen. Und zwar mit dem Geld, das jetzt hier für die Umvolkung verwendet wird." Auch den Völkermord im Dritten Reich zweifelte B. bei dieser Gelegenheit an ("Judäa hat als erstes Deutschland den Krieg erklärt").

Die "Europäische Aktion" unterhielt Verbindungen zu gewaltbereiten rechten Gruppierungen, etwa dem Verein "Stahlsau eV" im ostdeutschen Thüringen. Zum Aufbau einer bewaffneten "Europäischen Befreiungsarmee" sollten theoretische und praktische Ausbildungslager in Ungarn stattfinden. Zwei Tage vor seiner Festnahme sprach sich Hans B. in einer E-Mail explizit für Gewalt gegen amtierende Politiker aus.

(APA)

Aufgerufen am 23.02.2018 um 05:19 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/rechtsextreme-europaeische-aktion-im-visier-der-justiz-23985538

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