Innenpolitik

Hofburg-Kandidaten wollen sich direkt vom Volk wählen lassen

Asyl, Militärmusik, Uni-Rankings: Diese Themen bewegen junge Wählerinnen und Wähler. Drei Kandidaten standen ihnen Rede und Antwort.

Drei nutzten die Chance: Die parteilose Irmgard Griss, Andreas Khol (ÖVP) und Alexander Van der Bellen, Kandidat der Grünen, stellten sich am Dienstagnachmittag zwei Stunden lang den durchaus kritischen Fragen junger Wählerinnen und Wähler im voll besetzten Saal der Salzburger Nachrichten. SPÖ-Kandidat Rudolf Hundstorfer und FPÖ-Kandidat Norbert Hofer ließen sich entschuldigen.

SN-Chefredakteur Manfred Perterer und Thomas Gefahrt, Mitveranstalter und Vorsitzender des Landesjugendbeirats, leiteten die Diskussion. Die erste Frage war, ob das Amt des Bundespräsidenten denn noch notwendig sei. Hier waren sich die drei auf dem Podium einig und sprachen sich dafür aus - mit Verweis auf die Wichtigkeit des Amtes. Auch an der Volkswahl würden Griss, Khol und Van der Bellen festhalten. Letzterer meinte dazu: "Die Bundesversammlung würde mich nie wählen."

Ein Vertreter der Salzburger Landjugend stellte fest, dass die Bevölkerung nicht zufrieden sei mit der Arbeit der Regierung, und wollte wissen, was die Kandidaten dagegen tun würden. Irmgard Griss sagte, sie würde die Regierung zum Gespräch bitten "und sagen, wie groß die Unzufriedenheit ist". Sie verstehe, dass die Menschen dieses Gefühl hätten "bei dem Hickhack zwischen den Parteien". Auch Andreas Khol sagte, die Regierung habe viele Dinge nicht gut gemacht. Als Beispiel nannte er die Flüchtlingssituation. Als Bundespräsident hätte er das Thema schon früher aufgegriffen, "die Regierung zu mir geholt und gefragt: ,Was machen wir?'" Van der Bellen sagte: "Wenn ich Bundespräsident wäre, stünde die Regierung erst mal unter Schock." Er würde sie zu Kaffee oder einem Glas Wein bitten und fragen, was auf dem Programm stünde, um einen gemeinsamen Weg zu finden.

Khol: "Melden Sie sich, tun Sie etwas"

Eine Bundesjugendvertreterin wollte wissen, wie die Kandidaten junge Wählerinnen und Wähler in die Politik mit einbeziehen würden.

Für Van der Bellen ist es "ein Privileg, mit jungen Menschen zu tun zu haben". Er forderte die Anwesenden auf: "Melden Sie sich, tun Sie etwas." Khol verwies auf die Wichtigkeit, dass junge Menschen zu Wort kommen, und den Pensionsgipfel, bei dem Vertreter der Jungen in der Kommission säßen.

Griss wiederum würde jedes Jahr zum Nationalfeiertag ein Symposium für die Jungen veranstalten und Themen behandeln, die für diese wichtig seien.

Wie stehen die Kandidaten zum Thema Asyl?

Ein junger Lehrling wollte wissen, wie Griss, Khol und Van der Bellen zum Thema Asyl stünden. Griss betonte, dass man hier schon viel früher hätte reagieren müssen, um Lösungen zu finden, aber auch, um die Grenzen zu schützen und Kontrollen einzuführen.

Khol sagte, das Thema Asyl werde Österreich in den nächsten fünf bis zehn Jahren beschäftigen. Man hätte schon früher darauf hinarbeiten müssen, auf Maximalpositionen zu verzichten - also die Grenzen zu schließen oder alle Flüchtlinge aufzunehmen. Nun habe die Regierung die Aufnahme von 37.500 Menschen beschlossen. Als Bundespräsident würde er seine Kontakte zu anderen Ländern Europas nutzen und diese in die Verantwortung nehmen, damit auch sie Flüchtlinge aufnehmen.

Van der Bellen betonte, dass die Hälfte der syrischen Bevölkerung auf der Flucht sei, davon wiederum sei die Hälfte im Land unterwegs, die andere Hälfte vor allem in Lagern außerhalb. Menschen, die ihre Kinder nicht mehr ordentlich ernähren könnten, würden sich auf den Weg machen. "Der Bundespräsident kann den Krieg nicht beenden", sagte er weiter. Es könne aber nicht egal sein, was mit den Menschen passiere. Er habe gedacht, "Menschen in Not zu helfen ist eine Pflicht". Er betonte zudem, dass Asylbewerber oft monatelang auf das Erstgespräch warten müssten.

Die Kandidaten stellten sich aber noch weiteren Fragen: So wollte eine Gymnasiastin wissen, wie die Kandidaten Protestwähler für sich gewinnen wollten, die bisher die FPÖ gewählt hatten. Eine Schulsprecherin interessierte sich dafür, ob die Kandidaten jede Regierungskonstellation angeloben würden, und ein Lehrling fragte, wie es bei den Kandidaten um die Militärmusik bestellt wäre. Und ein Schülervertreter wollte wissen, welche Bedeutung Uni-Rankings tatsächlich hätten.

Wen sie zum Opernball mitnehmen würden?

SN-Chefredakteur Perterer stellte den Kandidaten auch Fragen der SN-Leser: etwa, ob sie dafür wären, dass sich künftige Minister einem Hearing stellen müssten. Das begrüßten alle Kandidaten. Auch die Frage, ob sie im Falle einer Wahl ihre Mitgliedschaft bei einer Partei ruhend stellen würden, beantworteten Khol und Van der Bellen mit Ja. Für die parteifreie Irmgard Griss stellt sich die Frage nicht. Einig waren sich die Kandidaten bei der Frage nach der Neutralität Österreichs: Daran sei nicht zu rütteln. Auch an die Verlängerung des Wehrdienstes denkt keiner der drei.

Und mit wem würden sie zum Opernball gehen? Griss würde jemanden wählen, der "Mut und Zivilcourage" besitzt - Eigenschaften, die "wir dringend brauchen". Khol würde Robert Palfrader und Florian Scheuba mitnehmen und Van der Bellen stellte die Gegenfrage: "Man müsste erst klären, ob es Belohnung oder Strafe ist, auf den Ball zu gehen."

Aufgerufen am 17.11.2018 um 07:42 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/salzburger-jungwaehler-grillten-die-hofburg-kandidaten-1699978

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