Innenpolitik

Schlepperbericht: Ukrainekrieg befeuert kriminelles Geschäft

Mehr als 41.000 Menschen kamen 2021 illegal nach Österreich - so viel wie schon lange nicht. Die Zahl an festgenommenen Schleppern ist deutlich gestiegen.

In diesen Lkw pferchten Schlepper 19 Flüchtlinge.  SN/APA/MONATSREVUE/THOMAS LENGER
In diesen Lkw pferchten Schlepper 19 Flüchtlinge.

Dass Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) den Schleppereibericht 2021 just am Weltflüchtlingstag präsentierte, sei kein Zufall: "Schließlich wickeln diese mafiösen Banden ihre miesen Milliardengeschäfte auf dem Rücken der Flüchtlinge ab", betonte Karner am Montag. 441 Schlepper wurden dem Bericht zufolge im Vorjahr festgenommen. "Die meisten haben hohe Haftstrafen erhalten", fügte Gerald Tatzgern hinzu, der seit 1. Dezember die neu geschaffene Abteilung für Schleppereibekämpfung im Bundeskriminalamt leitet.

Zum Vergleich: 2020 - ein Jahr, das geprägt war von Lockdowns, die immer wieder Grenzschließungen nach sich zogen - erwischte man 311 Schlepper. Heuer waren es bis Ende Mai bereits mehr als 200. Von 41.612 Menschen, die im Vorjahr illegal nach Österreich einreisten (2020: 21.641), kamen 15.941 mittels eines Schleppers (2020: 4832), dem sie Pro-Kopf-Summen von bis zu 5000 Euro bezahlten. Ein Großteil davon waren Geflüchtete aus Syrien (12.276) und Afghanistan (6239).

"2021 ist der dritthöchste Wert an Aufgriffen"

Auch bei den Schleppern selbst, die zu 95 Prozent Männer sind, hat Syrien mit 80 Tatverdächtigen die Nase vorn. Es folgen Rumänien (48), die Türkei (47) und Österreich (44). "2021 ist der dritthöchste Wert an Aufgriffen. Es ist ein sehr, sehr hoher Wert", erklärte Tatzgern. Nur 2015 und 2016, als sich Millionen kriegsvertriebene Syrer auf den Weg nach Europa machten, waren es mehr. Was die Vorjahreszahl angeht, so "ist damit zu rechnen, dass sie 2022 deutlich steigt", schätzt Tatzgern. Innenminister Karner wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Schlepper derzeit "ganz gezielt Werbung" für Europa machen. Durch den Krieg in der Ukraine werde suggeriert, "Europa sei im Moment offen". Brennpunkt von illegaler Migration nach Österreich ist das Nordburgenland. "86 Prozent der insgesamt Aufgegriffenen wollen via Ungarn nach Österreich", sagt Gerald Tatzgern.

Von jenen 25.230 Personen, die ohne Schlepper illegal nach Österreich einreisten (2020: 16.498), wurden allein in den Bezirken Oberpullendorf und Neusiedl am See 13.017 Personen aufgegriffen.

Bereits am Wochenende hatte Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) vor einer Zuspitzung der Flüchtlingssituation an der Grenze zu Ungarn gewarnt. Die Aufgriffe würden seit Wochen steigen. Das bestätigt auch Heeressprecher Michael Bauer. Das Bundesheer leistet Assistenzeinsatz. "In der vergangenen Woche waren es am Grenzübergang Nickels dorf 1340 Aufgriffe - in der selben Woche des Vorjahres waren es 187." In Nickelsdorf wurde laut Doskozil zur Unterstützung der Polizei eine temporäre Flüchtlingsbetreuung durch das Rote Kreuz eingerichtet. Dort seien seit Sonntagmittag mehr als 250 Asylsuchende registriert und betreut worden.

Die Einsatzkräfte an der Grenze seien überlastet, übte Doskozil Kritik am zuständigen Innenminister. Dieser äußerte am Montag "Verständnis für die Situation im Burgenland" und versprach, sich der Problematik rasch anzunehmen. In welcher Form, sagte Karner nicht.

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