Innenpolitik

Schulen können selbst über Klassengrößen entscheiden

Die Schulen sollen künftig selbst über Klassen- und Gruppengrößen sowie die Dauer der Unterrichtseinheiten entscheiden. Zentrale Verwaltungseinheiten sollen "Schulcluster" werden, zu denen sich bis zu acht Schulen zusammenschließen können. Das sehen die am Dienstag präsentierten Eckpunkte zum sogenannten "Autonomiepaket" im Zuge der Bildungsreform vor. Das Paket soll kostenneutral sein.

Schulen können selbst über Klassengrößen entscheiden SN/APA/HERBERT PFARRHOFER
Schulen sollen über Klassengrößen selbst entscheiden dürfen (Symbolbild).

Die größten Auswirkungen auf den täglichen Ablauf an den Schulen hat vermutlich die Freigabe der Gruppengrößen und der Dauer der Unterrichtseinheiten. Die Schulen erhalten zwar die gleichen Ressourcen wie bisher - die Klassenschülerhöchstzahl bzw. die 50-Minuten-Stunden bleiben aber nur Verrechnungsgrößen für die Mittel- bzw. Personalzuteilung. Die Aufteilung übernimmt der jeweilige Direktor bzw. Clusterleiter.

So soll es etwa möglich sein, dass je nach Ausrichtung der Schule bestimmte Fächer in größeren Gruppen unterrichtet werden, wenn es in anderen kleinere gibt. Oder Schulen sollen temporär für alle Parallelklassen zusammen eine Art Vorlesungsbetrieb einführen können, wenn etwa in der Woche darauf in Kleingruppen gearbeitet wird.

Die Möglichkeit des Zusammenschlusses zu "Schulclustern" begründete Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) mit den vielen kleinen Standorten. So hätten etwa 77 Prozent aller Pflichtschulen weniger als 200 Schüler - dementsprechend unflexibel ist der Personaleinsatz, Lehrer müssten oft mehrere Fächer abdecken, auch wenn sie für diese nicht ausgebildet sind.

Künftig sollen sich bis zu acht Schulen, die im Regelfall in ein bis drei Gemeinden liegen, zu Clustern zusammenschließen können. "Es gibt aber keine Clusterpflicht", so Hammerschmid. In der Praxis werde sich das vor allem im Pflichtschulbereich auswirken - die Bundesschulen (AHS/BMHS) seien im Regelfall wesentlich größer. Die Entscheidung über die Zusammenschlüsse zu Clustern sollen die jeweiligen Schulerhalter mit Unterstützung der Schulbehörden in den Ländern treffen - im Pflichtschulbereich sind das die Gemeinden.

An der Spitze der Cluster steht ein "Schulclusterleiter" mit eigenem Sekretariat, an den anderen Cluster-Standorten gäbe es eine pädagogische Leitung (den bisherigen Direktor) mit reduzierter Leitungsfunktion. Der Clusterleiter (bzw. ohne Cluster der Direktor) soll auch aus den Bewerbungen "seine" Lehrer aussuchen können. Die Überprüfung der formalen Kompetenzen und der Abschluss des Dienstvertrags bleiben bei den Schulbehörden.

Die Umstellung auf das neue System werde einige Zeit in Anspruch nehmen, betonte Hammerschmid: Es handle sich um einen "wirklich großen Changemanagementprozess". Erste "Leuchtturmschulen", die bereits die derzeitigen Möglichkeiten der Schulautonomie ausnutzen, sollen bereits 2017/18 starten können. Diese wiederum sollten andere nach einer Art Buddy-System an der Hand nehmen. "Von Schulleiter zu Schulleiter redet sich's leichter." Komplett umgestellt werde das System aber erst "eher in zehn Jahren" sein.

Insgesamt soll das Autonomie-Paket kostenneutral sein. Mehrkosten für die neuen Sekretariate stünden etwa Einsparungen durch besseren Personaleinsatz und durch die Entlastung der bisherigen Direktoren und künftigen rein pädagogischen Leitern von Verwaltungsaufgaben gegenüber. Diese könnten nun wieder mehr unterrichten. Die Pädagogen innerhalb der Cluster müssen künftig eventuell zwischen einzelnen Standorten pendeln - "eine gewisse Mobilität ist gefordert", so Hammerschmid.

Hier hakt auch die Kritik der Lehrervertreter ein. Bei aller grundsätzlicher Zustimmung zur Autonomie stecke der "Teufel immer im Detail", so der Vorsitzende der ARGE Lehrer in der GÖD, Paul Kimberger. Ein Zusammenschluss zu Clustern könne durchaus sinnvoll sein - die "gewisse Mobilität" funktioniere aber nur in Ballungsräumen. "Es kann nicht sein, dass die Lehrer mehr auf der Straße als in den Schulen sind." Problematisch ist für ihn auch die Reduktion der Mitbestimmungsrechte der Schulpartner auf reine Anhörungen, andere Punkte wie die Aufhebung der 50-Minuten-Einheiten oder fächerübergreifender Projektunterricht seien schon jetzt an vielen Schulen gelebte Praxis.

Für die AHS-Lehrer handelt es sich überhaupt um ein "Spar- und Entmündigungspaket", wie es in einem Rundschreiben der Österreichischen Professoren Union heißt. Stark kritisiert wurden u.a. die Streichung der Klassenschülerhöchstzahl sowie die "Entmündigung der Schulpartner", habe deren Mitbestimmung doch in den vergangenen Jahrzehnten viel zum Gelingen von Schule beigetragen.

Die Opposition reagierte vorsichtig positiv auf die geplanten Änderungen, die FPÖ sah allerdings "eine bloße Ansammlung von altbekannten Floskeln und Allgemeinplätzen". Die legistische Umsetzung des Pakets soll in den nächsten Tagen vorliegen. Nach einer Begutachtung soll die Reform im Dezember im Ministerrat beschlossen werden. Geht es nach Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP), könnte heuer sogar auch noch die Einigung über die Modellregionen zur gemeinsamen Schule und über die Änderungen in der Schulverwaltung anstehen.

Quelle: APA

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