Innenpolitik

Schulnachricht noch ohne Notenpflicht für Zweitklassler

Dieses Schuljahr bringt wieder verpflichtende Ziffernnoten in der zweiten Klasse Volksschule. Schlagend wird die Regelung aber erst beim Jahreszeugnis. In der Schulnachricht, die Kinder am Freitag in Wien und Niederösterreich und in den nächsten zwei Wochen in den anderen Bundesländern bekommen, kann noch alternativ benotet werden. Gegen den Notenzwang im Zeugnis regt sich aber schon Widerstand.

Jetzt geht es erst einmal in die Ferien SN/APA (Archiv)/ROLAND SCHLAGER
Jetzt geht es erst einmal in die Ferien

In der ersten Klasse sowie im ersten Semester der zweiten Klasse Volks- und Sonderschule kann sich das aus Eltern und Lehrern gebildete Klassenforum für eine alternative Beurteilung (etwa Pensenbücher) anstelle von Ziffernnoten entscheiden. Eltern können zusätzlich zur alternativen Beurteilung auf einer Beurteilung mit "Sehr Gut" bis "Nicht Genügend" bestehen.

Ab dem Jahreszeugnis der zweiten Klasse müssen nun verpflichtend Ziffernnoten vergeben werden, beschlossen wurde das von der vergangenen ÖVP-FPÖ-Regierung. Gleichzeitig ist nun in allen Volksschuljahrgängen zusätzlich zu den Ziffernnoten eine Verbal-Beurteilung vorgesehen. Formale Kriterien, wie diese auszusehen hat, gibt es nicht. Im dazugehörigen Erlass heißt es nur, dass die schriftliche Erläuterung in jedem Pflichtgegenstand darüber Aufschluss geben muss, in welchem Ausmaß die Kinder die im Lehrplan vorgesehenen Kompetenzen erreicht haben. Vom Bildungsministerium gibt es als Hilfestellung Kompetenzraster samt Formulierungsvorschlägen für die Lehrer.

Bis zur Neuregelung konnten sich die Schulen in den ersten drei Volksschulklassen autonom anstelle von Ziffernnoten für eine schriftliche "Leistungsinformation" entscheiden. Im Vergleich dazu gibt es mit der Neuregelung also maximal zwei Zeugnisse (zweite und dritte Klasse) und eine Schulnachricht (dritte Klasse) mehr, in denen die Leistung der Kinder mit Ziffernnoten bewertet werden muss.

An den Volksschulen sei die Stimmung angesichts der neuen Vorgaben des Ministeriums "nicht so gut", berichtet der oberste Lehrervertreter Paul Kimberger (FCG) im APA-Gespräch. "Das Ministerium glaubt, durch Standardisierung und Kontrolle Leistung erzeugen zu können, und das ist ein fataler Irrtum. In Wirklichkeit bräuchten wir mehr Autonomie und mehr Vertrauen in die Lehrerinnen und Lehrer." Er hätte sich für die ersten beiden Klassen komplette Autonomie bei der Entscheidung gewünscht. Dazu komme der enorme bürokratische Aufwand durch die Neuregelung, dabei seien die Volksschulen aktuell ohnehin durch die neue Schuleinschreibung und die neuen Tests für die Zuweisung zu Deutschförderklassen schon an ihrer Belastungsgrenze.

An der Vorarlberger Volksschule Lustenau-Kirchdorf, wo es bisher im alternativpädagogischen Zweig erst ab der vierten Klasse Ziffernnoten gab, setzt man aus Protest gegen die ausgeweitete Notenpflicht auf Aktionismus: Alle Kinder der dortigen dritten Klasse sollen im Semesterzeugnis mit "Gut" beurteilt werden. "Das Ziel ist es nicht, destruktiv zu sein, sondern noch einmal ein Nachdenken auszulösen", pocht Schulleiter Christoph Wund im APA-Gespräch auf Wahlfreiheit. Unterdessen sammelt die Vorarlberger Elterninitiative "Gemeinsam Zukunft Lernen" weiter Unterschriften für ihre Petition "Nein zum Notenzwang", knapp 6.000 Personen haben sie bisher unterstützt.

Quelle: APA

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