SPD-Chef Sigmar Gabriel hat den Rücktritt von Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) bedauert und hofft nun auf geordnete Verhältnisse in Wien. "Österreich braucht jetzt eine stabile und handlungsfähige Regierung, um die großen Aufgaben, vor denen wir in Europa gemeinsam stehen, zu bewältigen", sagte Gabriel am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.
Faymann, der kurz zuvor wegen mangelnden Rückhalts in den eigenen Reihen das Handtuch geworfen hatte, habe viel für den Zusammenhalt Europas getan, sagte der Vize-Kanzler.
"Ich bin zuversichtlich, dass die europäische Sozialdemokratie auch mit Werner Faymanns Nachfolger einen verlässlichen und konstruktiven Partner haben wird", erklärte Gabriel. Faymann sei nicht nur ein großer Freund der deutschen SPD, sondern auch sein persönlicher Freund. Beides werde über den Tag hinaus Bestand haben.
Der SPD-Außenpolitiker Niels Annen sieht den Rücktritt des österreichischen Bundeskanzlers als Folge des Kurswechsels der Wiener Regierung in der Flüchtlingspolitik. "Der unvermittelte Rechtsschwenk der SPÖ unter Werner Faymann in der Flüchtlingsfrage hat die eigenen Wähler stark verunsichert und sich politisch nicht ausgezahlt", sagte der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion am Montag der Nachrichtenagentur AFP.
"Die SPÖ ist und bleibt die bestimmende politische Kraft in Österreich und enger Partner der SPD", sagte Annen. Allerdings habe neben dem Kursschwenk in der Flüchtlingsfrage auch der Verzicht auf eine offizielle Wahlempfehlung für den von den Grünen unterstützten Kandidaten Alexander Van der Bellen bei der Stichwahl um das Präsidentenamt "Fragen nach der Ausrichtung der Partei aufgeworfen".
Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Jürgen Hardt, hofft nach Faymanns Rücktritt auf einen Kurswechsel bei den geplanten Grenzkontrollen am Brenner. Faymanns Nachfolger habe "die Chance, Entscheidungen zu überdenken und vielleicht auf die Wiedererrichtung der Brenner-Grenze zu verzichten, die uns in der EU beim freien Personen- und Warenverkehr deutlich zurückwerfen würde", sagte Hardt der "Heilbronner Stimme".
