Innenpolitik

Sozialprojekt für Jugendliche und Eltern gegen Schulabbrüche

In Wien macht jeder achte 15- bis 17-Jährige nach der Pflichtschule keine weitere Ausbildung. Der Wiener Sozialverein "Schulerfolg" will Jugendlichen ab Februar helfen, Schulabbrüche zu vermeiden. Bis zu 140 Schüler an Polytechnischen Schulen in Floridsdorf und Donaustadt sollen im "Jugendraum" Lernhilfe bekommen und bei Schul- und Berufswahl unterstützt werden, ein Projekt für Eltern soll folgen.

Viele Schüler brechen in Wien die Schule ab.  SN/APA (dpa)/Julian Stratenschulte
Viele Schüler brechen in Wien die Schule ab.

Der "Jugendraum" soll jenen, die wegen schlechter Noten, Motivations- und Orientierungslosigkeit, unangemessenem Sozialverhalten oder fehlendem Durchhaltevermögen davor stehen, die Schule abzubrechen, ab Februar neue Perspektiven bieten: Fachlehrer helfen ihnen in Kleingruppen in ein bis zwei Doppelstunden pro Woche beim Lernen und zusätzlich bei den Hausübungen. Spezifische Sportprogramme sollen beim Bewältigen von Krisen helfen, bei individuellen Coachings sollen die Jugendlichen ihre Fähigkeiten und Stärken erkennen. Unterstützung gibt es außerdem bei der Entscheidung für den passenden (Aus)bildungsweg.

Geht es nach Vereinsgründer Stefan Unterberger, der bereits am Aufbau des Gratisnachhilfe-Angebots "Wiener Lerntafel" beteiligt war, soll das Angebot vor allem Schülern mit Lernschwierigkeiten und Jugendlichen aus anderen Kulturkreisen weiterhelfen, die Ausbildungsmöglichkeiten und Arbeitsmarkt in Österreich nicht so gut kennen. Erreicht werden soll die Zielgruppe über die Jugendcoaches des Sozialministeriums, die an den Schulen im Einsatz sind.

Unterberger will zusätzlich die Eltern ins Boot holen, seien diese doch ein Schlüsselfaktor für den Schulerfolg. Im zweiten Quartal soll deshalb der "Elternraum" starten, wo über ein dreiviertel Jahr hinweg mehrmals pro Monat eigens ausgebildete "Elternbegleiter" vermitteln, wie die Jugendlichen beim Lernen effektiver unterstützt werden können. Dadurch soll sich die Haltung der Familie zum Thema Bildung entspannen und sich die Bildungs- und Arbeitsmarktchancen der Jugendlichen verbessern.

Die Zielgruppe für ein solches Angebot ist aus Unterbergers Sicht groß: In Wien haben rund 50.000 Eltern Kinder, die in der Schule mit Lernproblemen kämpfen. Einer Umfrage der Wiener Lerntafel zufolge wären bis zu zehn Prozent davon bereit, an einem Eltern-Unterstützungsprogramm teilzunehmen. Teilnehmer dieser Kurse könnten einerseits die Eltern von Schülern sein, die schon über die "Lerntafel" oder den "Jugendraum" betreut werden. Zusätzlich strebt der Verein auch Kooperation mit Schulen an.

Quelle: APA

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