Innenpolitik

Sozialversicherung will E-Medikation bundesweit ausrollen

Die E-Medikation soll - beginnend mit der Steiermark - ab dem ersten Quartel 2017 österreichweit ausgerollt werden. Bis zum zweiten Quartal 2018 könnte sie bundesweit verfügbar sein. Diesen Plan hat der Hauptverband der Sozialversicherungsträger am Dienstag bekannt gegeben. Noch wartet man allerdings auf das Okay aus dem Gesundheitsministerium. Wie immer dagegen: die Ärzte.

Sozialversicherung will E-Medikation bundesweit ausrollen SN/APA/ROBERT J?GER
ELGA bringt Sicherheit für Patienten.

Bei dem Vorhaben geht es um eine Datenbank, in der für jeden Patienten die von Ärzten verordnete bzw. von Apotheken abgegebene Medikamente gespeichert werden. Die E-Medikation ist Teil der elektronischen Gesundheitsakte ELGA über die Patienten auch Einblick in ihre Liste bekommen. Ziel ist es, unbeabsichtigte Wechselwirkungen und Mehrfachverschreibungen zu verhindern.

Getestet wurde das System seit Ende Mai im steirischen Bezirk Deutschlandsberg. Statt bis Ende September soll der Test noch bis Ende November laufen, per 1. Dezember dann der verpflichtende Regelbetrieb in diesem Bezirk starten. Danach soll die ganze Steiermark und schließlich alle Bundesländer folgen.

"Es ist ein Gebot der Stunde, die E-Medikation so schnell wie möglich auf ganz Österreich auszurollen", betonte Hauptverband-Chefin Ulrike Rabmer-Koller. "Am Ende ist das Bundesministerium am Zug." Man selbst sei "Rollout-ready", meinte etwa Hauptverbands-Vize Volker Schörghofer, der auf eine entsprechende Verordnung hoffte und Bedenken von Ärzteseite beiseite wischte: "Jetzt geht es wirklich nur darum, die Starttaste zu drücken und das 'Go' zu geben."

Die technische Verfügbarkeit sei nachweislich gegeben, betonte Schörghofer unter Verweis auf den Pilotversuch. 94 Prozent der mit E-Card-System ausgestatteten Ärzte im Bezirk Deutschlandsberg, 90 Prozent in der gesamten Steiermark, 70 Prozent in ganz Österreich könnten zurzeit damit ausgestattet werden. Bei den Apotheken seien es 87 Prozent in der Steiermark und 85 Prozent bundesweit. Die Vorgangsweise sei mit der Ärztekammer, dem Ministerium, den Ländern und den Softwareherstellern abgestimmt.

Druck machte auch Patientenanwalt Gerald Bachinger, der auch auf die gut zehnjährige Historie des Projekts verwies. "Jeder Tag, der hier verzögert wird, führt zu ganz konkreten Patientengefährdungen." Schörghofer verwies darauf, dass man Kinderkrankheiten des Systems bereinigt habe und die Software fertig sei. Von "durchwegs positivem Feedback der teilnehmenden Ärzte und Apotheken" berichtete Rabmer-Koller. 57.000 Verordnungen seien bereits gespeichert worden. Derzeit nutzen 19 Ärzte das System, angemeldet hatten sich 30.

"Von einem österreichweiten Roll-out kann hier weit und breit keine Rede sein", kam umgehend das "Njet" der Ärztekammer. "Unausgereift und somit unsicher", lautete das Urteil über das Pilotprojekt in Deutschlandsberg. Umso unverständlicher seien die Pläne des Hauptverbands. "Hier wird ein fehleranfälliger Probebetrieb ohne die betroffenen Teilnehmer - die Ärztinnen und Ärzte - als 'patientensicher' verkauft", kritisierte Vizepräsident Johannes Steinhart. Und: "Es haben noch nicht einmal die Gespräche zur notwendigen gesamtvertraglichen Umsetzung begonnen."

An dem seit Mai dieses Jahres laufenden Pilotprojekt würden aktuell nur ein Dutzend Ärzte teilnehmen. Bei einem Erfahrungsaustausch mit den Teilnehmern seien grobe Mängel aufgedeckt worden. "Auf Basis dieser minimalen und meist schwierigen Erfahrungen in den Ordinationen ein System auf ganz Österreich ausrollen zu wollen, ist eine Gefahr für die Patientensicherheit", warnte Steinhart. "Wenn das System jetzt schon krankt, ist eine plötzliche Einbindung von mehr als 8.000 Kassenärzten und mehr als 10.000 Wahlärzten schlicht fahrlässig."

Eine Zustimmung der Ärzte ist eine der Voraussetzungen für eine entsprechende Verordnung, hieß es dazu im Gesundheitsministerium. "Eine Verordnung gibt es dann, wenn es einen abgestimmten Rollout-Plan gibt und alle das Okay dazu gegeben haben", erklärte eine Sprecherin von Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ). Neben der Ärzten zählten auch Softwarehersteller und Apotheken dazu. Der Hauptverband müsse belegen, dass die E-Medikation in Ordinationen und Apotheken entsprechend funktioniere. Generell habe man aber höchstes Interesse an einem österreichweiten Rollout.

Quelle: APA

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