Rendi-Wagner und die SPÖ: Ein intelligenter Start

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Standpunkt Alexander Purger

Ist sie der aufgehende Stern am SPÖ-Himmel oder nur eine Übergangslösung, bis die Partei jemand besseren gefunden hat? Wird sie die erste Bundeskanzlerin der Republik, wie sie sich zum Ziel setzt, oder doch nur die nächste Kurzzeit-Lösung an der roten Parteispitze? Wirkliche Anhaltspunkte, um diese Fragen beantworten zu können, bot Pamela Rendi-Wagners Antrittsrede beim Welser SPÖ-Parteitag nicht. Denn sie ist keine große Rednerin. Aber das macht nichts. Wahlen werden heute nicht mehr auf dem Parteitagspodium, sondern im Fernsehen entschieden. Und dort tritt Rendi-Wagner gekonnt auf.

Was die neue SPÖ-Chefin mit ihrer Parteitagsrede jedenfalls bewiesen hat, ist Intelligenz und Mut. Intelligenz, indem sie ihren mangelnden Stallgeruch (sie ist ja erst seit kurzem Parteimitglied) geschickt überspielte, indem sie von ihrer Kindheit im Wiener Gemeindebau erzählte und ausführlich die Parteiheiligen von Victor Adler bis Bruno Kreisky beschwor. Und Mut, indem sie sich bei einem einzigen Thema wirklich klar positionierte, nämlich in Sachen Migration. Hier legte Rendi-Wagner ein uneingeschränktes Bekenntnis zur humanitären Verpflichtung gegenüber allen Flüchtlingen ab, stellte sich in dieser SPÖ-intern umstrittenen Frage also entschieden auf die Seite des linken Parteiflügels. Ob der rechte Flügel das akzeptiert, wird man sehen. Bei Christian Kern hatte er es nicht widerspruchslos hingenommen.

Dass es beim Welser Parteitag noch keinen Widerspruch gab, war logisch. Es ist einfach eine Frage der politischen Intelligenz, die einzige Person, die bereit war, die marode Partei zu übernehmen, nicht von Anfang an zu schwächen, sondern mit stehenden Ovationen zu feiern. Rendi-Wagner machte es der Partei aber auch nicht schwer, sie freundlich aufzunehmen. Denn sie trat sympathisch auf und betonte immer wieder die Sozialpolitik als Kernkompetenz der SPÖ. Sobald die Konjunktur des Migrationsthemas abgeflaut ist, wird die Partei mit der sozialen Frage sicherlich wieder punkten können. Wann das sein wird, ob in Monaten oder erst in Jahren, lässt sich heute nicht sagen. Es wird aber auch über die politische Karriere von Pamela Rendi-Wagner entscheiden.

Aufgerufen am 28.11.2020 um 12:10 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/standpunkt-rendi-wagner-und-die-spoe-ein-intelligenter-start-61385911

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