Innenpolitik

Susanne Raab: "Frauen stärken, um Integration zu fördern"

Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) präsentierte am Dienstag den von einem unabhängigen Expertenrat verfassten Integrationsbericht. Dieser offenbarte Defizite im Bildungsbereich. Während die Experten auf die Ganztagsschule und Sprachförderung pochen, will die Regierung die Eltern verstärkt in die Pflicht nehmen.

Jeder vierte Mensch, der in Österreich lebt, hat Migrationshintergrund — das sind aktuell 2.070.100 Personen. Dieser Anteil ist in den vergangenen zehn Jahren um 35 Prozent (540.000 Personen) angestiegen. Diese Ergebnisse brachte der zehnte Integrationsbericht zutage, der am Dienstag präsentiert wurde. "Das ist eine Mammutaufgabe", betonte Integrationsministerin Susanne Raab.

Bildung stellt große Baustelle dar

Diese Entwicklung bilde sich auch in den Schulen ab. Der Anteil der Schüler mit nicht deutscher Umgangssprache stieg seit 2010 von 17,6 Prozent auf 26,4 Prozent im Jahr 2019. In Wien betrage der Anteil 50 Prozent. In Kindergärten sprechen 33 Prozent der Kinder nicht deutsche Umgangssprache, in Wien 60 Prozent. "Die Umgangssprache per se ist nicht problematisch", sagt Katharina Pabel, Vorsitzende des Expertenrats für Integration. Damit gehe jedoch erhöhter Förderbedarf in Deutsch und Mathematik in der Schule einher. Besorgniserregend ist laut Pabel, dass zwei Drittel der 13- bis 14-Jährigen mit Migrationshintergrund die Standards in Lesen nicht erreichten.

Um dem entgegenzuwirken, solle die frühkindliche Sprachförderung gestärkt werden, Nachmittagsbetreuung sowie ganztägige Schulformen ausgebaut werden, wie der Expertenrat empfiehlt. Die Deutschförderklassen seien ein Schritt gewesen, müssten aber noch weiter evaluiert und ausgebaut werden, sagt Pabel. Auch ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr wurde in Aussicht gestellt.

Diese Maßnahmen kämen am Ende allen Schülerinnen und Schülern entgegen, nicht nur jenen mit Migrationshintergrund, betonte Pabel, stellte aber klar: "Schule kann nicht alles leisten - auch die Eltern sollen verstärkt miteingebunden werden." Daher seien die durch die Coronapandemie erstmals durchgeführten Sommerschulen und Elternkurse ein Schritt, auf dem Ministerin Raab aufbauen will, wie sie am Dienstag sagte.

Zuwanderer sollen ehrenamtlich tätig sein: "Fördern und fordern"

Integration solle als wechselseitiger Prozess verstanden werden, sagt Pabel. Die Devise laute: "Fördern und fordern." Einerseits gelte das für die Zuwanderer, andererseits aber auch für die Aufnahmegesellschaft.

Das betonte auch Ministerin Susanne Raab: "Integration ist kein Selbstläufer, es braucht ein starkes Angebot vonseiten des Staates. Aber es braucht auch das Zutun der Zuwanderer." Zudem solle illegale Migration weiter bekämpft werden. "Ein Jahr wie 2015 darf sich nicht wiederholen."

Einen Weg für bessere Integration sieht Raab im Ehrenamt, wie sie am Dienstag darlegte. "Wenn Zuwanderer ehrenamtlich tätig sind, haben sie Kontakt zur Mehrheitsbevölkerung, zudem leisten sie einen gesamtgesellschaftlichen Beitrag." Projekte hierzu sollen forciert werden. Auch der Kampf gegen Parallelgesellschaften soll weiter angegangen werden: "Miteinander leben, nicht nebeneinander", appellierte die Ministerin.

Frauen auf dem Arbeitsmarkt stärken

Der 2019 positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt setzte heuer die Coronakrise ein abruptes Ende. Sie ließ die Arbeitslosenquote von Ausländern um fast 75 Prozent in die Höhe schnellen, jene von Inländern um fast 50 Prozent (Vergleich Sommer 2019 zu Sommer 2020). Bei der Bewältigung der Coronakrise müsse die Integration daher in sämtlichen Bereichen mitgedacht werden, fordert Pabel.

Besonders betroffen sind zugewanderte Frauen, diese seien tendenziell schlechter am Arbeitsmarkt integriert, wie der Generaldirektor der Statistik Austria, Tobias Thomas, darlegte. Von jenen Frauen, die seit der großen Flüchtlingswelle vor fünf Jahren nach Österreich gekommen sind, hätten nur elf Prozent am Arbeitsmarkt Fuß gefasst. Die Erwerbsquote von Frauen aus der Türkei, die in Österreich leben, liege bei 50 Prozent, bei Frauen aus Afghanistan, Syrien und dem Irak bei etwa 17 Prozent.

Gerade Mütter würden in der Erziehung und Bildung eine Schlüsselrolle in der Integration einnehmen, sagt Raab. "Das Ziel muss daher sein: Frauen zu stärken. Wir wollen, dass jede Frau in Österreich selbstbestimmt lebt." Bildung sei hierfür die Basis, außerdem solle für zugewanderte Frauen ein rascherer Einstieg in den Arbeitsmarkt ermöglicht werden. Mit Angeboten in der Weiterbildung — gerade auch im digitalen Bereich — sollen daher Frauen gezielt anvisiert werden.

Quelle: SN

Aufgerufen am 19.09.2020 um 08:33 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/susanne-raab-frauen-staerken-um-integration-zu-foerdern-92531749

Kommentare

Schlagzeilen