Innenpolitik

Terror-Verdächtiger 17-Jähriger will umfassend aussagen

Der in der Vorwoche unter Terror-Verdacht festgenommene 17-Jährige will offenbar mit den Strafverfolgungsbehörden kooperieren. Er ist bereit, dem ermittelnden Staatsanwalt Rede und Antwort zu stehen - die Einvernahme soll am kommenden Montag stattfinden. Der Jugendliche bestreitet weiterhin, einen Anschlag in Wien geplant und dafür in Deutschland "Testsprengungen" durchgeführt zu haben.

Nahe diesem Haus in Neuss will der Bursch "Böller geschmissen" haben.  SN/APA (dpa)/Federico Gambarini
Nahe diesem Haus in Neuss will der Bursch "Böller geschmissen" haben.

Der 17-Jährige räumt ein, in Neuss einen mittlerweile ebenfalls in Haft befindlichen 21-Jährigen getroffen zu haben, den er über islamistische Internet-Foren kennengelernt hatte. "Die beiden haben Böller geschmissen und eine Rauchbombe gebastelt. Aber da war nix, was auch nur annähernd einer Gefährdungslage nahe kommen könnte", erklärte Wolfgang Blaschitz, der Verteidiger des 17-Jährigen, am Mittwoch. Sein Mandant habe sich durchaus in einem möglicherweise radikal-salafistischen Umfeld bewegt. So soll der Bursch den Wiener Hass-Prediger Mirsad O. alias "Ebu Tejma" vergöttert haben, der im vergangenen Sommer in Graz wegen terroristischer Vereinigung, Anstiftung zum Mord und schwerer Nötigung zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde.

"Es gibt aber derzeit keinen Hinweis, dass er konkrete Straftaten geplant hätte. Daher laufen die Ermittlungen auch nur wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung und nicht in Richtung Vorbereitung von dutzendfachem Mord oder vorsätzliche Gefährdung durch Sprengmittel", so Blaschitz im Gespräch mit der APA.

Der 17-Jährige bestreitet, mit einem zwölfjährigen und daher noch strafunmündigen Wiener Buben in engerem Kontakt gestanden zu sein, der zuletzt von ranghohen Behördenvertretern als möglicher Komplize des Jugendlichen bezeichnet wurde. "Er hat den Zwölfjährigen ein einziges Mal getroffen. Da sind sie gemeinsam U-Bahn gefahren und beim Schwarzfahren erwischt worden", berichtete Blaschitz. Der Zwölfjährige habe zwar regeren Kontakt gesucht, sei seinem Mandanten aber "auf die Nerven gegangen", sagte der Anwalt.

Vonseiten der Ermittler wurden am Mittwoch keine neuen Erkenntnisse kommuniziert. "Wir sind weiter mit der Auswertung des bei Hausdurchsuchungen sichergestellten Materials beschäftigt. Das dauert", sagte Innenministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck. Die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen der Polizei bleiben weiter aufrecht.

Der 17-Jährige, über den das Wiener Landesgericht die U-Haft verhängt hat, wurde in der Justizanstalt Josefstadt "adäquat untergebracht", wie die Sprecherin der Justizanstalt, Kerstin Scheuchl, auf APA-Anfrage erklärte. Altersbedingt bezog der Bursch eine Zelle in der Jugendabteilung. Ob er einen Einzelhaftraum zugeteilt bekommen hat und damit gewährleistet ist, dass er jüngere oder gleichaltrige Zellengenossen nicht beeinflussen und in religiöser Hinsicht radikalisieren kann, wollte Scheuchl nicht beantworten. "In Absprache mit dem Justizministerium werden keine näheren Auskünfte zu Art und Weise seiner Unterbringung erteilt", meinte die Sprecherin.

Quelle: APA

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