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Test-Hektik vor Schulbeginn

Vor Tankstellen Schlange stehende Eltern, Wettrennen um rechtzeitig einlangende PCR-Testkits und Einverständnisunterschriften. Schulen droht spannende Sicherheitsphase.

Das dritte Schuljahr mit Pandemie beginnt wieder mit Unsicherheiten.  SN/apa
Das dritte Schuljahr mit Pandemie beginnt wieder mit Unsicherheiten.

Schulbeginn an der Zapfsäule. Sonntagmorgens bildeten sich vor Tankstellen mit "alles-gurgelt"-Einwurfboxen in Wien teils lange Schlangen von Eltern, die noch vor neun Uhr früh den PCR-Test ihrer Schulkinder abgeben wollten. In einem Elternbrief der Bildungsdirektion hatte es geheißen, "für einen sicheren Schulstart ersuchen wir Sie die erste Testung bereits noch vor dem ersten Schultag am 3. oder 4. September zu Hause durchzuführen." Schüler, die am Montag ohne Test kommen, sollen an den Wiener Schulen erst einmal antigengestestet werden - eine vorhandene Einverständniserklärung vorausgesetzt. Die PCR-Tests für die Schulen und QR-Codes für jeden Schüler sind erst in Auslieferung. Sorgen, dass der geplante Vollbetrieb ab nächster Woche mit dann mehr als einer Million PCR-Testungen für Schüler in ganz Österreich in der Umsetzung problematisch wird, werden an den Schulen größer.

In der "Sicherheitsphase" in den ersten drei Wochen müssen laut Ministerium alle Kinder dreimal wöchentlich testen - unabhängig davon, ob sie geimpft sind. Ein Test muss ein PCR-Test sein. Am Montag soll ein Antigen- und ein PCR-Test gemacht werden. In der Sicherheitsphase tragen Schüler außerhalb der Klasse Maske.

Der Schulstart im Osten stand für die Wiener Schulleitungen im Zeichen widersprechender Informationen. Zwei Tage nach dem Test-Konzept und vier Tage vor Schulbeginn erhielten die Wiener Schulen von der Bildungsdirektion einen Brief mit gegenteiligen Infos: In Wien sollen anders als in den anderen Ländern zumindest zwei PCR-Tests pro Woche die Schule sicherer machen. Zwei PCR-Tests wird es hier aber erst ab der zweiten Schulwoche geben. Die Auslieferung der Testkits und Einwurfboxen, das Einholen der Einverständniserklärungen und das Anlegen von QR-Codes und Klassenlisten für einen Zugriff der Schulen auf die Testergebnisse wird offenbar zur befürchteten organisatorischen Herausforderung.

Die westlichen Bundesländer können sich die Erfahrungen mit den Testungen zum Schulstart im Osten eine Woche erste Reihe fußfrei ansehen. Auch in der Sommerschule sollten Testerkenntnisse gesammelt werden. Ein Salzburger Schuldirektor berichtet davon, dass seine Schule in der ersten Woche der Sommerschule nur für einen kleinen Bruchteil der abgegebenen PCR-Tests ein Ergebnis rückgemeldet erhalten habe.

Die Labors müssten an sich bis spätestens sieben Uhr am Folgetag die Ergebnisse an die Schule liefern. Am Testtag müssen die Proben an der Schule ab 8.30 Uhr gesammelt zur Abholung bereitstehen. Kommt es zu Verzögerungen und verlässt der Fahrer die Schule ohne Proben "müssen diese entsorgt" werden, so die Vorgaben.

Die ehrgeizigen Testmaßnahmen sollen ein weitgehendes Aufrechterhalten des Präsenzbetriebs ermöglichen. Ungeimpfte Lehrer müssen externe PCR-Tests beibringen - dies auch nach der Sicherheitsphase. Aufstellungen der AGES haben nachgewiesen, dass die meisten Infektionen über die Lehrer und nicht über die Schüler an die Schule gekommen sind. In einer Unique-Research-Umfrage für das "profil" sprechen sich 57 Prozent der Österreicher für eine Impfpflicht des Lehrpersonals aus.

Spannend bleibt, was bei einem Corona-Fall in der Klasse zu tun ist. Über Quarantäne entscheidet die lokale Gesundheitsbehörde. Bildungsminister Heinz Faßmann sprach sich am Sonntag klar für einen Vorschlag des Innsbrucker Kinderklinikchefs Thomas Müller und des Epidemiologen Peter Willeit aus, nicht schon bei einem positiven Fall die ganze Klasse in Quarantäne zu schicken.

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